Der Nachtkrapp geht um

7. Oktober 2012, 21:43 Uhr

Seit zehn Jahren wird in Konstanz am Bodensee ermittelt. Diesmal besonders gut. Dem Regisseur gelingt ein spannender "Tatort", der mit einem harten Thema konfrontiert: sexuelle Gewalt und Kindsmord. Von Verena Kuhlmann

Tatort, Köln, Deutschland, ARD, Kritik, Kuhlmann, Afghanistan, Drogenhandel, TV-Kritik

Der kleine Moritz muss warten, bis ihn ein Verwandter abholt. Kommissar Lüthi kümmert sich solange um ihn.©

Es ist der Albtraum aller Eltern: Das Kind fährt mit der Klasse ins Schullandheim und verschwindet dort nachts durch eine geöffnete Balkontür aus dem Zimmer. Am nächsten Tag wird es geschunden, missbraucht, gewürgt und tot in einem nahe gelegenen See wiedergefunden. Ebenso traumatisch ist diese Situation wohl für einen kleinen Jungen, der mit seinem besten Freund am Abend zuvor das Bett getauscht hat.

Im Bodensee-"Tatort" zum zehnjährigen Jubiläum werden die Kommissare zu diesem Fall gerufen. Das Opfer: Beat Noll, klein, schmächtig und rothaarig. Der Täter hat sich an ihm vergangen und das Kind im Zorn getötet, als er merkte, dass er den falschen Jungen erwischt hat. Eigentlich war er hinter Beats bestem Freund Moritz - schmal, braunhaarig und schön - her. Moritz weiß, dass er hätte sterben sollen und wird von Schuldgefühlen geplagt. Kommissarin Karla Blum (Eva Mattes) übernimmt den Fall und schnell ist ein Hauptverdächtiger gefunden: Holger Nussbaum (Hansa Czypionka), vor 15 Jahren von Blum und ihrem verstorbenen Mann wegen sexuellen Missbrauchs und Mordes an einem kleinen Jungen verurteilt und seit kurzer Zeit wieder auf freiem Fuß.

Dass genau bei diesem emotionalen Fall der Kriminalpolizist Matteo Lüthi (Roland Koch) aus der Schweiz auftaucht und an den Ermittlungen beteiligt ist, stimmt Kommissarin Blum und ihren Kollegen Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) keinesfalls glücklich. Der "James Bond für Arme" mischt sich ein, fahndet auf eigene Faust und kennt Zusammenarbeit wohl nur als Fremdwort. Doch das Team muss sich zusammenraufen. Nussbaum, der wie sich später herausstellt unschuldig verurteilt worden ist, entführt die Kommissarin, um sich zu rächen und Geld zu erpressen. Währenddessen ist der wahre Täter auf freiem Fuß und sein geplantes Opfer, Moritz (Elia Sager), immer noch in Gefahr. Weil seine Eltern gerade in Singapur sind, hat ihn der Schweizer Kommissar Lüthi zunächst in seine Obhut genommen. Aber auch dort ist er nicht sicher.

Kein Monster, ein Getriebener

In einem psychologischen Kampf mit ihrem Entführer findet Blum heraus, dass sie vor 15 Jahren einen Fehler begangen hat. Nussbaum liefert Hinweise auf den wahren Täter: Andreas Bogener (Michael Krabbe), der Sohn des Heimbesitzers. Und genau der ist bereits auf dem Weg zum Bootshaus, in dem Moritz versteckt gehalten und beschützt wird. Dort schafft Bogener es, den Jungen in seine Gewalt zu bringen. Doch Regisseur Patrick Winczewski inszeniert den Täter nicht als den Nachtkrapp, eine unberechenbare Kinderschreckfigur, sondern als einen Getriebenen. Bogener ekelt sich vor sich selbst und seiner krankhaften Neigung. Er erträgt sein Doppelleben nicht länger und bringt schließlich nicht den Jungen, sondern sich selbst um.

Winczewski gelingt mit "Nachtkrapp" ein spannender "Tatort". Er konfrontiert die sonst so souveräne Kommissarin Blum mit der Vergangenheit und ihren damit einhergehenden Selbstzweifeln. Dafür wählt er eine Thematik, die wohl niemanden kalt lässt. Wenn Moritz am Ende neben den Ermittlern steht und seinem besten Freund Beat leise auf Wiedersehen sagt, bleibt ein beklemmendes Gefühl, das auch nach dem Abspann anhält.

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