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19. August 2005, 08:55 Uhr

Der Papst wohnt beim Kardinal

Seit Donnerstag gibt es in Köln eine Männer-Wohngemeinschaft mehr: Papst Benedikt XVI. übernachtet während seines Besuchs nicht im Hotel, sondern in der Wohnung von Kardinal Meisner.

Papst Benedikt XVI. begrüßt zusammen mit Kardinal Joachim Meisner (l.) am Donnerstag am Kölner Dom die Pilger© Peter Endig / DPA

Papst Benedikt XVI. wohnt in Köln bei Kardinal Joachim Meisner. Der Papst hätte gerne das Gästezimmer des Kardinals bezogen - das sei aus protokollarischen Gründen aber nicht möglich gewesen, sagte ein Sprecher des Erzbistums am Donnerstag. Also räumte Kardinal Meisner seinen Schrank aus und entfernte seine Bilder von den Wänden, um sein Schlafzimmer dem Papst zu überlassen. Kardinal Meisner zog in sein eigenes Gästezimmer. Weitere Zimmer stehen dem Sekretär und dem Leibarzt des Papstes zur Verfügung. Wohnzimmer und Arbeitsräume der 150 Quadratmeter großen Erzbischofswohnung nutzen Kardinal und Papst bis Sonntag gemeinsam.

Dass der Weltjugendtag in die Domstadt gekommen ist, gilt besonders als das Verdienst von Meisner - nicht zuletzt wegen seiner guten Verbindungen zum Heiligen Stuhl in Rom. Anfang 1983 erhob Johannes Paul II. Meisner zum Kardinal. Nach dem Tod des Kölner Erzbischofs Joseph Höffner konnte sich das Kölner Domkapitel nicht auf einen Nachfolger einigen. Nach zwei Jahren setzte der Papst Mitte Dezember 1988 Meisner gegen dessen eigenen Willen, den des Domkapitels und großer Teile des rheinischen Kirchenvolks durch.

Meisner ist "Gottes bester Panzer"

Der mal als leutselig, mal als verkniffen beschriebene Meisner zeigte sich als bedingungsloser Gefolgsmann des Papstes und Hüter der reinen Lehre, was ihm Bezeichnungen wie "Gottes bester Panzer" einbrachte. Frauenpriestertum, die Abschaffung des Zölibats, die Homosexualität als gottgefällige Lebensform oder das Mitfeiern des evangelischen Abendmahls für katholische Priester sind für Meisner rote Tücher. Aber insbesondere das Thema Abtreibung ruft den mittlerweile 75 Jahre alten Kardinal immer wieder auf den Plan.

Zu einem Streit zwischen Meisner und dem damaligen Kardinal Joseph Ratzinger und heutigen Papst auf der einen und dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, auf der anderen Seite kam es im Jahr 2003 über die Bewertung des Ökumenischen Kirchentags, der nach Meisners Ansicht einen "großen Desorientierungs- und Verwirrungsschub" auslöste. Eine der Amtshandlungen des neuen Papstes war es denn auch, seinen Besuch beim Kölner Weltjugendtag anzukündigen - so wie ihn Johannes Paul II. geplant hatte. Es wird einer der Höhepunkte in Meisners 15-jähriger Amtszeit. Nach dem Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz strebt er nicht mehr, wie er in dieser Woche erst klarstellte. Sollte Lehmann im Herbst jedoch nicht mehr kandidieren, so hätte Meisner sicher ein gehöriges Wort über den Nachfolger mitzureden.

 
 
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