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Wolfgang Tillmans

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Herlinde-Koelbl-Ausstellung
Herlinde-Koelbl-Ausstellung
Was machen die Leute eigentlich im Bett?

Sie fotografierte Intim-Tattoos und nackte Männer, dicke Frauen und extremen Haarwuchs, Deutsche in ihren Wohnzimmern und die Bussi-Bussi-Schickeria, Angela Merkel, Til Schweiger und Domenica. Über die Jahre ist Herlinde Koelbl zu einer Porträtistin Deutschlands geworden. In Berlin ist ihre erste große Bilderschau zu sehen.

Kunstsammler in Berlin
Kunstsammler in Berlin
Kunstschätze im Nazi-Bunker

Immer mehr Kunstsammler zieht es nach Berlin. In erlesenen Räumen zeigen sie ihre persönlichen Schätze. Neuester Zugang: der Werber Christian Boros, der 500 Werke von angesagten Künstlern wie Jonathan Meese oder Damien Hirst besitzt. Für sein Privatmuseum hat er sich einen Nazi-Bunker umbauen lassen.

Der getrennte Papi
Blog "Der getrennte Papi"
Papi, gut?

Oder: Die Einen sagen so, die Anderen sagen so Worum es diesmal geht: Lieblingssachen fürs Leben, Wolfgang Tillmanns und ein grandios-kleines/ein kleines-grandioses Buch, Post von der Tochter, mal wieder fundamentale Fragen, mal wieder keine fundamentale Antworten, Überforderung vorher/Überforderung nachhher, zwei Kissen (lieb gewonnen),Williamsburg, Bergen, Hamburg. Kennen Sie das? Es gibt so Dies oder Jenes, was einen das ganze Leben hindurch begleitet. Wenn der getrennte Papi - nur so zum Beispiel - keine Süßigkeiten mehr in der Schublade hat, was eigentlich seit Jahrzehnten kaum vorstellbar, aber tatsächlich als ein Fall ist (er meint, er ißt zu viel davon, allerdings immer schon), dann wird woanders geschaut, wo denn bloß die Haferflocken stehen könnten, die, gefunden, mit einigen Löffeln Kakaopulvers und Milch (immerhin Bio oder so) gemixt, relativ rasch zu sich genommen werden. Als ob dies nun gesünder sei als Süssigkeiten. Der Tee hinterher, Pfefferminze, ist des Abends auch schon lang obligatorisch, denn - heute Abend gerade mit einem Freund darüber ausgetauscht - der getrennte Papi hat noch nie allein zuhause Alkohol getrunken, schon die Idee davon schiene ihm absurd. Merkwürdig ist, dass er bisweilen, trinkt er den Pfefferminztee in grösserer (Männer-)Runde, deswegen tatsächlich und wirklich mit ganzen Ernste verbunden aufgezogen wird. Von Jungs, die doch selber schon einen, sehr ordentlich, nein unordentlich, im Tee haben. Männer-Rituale können schon strange sein, so oder so; nein, teilweise sind sie wirklich doof. Wie kam ich da jetzt drauf? Wahrscheinlich über Wolfgang Tillmans, einen der bedeutendsten, zeitgenössischen Photographen, den ich leider bislang noch nie kennengelernt habe. Ich stelle mir aber immer vor, er würde überhaupt nicht lachen, wenn ich des Abends einen Pfefferminztee trinken möchte, bei ihm daheim, er hätte sogar frische Minze da, "immer", denke ich mir. Die Kurve zu oben erwähntem grandios-kleinem/kleinem-grandiosen Buch, mehr oder weniger lässig zu kriegen ist - Sie glauben es wohl kaum - gänzlich nicht schwer. Sein "Concorde"-Büchlein, erschienen im Jahr 1997 ist eines der schönsten Büchlein, die ich empfehlen könnte (wobei ich gar nicht zu berichten wüsste, ob es außer in modernen Antiquariaten noch zu kriegen wäre). Nun, "Concorde" steht in einem kleinen Ständer, der aussen an der Dusche in der kleinen Behausung des getrennten Papi hängt und jede Woche wird eine andere Doppelseite aufgeschlagen des durch die Feuchtigkeit immer weiter verwitternden Büchleins und die Kinder, wenn sie mal duschen (sie baden lieber, das verstehe ich nur zum besten), merken ein jedes Mal, wenn es eine neue Concorde-Perspektive hat und ein jedes Mal fragen sie erstaunt, warum es dieses tolle Flugzeug (welches übrigens nur 14mal, ausgenommen einige Prototypen, gebaut wurde) keineswegs mehr gibt. Aber wie faszinierend ist auch: ein so "supermoderner Anachronismus" (Tillmanns) schlägt heute noch durch schier futuristisches Design kleine Kinder in den Bahn des Wunsches, "die Zeit zu überwinden." Und was ist noch phänomenaler? Natürlich wenn man als getrennter Papi einmal mehr Post von der Tochter bekommt, sie wird einem in die Hand gedrückt, verbunden mit dem Hinweis, man möge sie erst später öffnen und man müsse doch bitte vor dem Schlafengehen nochmals anrufen, wie man den Brief denn so finde. Natürlich ist er ganz entzückend, zumal er doch an den "besten Papi der Welt" (logo, oder?) adressiert ist. Was uns selbstverständlich zu fundamentalen Fragen/ohne fundamentale Antworten parat zu haben, führt, unweigerlich. War man nicht vor der Trennung genauso überfordert mit einer neuen Rollenvorstellung wie nach der Trennung? Vorher: sollte man erst einem, dann zwei Kindern ein sehr guter Vater sein, für die Frau hatte man als Freund und Liebhaber die soft/starke Schulter zu geben, für einen selber hatte man gefälligst im Job erfolgreich zu agieren, ohne sich Blössen zu geben (schon mal gar nicht im oft pseudolistischen Medien-Dschungel), für den Rest der Welt galt die starke Vermutung, man habe das (Familen-)Leben doch einigermaßen übersichtlich im Griff. Und nach der Trennung? Will man zwei Kindern ein noch viel/viel/viel besserer Papi sein, gerade weil man nicht dauernd für sie da sein kann, für die Mutter ist man irgendwie/irgendwie auch nicht weiterhin die soft/starke Schulter, Blössen darf man sich im Job noch weniger geben und das Familienleben hat man nun besonders in/nach der Trennung gefälligst im Griff zu haben. Vermutlich kommt nun Frau Schwarzer mit ihrem erhobenen, feministischen Zeigefinger um die Ecke und höhnt: "Stellen sich mal nicht so an, Frauen haben Ewigkeiten die Doppel-und Dreifach-Belastungen aushalten müssen." Stimmt, aber erstens hat Frau Schwarzer meines Wissens keine Kinder (da ist sie eben in ihren Urteilen genauso fälschlich gewickelt wie ein Ole von Beust mit desaströser Schulpolitik, über manche Umstände im Leben kann man nur aus ureigner Anschauung urteilen). Und zweitens habe ich gar nichts gegen die Hälfte des Himmels, nie was dagegen gehabt. Nur, manchmal ist es eben ganz einfach, Ihr ewigen Polit-Besserwisser: Der getrennte Papi würde eben gerne seinen Kindern klarere Antworten geben, warum es etwa mit Mami nicht mehr so schön ist wie früher oder warum man sich nicht doch wieder öfter haben kann oder warum es nicht eigentlich doch besser wäre, wenn die Erde wieder eine Scheibe wäre. So hält das kleine Leben also doch immer wieder, gleich in welchen Phasen, mithin übergrosse Aufgaben für uns bereit, deren Abarbeitung noch viele Stunden mit vielen Pfefferminztees (oder so ähnlich) erfordern dürfte. Wollen wir Eltern nicht unseren Kindern immer ehrliche Antworten geben? Geben wir Eltern uns denn immer die ehrlich-reflektierten/reflektiert-ehrlichen Antworten? Nö. Aber jetzt ist es dem getrennten Papi zu spät für einen dritten Pfefferminztee und er schnappt sich nun seinen beiden Lieblingskissen (No.1: vorne der Dalai Lama, hinten der Spruch "Wahrheit macht Arbeit"; No.2: Vorne "Save The Planet", hinten grün), schlängelt sich auf das schmale Bett und wünscht sich vielleicht ins New Yorker Williamsburg an die Waterfront, wo kürzlich Modest Mouse gespielt haben. Oder er wünscht sich nach Bergen: "Das Hotel erlaubt Blicke auf Berge mit Nebeln im Haar, auf das krumme Hallendach des Bahnhofs und Teile von Fahrgästen...Und abends, bei der Einfahrt in die Stadt, liegen über Wasser arglos die Ränge der Wohnzimmerlampen gestaffelt und erregen dem fühllosen Betrachter Mitleid und Rührung." Schrieb 1963 Uwe Johnson an Dagrun und Hans Magnus Enzensberger in unnachahmlich-poetischer Prosa. Oder aber er weiss wirklich das ferienleere Hamburg zu schätzen, das bei Sonne und Regen gleichermaßen ganz eine ganz wunderbare Stadt ist. Und er weiss etwas Anderes noch ganz genau, folgende Sätze möchte er jedenfalls seinen Kindern einstmals nicht erwidern mögen: "Lieber Uwe, bitte sieh mir nach, dass ich auf deinen Brief vom Oktober letzten Jahres nicht geantwortet habe. Das war aus Ratlosigkeit." (Hans Magnus Enzensberger an Uwe Johnson im April 1975). Tja, und wie finde ich nun für einen einigermaßen sinnvollen Schluss? Ich glaube, den hab' ich diesmal echt verpasst. Aber dazu mehr alsbald vom getrennten Papi...

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Wolfgang Tillmans ist ein in London und Berlin lebender deutscher Fotograf und Kunstprofessor.

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