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29. März 2008, 10:07 Uhr

"Wir haben den Nasensound"

Rocker und Rapper vereint: Udo Lindenberg und Jan Delay im exklusiven Gespräch über ihre Freundschaft, Nervenzusammenbrüche und die Teamarbeit auf der neuen Udo-Lindenberg-CD "Stark wie Zwei". Von Hannes Ross und Oliver Fuchs

Pokerface beim stern-Shooting im Hotel Atlantic: Udo Lindenberg und Jan Delay. Im Hintergrund der Lindenberg-Bodyguard Kante© Timmo Schreiber

Herr Lindenberg, Herr Delay, was verbindet einen 61-jährigen Deutschrocker mit einem 31-jährigen Rapper?

Udo Lindenberg: Der nasale Sound. Jan und ich, wir haben die zugestopftesten Nasen der Republik. Bei mir wollte ja mal ein Doktor an die Nebenhöhlen ran, da hab ich gesagt, nee, bloß nichts machen. Mein Sound ist doch Gold wert. Genau wie Jans Stimme. Naturbelassen und zeitlos.
Jan Delay: Udo ist für mich der größte lebende deutsche Poet. Er war der Grund, warum ich angefangen habe zu singen.

Udo Lindenberg, Sie sind offenbar für viele Musiker ein Idol. Auf Ihrem neuen Album "Stark wie Zwei" sind außer Jan Delay auch Silbermond, Helge Schneider und Till Brönner vertreten ...

Lindenberg: ... das sind alles meine Soul- Brüder und Soul-Schwestern, vom Clan der Lindianer. Die haben gesagt, hey Udo, wann gibt's endlich was Neues, gib uns neuen Stoff, wir werden ganz zappelig ohne neue Linden-Songs.

"Wegen Udo habe ich angefangen zu singen", sagt Jan Delay. Er war schon als Sechsjähriger dem Wortwitz des Deutschrockers verfallen© Timmo Schreiber

Acht Jahre lang haben Sie nichts veröffentlicht. Hatten Sie die Lust an der Musik verloren?

Lindenberg: Überhaupt nicht. Aber als Gesamtjongleur hatte ich noch andere Sachen laufen: meine Malerei zum Beispiel, meine Revue mit Immigrantensongs aus den 20er und 30er Jahren und Rockfestivals gegen Rechtsradikalismus. Auf meinem neuen Album geht der Blick wieder mehr nach innen. Mit der Taschenlampe tief in die Seele. Es geht um Freundschaft, Liebe, Verlust. Aber logisch, es gibt auch ordentlich Straßenaction, locker wie ein Rocker.

Und Sie klingen wieder so wie zu Beginn Ihrer Karriere. Dabei galt der Popstar Udo Lindenberg als Auslaufmodell. Umso erstaunlicher, dass es jetzt ein Hauen und Stechen gab um die Vermarktungsrechte an Ihrer neuen Platte. Erfüllt Sie das mit Genugtuung?

Lindenberg: Noch als wir im Studio waren, ging die frohe Kunde rum wie ein Lauffeuerchen. Mir war klar, wer darauf nicht anspringt, ist eine absolute Blindschleiche.

Herr Delay, Sie singen nicht nur ein Duett mit Udo Lindenberg, sondern haben ihn auch musikalisch beraten. Hatten Sie manchmal Angst, Ihrem Idol die Meinung zu sagen?

Delay: Wir sind mal nachts mit dem Auto über den Kiez gefahren, und Udo hat mir Probeaufnahmen vorgespielt. Ich war total entsetzt. Beim Hören musste ich an einen langhaarigen Gitarristen mit nacktem Oberkörper auf einer Klippe denken. Die Haare wehen im Wind, er spielt ein Schrammel-Solo. Da meinte ich zu Udo: Sorry, aber das ist 80er-Jahre-Hitradio. Ich bin froh, dass er jetzt mit einer Platte zurückkommt, die einen richtig durchrockt, so wie früher. Die alte Udo-Welt.

Udo-Welt?

Delay: Na ja, diese geilen Geschichten eben über verschrobene Charaktere, die mal Gutes erleben und mal Schlechtes, aber immer vorgetragen in wunderschönen Harmonien. Ich weiß noch, wie ich als Sechsjähriger im Autozug nach Sylt saß und zum ersten Mal ein Lied von Udo gehört habe, von dem ich total geflasht war. Ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, dass ich jemanden in meiner Sprache zu mir singen hörte. Da redete einer genau so, wie die Leute morgens aufstehen und fluchen, das echte Leben halt.

Auf dem neuen Album singen Sie offen über Ihre Alkoholexzesse. "Knietief im Whiskey, bis zum Nabel im Wodka", heißt es in dem Lied "Nasses Gold".

Lindenberg: Beim Schreiben dieses Liedes habe ich ein bisschen mit Absinth gegurgelt, hat 80 Umdrehungen, ist auch gut für die Stimme. Aber nur ein Schlückchen und keine Mengenlehre.

Dabei dachten wir, Sie hätten dem Alkohol abgeschworen, nachdem Sie mal mit 4,7 Promille ins Krankenhaus eingeliefert wurden.

Lindenberg: So viel trink ich heute nicht mehr. In der Dosis liegt das Gift. Heute bevorzuge ich gezielte Exzesse. Nena berät mich bei der Trennkost und der Kiez-Boxklub- Boss Hanne K. beim Kampfsport. Ansonsten rauche ich Zigarre. Natürlich können Drogen die künstlerische Arbeit befeuern, das weiß man von Goethe, Freud, Bukowski und vielen anderen. Aber die haben eben auch die Regel befolgt: Im Rausch schreiben, nüchtern gegenlesen.
Delay: Wenn ich einen Text schreibe, will ich nicht an meine Steuererklärung denken oder an das komische Jucken unter der Achsel, ob da gerade ein Furunkel wächst. Da rauch ich was, um in meiner kleinen Künstlerwelt zu versinken.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 13/2008

"Stark wie Zwei"

"Stark wie Zwei" 14 Songs wie aus alten Zeiten: Udo Lindenberg klingt auf seiner neuen CD "Stark wie Zwei" (Warner) so aufregend wie zu Beginn seiner Karriere

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KOMMENTARE (2 von 2)
 
sotospeak (30.03.2008, 10:23 Uhr)
Schlimm
Lindenberg ist eine einzige Peinlichkeit. Abgesehen davon verstehe ich nicht, was daran cool sein, den Konsum von Drogen zu propagieren. Man sollte solche Leute verhaften.
Eingebuergert29 (29.03.2008, 18:25 Uhr)
Cooler Spruch...
Zitat:"Wir haben den Nasensound"
Ich kippe gleich vom Stuhl vor lauter lachen...
Ich wundere mich, dass Udo nach so viel Koksen nch bei Verstand ist.
Whatever...
Dennoch beide klasse Musiker...
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