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Kreuzfahrtschiffe boykottieren Färöer-Inseln

Nach der Treibjagd und Abschlachtung mehrerer hundert Grindwale in den letzten Wochen haben deutsche Reedereien Konsequenzen gezogen: Sie laufen die zu Dänemark gehörenden Färöer-Inseln nicht mehr an.

Ein Mann steht in einer Bucht inmitten von toten Walen.

Die Einwohner der Färöer pochen beim alljährlichen Grindwalfang auf die Jahrhunderte alte Tradition ihrer Vorfahren (Archivbild).

Erleichterung bei Tierschützern, denen seit Jahren das Abschlachten von Walen auf dem zwischen Norwegen, Island und den Britischen Inseln gelegenen Färöer-Inseln ein Dorn im Auge ist. "Kreuzfahrten zu den Färöer-Inseln: Abgesagt wegen Walmassaker!" schreibt in großen Lettern das Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) auf der Homepage. Der Anlandungs-Boykott folgt einer mehrjährigen Kampagne zahlreicher Umwelt- und Tierschutzorganisationen sowie der Initiative zweier deutscher Reedereien, die beim Premierminister der Färöer-Inseln vergeblich gegen das Walmorden intervenierten.

In den vergangenen Jahren wurden durchschnittlich mehr als 600 Grindwale pro Jahr erlegt. Allerdings warnen die Behörden seit 2008 vor dem Verzehr von Walfleisch, weil das Fett und Fleisch der Tiere mit Quecksilber und PCB belastet ist. Nachdem im Juni 2015 auf den Färöer-Inseln ein Gesetz verabschiedet wurde, das Einwohner und Besucher verpflichtet, jeden gesichteten Meeressäugern innerhalb von zwölf Seemeilen zur Küste den Behörden zu melden, um zum Walfang aufzurufen, hat Aida Cruises alle geplanten Landgänge ihrer Flotte gestoppt.

"Aus Verantwortung gegenüber unserer Crew und unseren Gästen sowie aus Gründen des Artenschutzes hat sich Aida Cruises dazu entschieden, die Färöer-Inseln bis auf weiteres nicht mehr anzulaufen", begründet Monika Griefahn von Aida Cruises in einem Brief an das WDSF die Entscheidung. "Trotz der Beteuerungen des Premierministers, sich für den Walschutz einsetzen zu wollen, gibt es in dieser Hinsicht keine Fortschritte - im Gegenteil", so die Umweltdirektorin der Rostocker Reederei.

"Im kritischen Dialog"

Auch Hapag-Lloyd Kreuzfahrten hat die Zahl der Anläufe reduziert und prüft  "derzeit mögliche Alternativen für die geplante Routenführung im nächsten Jahr“, teilte die Reederei mit. In einem Brief an den Färöer-Premierminister Kaj Leo Johannes hatte Karl J. Pojer, Chef von Hapag-Lloyd Cruises, im August 2014 geschrieben. "Wir schützen, was uns fasziniert - daher liegt es im starken Interesse des Unternehmens und unserer Gäste, dass der Walfang auf den Färöer Inseln gestoppt wird." Die Hamburger Reederei möchte aber weiterhin "im kritischen Dialog" mit den Färöer-Behörden bleiben.


Bei Tui Cruises schließt man sich dem Boykott nicht an, steht dem Walfang auf den Färöer und Island jedoch kritisch gegenüber. "Die Zahl unserer Anläufe auf den Färöer-Inseln beschränkt sich auf einen pro Jahr, weshalb wir uns von einer ad hoc Aussperrung des Gebiets keine Hebelwirkung versprechen", argumentiert Tui Cruises in einem E-Mail an den WDSF-Geschäftsführer. Außerdem informiert Tui Cruises die Passagiere über den umstrittenen Walfang auf Island und den Färöer-Inseln mit dem Flyer "Meet us don't eat us!" und wird eine alternative Routenführungen für ihre Nordlandfahrten ab 2017 prüfen.

Zwar wird mit dem Boykott von Aida Cruises und Hapag-Lloyd Kreuzfahrten noch kein Grindwal gerettet, aber damit erhöht sich der wirtschaftlicher Druck auf die Inselgruppe. Neben der Fischerei gehört der Tourismus zu dem wichtigsten Standbein der Inselwirtschaft.

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