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Was Sterbende am meisten bereuen

Eine australische Pflegerin hat Sterbende gefragt, was sie bedauern. Herausgekommen ist ein Buch, das uns Lebenden eine Lehre sein sollte. Fünf Dinge, auf die wir aufpassen müssen.

Von Niels Kruse

  Wenn das Leben zu Ende geht, wird vielen Menschen klar, was sie verpasst haben

Wenn das Leben zu Ende geht, wird vielen Menschen klar, was sie verpasst haben

Randy Pausch, frühverstorbener Informatiker und Miterfinder der Google-Benutzeroberfläche, sagte in seiner legendären letzten Vorlesung den Satz "Auf unserem Sterbebett werden wir nicht die Dinge bereuen, die wir getan haben - sondern die Dinge, die wir nicht getan haben." Wie recht er hat, lässt sich nun in einem Buch der australischen Sterbebegleiterin Bronnie Ware nachlesen. Auf 280 Seiten hat sie die fünf Dinge zusammengetragen, die Sterbende am meisten bereuen (bislang nur auf Englisch). Und tatsächlich: Nur ein einziger Punkt dreht sich um etwas, was sie getan haben. Es ist Platz zwei der Liste: "Ich wünschte, ich hätte weniger gearbeitet."

Vor allem Männer bedauerten in ihren letzten Tagen und Stunden, dass sie "zu viel Zeit ihres Lebens in der Tretmühle des Arbeitslebens" verbracht hätten, wie die Autorin schreibt. Sie grämten sich, sich zu wenig um Kinder, Partner und Freunde gekümmert zu haben. Frauen hätten sich zwar auch über zu viel Arbeit beklagt, aber längst nicht so häufig wie Männer, so Ware: "Sie waren meistens eben nicht die Familienernährer."

Es sind nicht so sehr die großen und kleinen Träume wie Weltreisen, schicke Häuser, mehr Sex oder noch mehr Geld, deren Fehlen die Todgeweihten bereuen, sondern die unerfüllten, zwischenmenschliche Dinge: Auf Platz eins etwa steht der Wunsch "den Mut gehabt zu haben, mein eigenes Leben zu leben". Viele der Menschen hätten sich darüber beklagt, zu oft den Erwartungen anderer entsprochen zu haben, statt ihren eigenen Wünschen nachzugehen. "Die meisten hätten nicht einmal die Hälfte ihrer Träume verwirklicht", so die Palliativpflegerin, die jahrelang Menschen in den Tod begleitet und ihre Erfahrungen zunächst in einem vielbeachteten Blog verarbeitet hat.

"Wünschte, ich hätte mich mehr um Freunde gekümmert"

Auch Platz drei und vier drehen sich um sehr persönliche Wünsche: "Ich hätte meine Gefühle besser ausdrücken sollen" und "Ich wünschte, ich hätte mich mehr um meine Freunde gekümmert." Beides fällt gewissermaßen in die Kategorie Seelenhygiene: Während alte Freundschaften ein Gefühl der Geborgenheit vermitteln, können unterdrückte Gefühle im schlimmsten Fall geradewegs zu Krankheiten führen. Außerdem, so die Bloggerin: Wer wegen eines harmonischen Miteinanders seine Emotionen blockiere, versperre sich die Möglichkeit, seine ganze Persönlichkeit auszuleben.

Letztlich drängt sich beim Lesen des Buches der Eindruck auf, dass der Großteil der Menschen in einem Gestrüpp aus Alltag, Familienpflichten, Geldverdienen und anderen "äußeren Umständen" festhängt, das den Weg zu den wichtigen Dingen versperrt. Wie etwa simple Freude. "Ich wünschte, ich hätte mir mehr Freude gegönnt" ist das letzte der fünf Dinge, die Sterbende am meisten bedauern. "Ich war überrascht, wie häufig dieser Punkt genannte wurde", sagt Bronnie Ware. "Viele Menschen merken erst am Ende ihres Lebens, dass man sich bewusst für Glück und Freude entscheiden kann." Doch viele würden so sehr in festgefügten Verhaltensweisen festhängen, dass sie schlicht vergessen haben, auch einmal herzlich zu Lachen oder einfach nur albern zu sein.

"Jeder macht seinen Frieden"

Die letzten drei bis zwölf Wochen stand Ware sterbenden Menschen zur Seite. Fast alle würden sich irgendwann mit ihrer Sterblichkeit abfinden, und viele würden an dem Unausweichlichen wachsen und sich weiterentwickeln. "Jeder reagiert auf seine Weise, doch jeder einzelne macht seinen Frieden bevor er dahinscheidet", sagt die Autorin. Die Idee zu dem Buch enstammt aus Bronnie Wares Blog "Inspirations and Chai" und ist, nicht nur gemessen am schwierigen Thema Tod, alles im allem äußerst positiv. Vor allem aber zeigt Ware den Lebenden, was und wie sie sich ändern können, um am Ende aller Tage weniger bedauern zu müssen.

Liebe Leser, leider ist uns in der ersten Version des Artikels ein Missgeschick passiert. Der eingangs erwähnte Informatiker heißt Randy Pausch und nicht Randy Rausch. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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