Wir können zeigen, dass die "Killerspiele" eine viel schlimmere Wirkung haben als harmlosere Spiele. Vier Stunden SIMS spielen ist für die Schule auch nicht förderlich, aber es belastet psychisch nicht so wie ein zweistündiger Konsum von "Der Pate" oder "GTA". Das können Psychologen nachweisen.
Richtig. Wobei der Frust in der Schule auch die Friedlichkeit des Schülers nicht gerade fördert. Wer hoch frustriert ist, wird schon deswegen aggressiv, weil er irgendwo ja Anerkennung ernten will. Da gibt's Langzeiteffekte, die mit der Verliererrolle einhergehen. Für uns ist jedoch das Durchschlagende, dass das Computerspielen für Schulnoten nicht förderlich ist. Alles andere sind Märchen der Industrie.
... den gibt es auch. Durch Längsschnittstudien in den USA, durch verschiedene Experimentalstudien unter anderem in den USA und in Deutschland. Die Empathiefähigkeit, die Fähigkeit, Mitleid zu empfinden, wird reduziert, wenn man sich ständig in die Rolle des aggressiven, tötenden Gewalttäters phantasiehaft begibt. Das bleibt nicht ohne Folgen auf die eigene Psyche.
Weil wir ihre Alterseinstufungen in vielen Fällen nicht nachvollziehen können. Und weil wir die USK von ihrer Struktur her als problematisch empfinden. Die Tester, die die Spiele nachspielen und für die Gutachter Inhaltsberichte erstellen, haben selber in Interviews offenbart, dass sie parallel dazu die Industrie bei der Herstellung der Produkte beraten, dass sie Tipps geben, wie die Spiele so gestaltet werden können, dass sie bestimmte Alterseinstufungen auch erreichen. Diese Doppeltätigkeit für die Industrie und die USK halte ich für problematisch und indiskutabel. Das würde ich in Zukunft unterbinden. Dazu gibt es weitere strukturelle Probleme. Wir haben etwa festgestellt, dass sich unsere Beschreibungen des Inhalts nicht mit dem decken, was die USK den Gutachtern als Inhalt der Spiele beschreibt. Deshalb können wir nachvollziehen, dass die Gutachter zu anderen Einschätzungen gekommen sind als wir: Sie waren nicht voll informiert.
Da sollte man zu einer besseren Kooperation kommen. Frau von der Leyen und Herr Laschet streben das offenbar ja auch an. Die Bundesprüfstelle macht eine hervorragende Arbeit. Sie verhungert jedoch leider am ausgestreckten Arm der USK, weil sie in dem Augenblick ihre Zuständigkeit verliert, in dem ein Spiel eine Alterskennzeichnung erhält. Da nutzt man die Qualität der Prüfstelle bislang zu wenig.
Darauf wird es vielleicht hinauslaufen.
Eine grundlegende Reform der USK, eine Verschärfung der Normen und vor allem muss, drittens, eine Geldquelle geschaffen werden, damit wir bundesweit eine Informationskampagne starten können, damit wir bundesweit Therapieansätze für die Computersüchtigen entfalten können. Ich schlage vor, eine Abgabe für jedes verkaufte Computerspiel in Höhe von 50 Cent einzuführen. Das würde 20 Millionen Euro pro Jahr erbringen und die zuständigen Organisationen in die Lage versetzen, endlich vernünftige Maßnahmen zu ergreifen. Gegenwärtig mangelt es der USK an Geld. Das sollte sich ändern. Die Organisation, die für den Jugendmedienschutz zuständig ist, müsste Mittel und Wege haben, gegen die wachsende Computerspielsucht Maßnahmen zu ergreifen.