Seit über vier Monaten ist die kleine Madeleine McCann verschwunden. Spuren gibt es nicht, dafür zahllose Vermutungen und noch mehr Gerüchte. stern.de ist den am häufigsten zitierten Gerüchten auf den Grund gegangen. Von Sebastian Christ

Je länger die Suche nach der vierjährigen Maddie dauert, desto wilder schießen die Spekulationen ins Kraut© AP
Kaum ein Kriminalfall hat in den vergangenen Jahrzehnten für so viel Aufsehen in ganz Europa gesorgt: Seit über vier Monaten ist die kleine Madeleine McCann während eines Familienurlaubs verschwunden.
Von Beginn an nutzten Madeleines Eltern die Medien, um die Suche nach ihrer Tochter zu forcieren. Doch mittlerweile hat sich die Geschichte um das verschwundene Mädchen selbständig gemacht. Mal stehen die portugiesischen Ermittlungsbehörden im Kreuzfeuer, mal werden die McCanns selbst beschuldigt. Oft werden Falschmeldungen gestreut, die später wieder dementiert werden müssen. Doch das Dementi erreicht niemanden mehr, weil die neuen Nachrichten dann schon längst durch die europäische Medienwelt geschossen und hundertfach zitiert worden sind.
Die Gerüchtwelle hat Gründe: Portugiesische Polizeistellen halten sich sehr bedeckt und geben kaum Informationen an die Öffentlichkeit. Deshalb werden im Fall Madeleine verstärkt inoffizielle Quellen zitiert, oft auch anonym, was die Fehlerwahrscheinlichkeit erhöht. Zudem wird jede Meldung über Madeleine begierig aufgegriffen. Das Mädchen ist längst zu einem Medienstar geworden. Und anders als etwa noch vor 20 Jahren konkurrieren heute Tausende elektronische Medien 24 Stunden am Tag um Nachrichten. Nur wer eine Meldung zuerst veröffentlicht, gewinnt. So verselbständigen sich Gerüchte, obwohl sie kaum oder gar nicht verifizierbar sind.
Mit Hilfe von seriösen Quellen aus Großbritannien - BBC, Guardian, Daily Telegraph - hat stern.de einige der meistzitierten Gerüchte im Fall Madeleine nachrecherchiert.