Frei.Wild-Sänger reicht Kritikern die Hand

9. März 2013, 17:52 Uhr

Die Südtiroler Band Frei.Wild wird keinen "Echo" erhalten. Der Sänger der Gruppe wehrt sich gegen Nazi-Vorwürfe und vermutet Neid als Grund für Anfeindungen. Er wittert gar so etwas wie eine Intrige.

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Kraftklub-Sänger Felix Brummer hatte Erfolg mit seinem angedrohten Boykott der Echo-Preisverleihung. Die Organisatoren nahmen die Nominierung von Frei.Wild zurück.©

Philipp Burger beteuert seit Monaten, kein tumber Nationalist oder Neonazi zu sein. Auf Konzerten lässt er "Nazis raus!" rufen und Sätze wie "Nazis sind scheiße, da müssen wir überhaupt nicht drüber diskutieren" trägt er gebetsmühlenhaft vor. Trotzdem überzeugt er längst nicht alle. Immer wieder wird ihm seine Skinhead-Vergangenheit vorgehalten, immer wieder werden ihm seine teils martialischen Texte um die Ohren gehauen, in denen er auf "Gutmenschen und Moralapostel scheißt" oder es heißt: "Sprache, Brauchtum, und Glaube sind Werte der Heimat / Ohne sie gehen wir unter, stirbt unser kleines Volk". Die Deutsche Phono-Akdamie hat die Nominierung für den Preis zurückgezogen, "um zu verhindern, dass der Echo zum Schauplatz einer öffentlichen Debatte um das Thema der politischen Gesinnung wird".

In einer Stellungnahme schlägt Frei.Wild nun zurück. "Die Deutsche Phono-Akademie hat kein Rückgrat bewiesen und sich somit selbst disqualifiziert", erklärte die Band am Samstag. Gegen die Nominierung der Deutschrocker hatte es Proteste gegeben. Die ebenfalls nominierten Gruppen Kraftklub und MIA. hatten einen Boykott angekündigt, falls Frei.Wild auf der Vorschlagsliste bleiben sollte. Vor dem Ausschluss hätten weder die Phono-Akademie noch Kraftklub und MIA. das Gespräch gesucht, erklärte die Band. Dabei habe sich die Gruppe - und vor allem der Sänger - eindeutig von jeder Form des politischen Extremismus distanziert. Burger gibt an, sich vor 15 Jahren von seiner Vergangenheit als Skinhead gelöst zu haben.

"Ein bisschen Neid ist auch dahinter"

Zugleich bot Burger seinen Kritikern ein Gespräch an. Auf die Frage, ob er an einem Treffen mit ihnen interessiert sei, sagte er dem Kölner "Express": "Auf jeden Fall. Ich wäre sofort dabei. Ich bin auch schon mit einigen in Kontakt, möchte aber noch nicht sagen, mit wem, weil ich nicht weiß, wie das Gespräch ausgeht." Als Motiv für die Anfeindungen vermutet Burger Neid. "Solche Bands sind fast immer Mitglieder von großen Major-Labels. Diese Plattenfirmen finden doof, dass Bands wie wir ohne diese Companies Erfolge feiern. Das zweite ist das Unverständnis dafür, dass ausgerechnet eine Band aus Südtirol den Deutschrock-Thron übernommen hat. Das ist ja auch komisch. Ein bisschen Neid ist auch dahinter." Frei.Wild hat ein eigenes Label, auf dem die Platten der Band erscheinen.

Der Musiker kündigte an, Frei.Wild wolle "noch mehr" gegen rechte Gewalt tun. "Wir würden auch gerne bei einem Festival gegen Rechts spielen, da wo die rechten Fahnen verbrannt werden. Aber wir werden da nie angefragt. Aber wir bieten uns an. Und wir spielen für diese antifaschistischen Zwecke das Zehnfache ein als jede andere Band dort. Wenn man uns denn lässt." Er fühle sich von Leuten, die "politisch korrekt" sein wollten, ausgegrenzt. "Die stempeln uns als Nazis ab und das ist der schlimmste Stempel, den Du in Europa jemandem aufdrücken kannst. Und das ohne Grund. Das ist eine Verletzung meiner Persönlichkeitsrechte und aus meiner Sicht auch nicht demokratisch."

"Spuckt ihnen ins Gesicht"

Burger beteuerte abermals, rechtem Gedankengut abgeschworen zu haben. "Wir haben nicht einen Hauch Sympathie dafür, dafür sind wir normale Menschen und haben ein Gefühl der Menschlichkeit." Als Jugendlicher sei er in "Sturm-und-Drang-Zeiten" in eine falsche Szene geraten, habe nach drei Jahren gemerkt, "wie scheiße das ist und habe wieder heraus gefunden. Das liegt jetzt 14 Jahre zurück". Er könne dazu beitragen, junge Menschen vor einem Abgleiten in die rechte Szene zu bewahren, da er glaube, "dass Leute, die in den Nazi-Bereich abrutschen, eher mir zuhören als total linken Bands wie den Ärzten oder den Hosen. Und dass ich sie vielleicht überzeugen kann, dass das falsch ist."

Auf den Facebook-Seiten von MIA. und Kraftklub tobt nach wie vor der Streit über die politische Ausrichtung der Band und nun auch darüber, ob die Rücknahme der Nominierung richtig oder falsch gewesen sei. Auf der Homepage von Frei.Wild melden sich viele Unterstützer. So schreibt ein Fan: "Hängt die albernen Banner (gegen Nazis - die Red.) ab, hört mit dem noch blödsinnigeren 'Nazis raus'-Gezetere auf. Es ist albern, unwürdig und 'Perlen vor die Säue'. Zieht euer Ding durch, stellt euch mit stolzgefüllter Brust vor das PC-Pack (PC für Political Corretness - die Red.), spuckt ihnen ins Gesicht und wahrt eure Identität!" Und "Alter Sack" schreibt: "Obwohl schon 62 Jahre jung, habt ihr seit gestern einen neuen Fan. Gerade weil ich kein 'Nazi' bin, gefallen mir eure Texte ganz besonders."

tso
 
 
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