. .
TV und Fernsehen
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
19. Januar 2009, 08:06 Uhr

Ein Schocker über häusliche Gewalt

Ein tiefes Unbehagen hinterlässt dieser Krimi: Das Mordopfer war zugleich Täter, ein Despot, der Familie und Umfeld terrorisiert hat. Der Leipziger "Tatort" namens "Schwarzer Peter" zeigt häusliche Gewalt mit schockierenden Details und eine Kommissarin mit Wut im Bauch. Von Kathrin Buchner

Vom Ehemann verprügelt, von der Tochter verarztet: Susanne Kuhnert (Chiara Schoras) ist Opfer häuslicher Gewalt© Junghans/Saxonia Media/MDR

"Papa, ich hab dich lieb", sagt die kleine Lina und legt ihre Hand auf den Arm des Vaters. Rüdiger Kuhnert (Thomas Huber) bebt, tobt, brüllt, schickt die Tochter weg. Gleich wird er seine Frau ins Gesicht schlagen, auf den Küchenboden werfen und vergewaltigen. Später wird er es bereuen, wird seine Frau um Verzeihung bitten. Das blaue Auge wird Susanne Kuhnert (Chiara Schoras) unter ihrem Pony verdecken. Wie sie immer alles verdeckt. Das hat sie gelernt. Ihre Mutter, mit der Susanne nicht mehr spricht, hat es genauso gemacht, jahrelang. Bis zum Tod ihres Mannes.

Keiner hat Peter Schneider als vermisst gemeldet, als seine Leiche in der Weißen Elster mitten in Leipzig gefunden wird. Sein Ehering fehlt, die Beine sind mit einer Axt abgetrennt, mit einem Messer wurde ihm eine tödliche Wunde versetzt. Und kaum einer außer Ehefrau Gitta (Suzanne von Borsody), die versucht, sich mit einem Tabletten-Cocktail umzubringen, scheint seinen Tod zu bedauern. Nicht seine drei Kinder, nicht die Angestellten seiner Firma.

Ein tyrannischer Despot, der sich mit Geld alles kaufen wollte

"Er besaß keine Autorität, nur wenn er brüllte, und das tat er meistens", sagt seine Tochter Ivonne (Sandra Bergmann), die bereits drei Psychotherapien hinter sich hat. Anhand von Zeugenbefragungen rekonstruieren die beiden Leipziger "Tatort"-Kommissare Andreas Keppler (Martin Wuttke) und Eva Saalfeld (Simone Thomalla) das Bild eines tyrannischen Despoten. Ein Arbeitstier war der Ermordete, ein Emporkömmling, ein Macher, einer, der Menschen mit Geld manipulierte, der sich einbildete, alles kaufen zu können, Erfolg, Liebe, Ruhm.

Dementsprechend gibt es ein halbes Dutzend Tatverdächtiger mit starken Mordmotiven: der gedemütigte Stellvertreter, der entlassene Angestellte, der wütende Sohn, die verbitterte Tochter, die verängstigte jüngste Tochter.

Simone Thomalla als Hauptkommissarin Eva Saalfeld ermittelt sensibel, intuitiv, couragiert, mit Wut im Bauch und Tränen in den Augen. Die schockierenden Szenen von Schlägen und Vergewaltigung in der Ehe der Tochter des Mordopfers gehen ihr sichtlich nahe. Selten wurde häusliche Gewalt so drastisch dargestellt. Im reizvollen Kontrast zu Saalfelds Einfühlungsvermögen agiert Kollege Keppler als emotionsloser Analytiker.

Detaillierte Charakterstudie von Täter und Opfer

Ohne Pathos, mit leisen Tönen wird gezeigt, welch Leid das Mordopfer, das zugleich Täter war, in seinem Umfeld angerichtet hat und wie sich häusliche Gewalt und die Rolle des Opfers auf die nächste Generation überträgt. Die Stärke dieses "Tatort" liegt in der psychologischen Feinarbeit, in der detaillierten Charakterstudie des Tyrannen, der dennoch nicht durch und durch negativ gezeichnet ist, Charisma, Fürsorge und Wohltätigkeit blitzen durch.

Herausragend ist Suzanne von Borsodys Darstellung der Ehefrau: Gitta Schneider hat über Jahrzehnte ihr Schicksal ertragen, die Misshandlungen des Ehemanns, hat den schwarzen Peter, den ihr das Leben zugedacht hatte, angenommen, geschluckt, ertragen, geduldet, ja sogar verteidigt. Aus Liebe und Pflichtgefühl. Bis der Tod ihres Vogels das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Als ihr Mann Vogel Bubi den Hals umdrehte, nahm Gitta das Messer und rammte es ihrem Mann in den Bauch - und befreite sich selbst von ihrem Peiniger.

Von Kathrin Buchner
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
Greeper (19.01.2009, 22:15 Uhr)
links und rechts
Da sieht man, daß eine Frau den Artikel verfaßt hat:
Bild 9; "Die Hauptkommissare Till Ritter (Dominic Raacke, l.) und Felix Stark (Boris Aljinovic, r.) sind hart im Nehmen - können aber auch gut austeilen"
Dominic Raacke steht rechts, Boris Aljinovic links.
Mule (19.01.2009, 14:40 Uhr)
Thomalla und Sawatzki
Frau Sawatzki ist für mich die Dauerbetroffene und Frau Thomalla die Dauerschnute. Beide schier unerträglich - wobei Frau Thomalla noch unglaubwürdiger wirkt.
Blopp (19.01.2009, 14:08 Uhr)
Nicht zu vegessen ...
... natürlich ist auch das Kind weiblich. Somit bleiben wir insgesamt wieder beim Schema Frau=gut, Mann=böse.
Blopp (19.01.2009, 14:06 Uhr)
Männliche Opfer häuslicher Gewalt
Ein guter Tatort, ohne Frage!
Noch interessanter aber, weil verschwiegen, Tabu brechend und neu wäre es aber, eine Episode über häusliche Gewalt mit Männern als Opfer und Frauen als Täterinnen zu zeigen.
DAS hat es im deutschen Fernsehen bisher nicht gegeben, weil sich die verantwortlichen MacherInnen nicht trauen, wharscheinlich aus Gründen der PC.
Genau wie Krimis, die Frauen als Sexualstraftäterinnen zeigen, hier ist die Dunkelziffer ungeahnt hoch:
http://e110.de/artikel/detail.cfm?pageid=65&id=27608
Was denken Sie?
Clibanarius (19.01.2009, 12:55 Uhr)
Habe die...
...die "freie" Zeit gestern Abend für was besseres genutzt. Solange die von Anfang deplazierte und unsympathische Schmollmund-Thomalla ihr Unwesen treiben darf, existiert kein Leipzig-Tatort.
pistenpirat (19.01.2009, 11:57 Uhr)
Kult . . . was für'n Kult ? ? ?
Kultstatus
Ich habe fast den Eindruck, dass "Tatort" immer besser wird - obwohl das ja kaum noch möglich ist.
Ha ha - guter Witz !
Tatort wird immer langweiliger.
Hauptsache " Politisch korrekt "
Wenn das Kult sein soll ?
Da ist ja Polzeiruf 110 in letzter Zeit um einiges besser.
Perkins1975 (19.01.2009, 11:32 Uhr)
Schwere Kost
Der Film war jedenfalls sehr mitreißend. Ich persönlich möchte mich am Sonntagabend aber entspannen und nicht nach anderthalb Stunden emotional so aufgewühlt sein, dass ich um Schlafen zu können, erst noch was anderes schaun muss.
Derart schwere Kost kenne ich sonst vornehmlich von den Frankfurter Tatorts, die ich allerdings aufgrund extremer Antipathie für Frau Sawatzki aus Prinzip nicht mehr gucke.
_SCT_ (19.01.2009, 10:27 Uhr)
Aufforderung an die Politik
Ich habe den Tatort gesehen. Meine Freundin mußte zwischenzeitlich ein paar Mal raus gehen. Unvorstellbar wie die Gewalt wohl tatsächlich tausendfach in unserem Land ist. Eine Aufforderung an die Politik für neue Gesetze um häusliche Gewalt auch dann zu bestrafen, wenn das Opfer aus Angst nicht aussagen will oder kann, sofern auch andere Zeugen vorhanden sind.
undjetztnochder (19.01.2009, 10:19 Uhr)
Kultstatus
Ich habe fast den Eindruck, dass "Tatort" immer besser wird - obwohl das ja kaum noch möglich ist. Die Kombination von Krimi, Milieustudie und vielen netten Details gelingt fast immer sehr gut - so auch bei dieser Folge. Einer der (wenigen) Gründe die für das öffentlich-rechtliche in der Rubrik Unterhaltung sprechen. Für mich eine Sendung mit Kultstatus, die man nicht versäumen darf. Mehr davon!
grossbuerger (19.01.2009, 09:41 Uhr)
Super Schauspieler !
Wären die Schauspieler nicht so verdammt gut gewesen, wäre es ein langweiliger Krimi geworden, aber mit dieser Leistung wurde es ein echtes Fernseh-Highlight !
MEHR ZUM ARTIKEL
"Tatort"-Kritik Türken, Tiroler und Tote

Sturköpfige Einwanderer, die ihre Töchter zwangsverheiraten wollen. Fiese Einheimische, die gegen die Zugewanderten hetzen. Dazwischen der überforderte Chefinspektor Moritz Eisner: Der Österreich-"Tatort" hat ein eigentlich gutes Anliegen gehabt - es aber durch übertriebene Schwarz-Weiß-Zeichnung diskreditiert. mehr...

"Tatort"-Kritik Mord und Menschenhandel

Ein Menschenhändler wird in einem Flughafenhotel tot aufgefunden. Dieser Mordfall führt das Frankfurter Ermittlerduo Dellwo und Sänger direkt in die verschlungenen Menschen- und Warenströme des internationalen Kapitalismus. Ein gelungener Exkurs in eine Welt, die nicht mehr zu verstehen ist. mehr...

"Tatort"-Kritik Mord für Blut und Boden

Passend zur Jahreszeit verbringt Chefinspektor Moritz Eisner sein Weihnachtsfest im ländlichen Österreich - und muss einen alten Familienkonflikt entwirren. Während andernorts das Verbrechen komplex und international agiert, ist in Österreich alles an die Blutsbande geknüpft. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft