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19. Mai 2008, 13:17 Uhr

Arbeit schützt nicht vor Armut

Der Armutsbericht der Bundesregierung enthält viel Sprengstoff: Jeder achte Bundesbürger ist von Armut bedroht, die soziale Kluft hat sich in Deutschland deutlich erhöht. Die Bruttolöhne und -gehälter sind zwischen 2002 und 2005 etwa um fast fünf Prozent gesunken.

Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander in Deutschland© Norbert Millauer/DDP

Nach dem Entwurf von Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) für den 3. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung hat sich die Kluft zwischen armen und vermögenden Menschen weiter vertieft. Jeder vierte Bundesbürger ist von Armut betroffen oder muss durch staatliche Leistungen vor ihr bewahrt werden. Nachfolgend einige Kernaussagen aus dem Berichtsentwurf:

- Das Risiko in der Gesamtbevölkerung, einkommensarm zu sein, lag bei 26 Prozent. "Nach Sozialtransfers verringerte sich dieses Risiko auf einen Anteil von 13 Prozent und war damit im europäischen Vergleich unterdurchschnittlich." Bei Kindern reduzierte sich damit das Risiko der Einkommensarmut von 34 Prozent auf zwölf Prozent.

- Das Armutsrisiko Älterer hat trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen nicht zugenommen. Ende 2006 bezogen 2,6 Prozent der Frauen und 1,8 Prozent der Männer und damit insgesamt 2,3 Prozent der Menschen im Alter ab 65 Jahren eine Grundsicherung.

- Der Schlüssel zur Armutsvermeidung ist eine sozial abgesicherte vollzeitnahe Beschäftigung. Angesichts des erwarteten weiteren Wirtschaftswachstums und rückläufiger Arbeitslosenzahlen gebe es "gute Voraussetzungen die Armutsrisiken weiter zu vermindern und Teilhabechancen zu verbessern".

- Die Bruttolöhne und -gehälter gingen zwischen 2002 und 2005 real um 4,7 Prozent zurück: von durchschnittlich 24.873 auf 23.684 Euro. Besorgniserregend ist demnach die Zunahme des Anteils von Niedriglohn-Beschäftigen auf etwas mehr als ein Drittel aller Beschäftigten, Anfang der 1990er Jahre lag er noch bei etwas mehr als einem Viertel. "Entgegen dem europäischen Trend stieg damit auch die Armutsrisikoquote von Erwerbstätigen." Die Niedriglohnschwelle liegt bei zwei Dritteln des mittleren Bruttoeinkommens.

- Seit 2006 wächst die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zwar wieder, liegt aber mit 26,85 Millionen (Juni 2007) immer noch unter dem Niveau von 1998.

Von Armut bedroht sind nach einer Definition der EU, wer als Alleinstehender weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens im jeweiligen Land verdient. In Deutschland bedeutet das, wer weniger als 781 Euro netto im Monat verdient, ist von Armut bedroht.

Die wachsende Armut in der Bundesrepublik hat Forderungen nach höheren Sätzen für Kinder- und Arbeitslosengeld neuen Zündstoff gegeben. Auch die Wiedereinführung der 1997 abgeschafften Vermögensteuer wurde verlangt.

DPA/AP
 
 
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