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"Pure Gier" - Ist Trumps strahlender Schwiegersohn ein mieser Miethai?

Ivankas Mann, Jared Kushner, hat sein Vermögen mit Billig-Immobilien gemacht. Laut "NYT" macht der Sunnyboy seinen Mietern das Leben zur Hölle. Gnadenlos zieht er die Ärmsten in den USA wegen Kleinigkeiten vor Gericht und presst sie aus.

Ivanka und Jared Kushner gelten als strahlendes Traumpaar. Kushner Geschäftsgebahren hingegen ist fragwürdig.

Ivanka und Jared Kushner gelten als strahlendes Traumpaar. Kushner Geschäftsgebahren hingegen ist fragwürdig.

ist ein vielseitiger Mann. An der Seite von Trumps Tochter Ivanka erscheint er als strahlender Ehemann - sportlich, zärtlich und familiär. Hinter den Kulissen zieht er die Strippen und ebnet in der Außenpolitik den Weg zu den "Big Deals". Geschäften, die jede Menge Jobs in den USA schaffen sollen. Und nicht zuletzt wird Kushner zugeschrieben, den Wahlkampf für seinen Schwiegervater gerettet zu haben. Er soll die chaotische und ratlose Truppe im Trump-Tower in ein schlagkräftiges Team verwandelt haben und er wird dafür verantwortlich gemacht, dass die Trump-Kampagne modernste Marketingmethoden im Wahlkampf nutzte.

+++ Ivanka Trump - das perfekte Produkt ihres Vaters +++

Vermögen mit Billig-Wohnungen

Nun hat das Bild vom "First Son in Law" der Risse bekommen. Die "New York Times" hat sich einmal dort umgesehen, wo der Reichtum Kushners herkommt. Wie sein Schwiegervater hat Kushner sein Vermögen vornehmlich mit Immobilien gemacht. Aber seine besondere Spezialität sind nicht Glitzer-Hotels, sondern  einfache Immobilien mit armen Mietern.

Das Blatt hat sich in den Besitztümern seiner Firmen in der Nähe von umgesehen und festgestellt, dass die Menschen dort nicht gerade glücklich mit ihrem Vermieter sind, wenn auch die wenigsten wissen, dass ihre Häuser dem strahlenden Schwiegersohn des Präsidenten gehören.

Geld durch Klagen

Die "NYT" wirft Kushner vor, Mieter systematisch mit unmäßigen Klagen zu überziehen. Das sieht dann so aus: Kamiia Warren zog aus einem Haus Kushners aus. Die Verwaltung soll ihr erlaubt haben zu gehen, bevor die Frist des Mietvertrags endete. Drei Jahre später wurde sie wegen ausstehender Miete in Höhe von 3014 Dollar verklagt. Die Zahlung ängstigte sie so sehr, dass sie nicht zur Anhörung erschien, zum Termin vor Gericht kam sie ohne Anwalt und ohne Unterlagen. Natürlich verlor sie den Prozess, inzwischen standen wegen der Gebühren schon 5000 Dollar auf der Rechnung.

Laut "NYT" spricht der Umgang Kushners mit Mietern wie Warren für sich: Das Konto der Frau wurde weggepfändet. Mit handgeschrieben Zetteln wollte die verzweifelte Mutter das Blatt wenden: "Ich kann meine Kinder nicht versorgen, sie haben das ganze Geld vom Konto geräumt. Ich glaub nicht, dass ich ihnen das Geld schulde. Bitte habt Mitleid mit mir und meiner Familie."

Das beste Investment

Inzwischen handeln Kushners Firmen mit Glanzimmobilien in den besten Lagen. Der Kern des Geschäfts waren aber immer Billig-Häuser in schwierigen Gebieten. So führte Kushners Vater die Firma in Newark, und sein geschäftsmäßig wesentlich talentierterer Sohn baute diese Säule des Geschäfts aus. Sein Credo über den Billig-Markt: "Es hat sich in den letzten Jahren erwiesen, dass diese Immobilien Krisen am besten überstehen und am Ende das Tages ein sehr stabiles Investment sind." Kushner weiß auch, wer in diese Problem-Immobilien investiert, muss die Ärmel aufkrempeln.  "Man muss eine Menge bauen und viele Wohnungen räumen lassen. Aber danach sehen die Viertel toll aus. Das Ergebnis ist phänomenal." 

Im Jahr 2011 hatte Kushner auf einen Schlag fast 5000 solcher Wohneinheiten weit unter Preis kaufen können, weil die Vorbesitzer unter finanziellem Druck standen, in den nächsten Monaten folgten Deals über weitere 1700 Wohnungen. In der Umgebung von Baltimore sollen seine Firmen 15 Wohnkomplexe mit etwa 20.000 Bewohnern kontrollieren.

Hilflos ausgeliefert

Illegal ist dieses Verhalten von Kushners Firmen nicht, aber es ist zutiefst unsozial. Wie die meisten anderen Mieter ist Kamiia Warren eine einfache, mittellose Frau. Mit einem Prozess sind diese Leute heillos überfordert. "Diese Leute wissen, wie das läuft. Und ich weiß gar nichts über das Gesetz. Ich kann mir keinen Anwalt leisten. Ich weiß, gegen diese Leute werde ich verlieren," klagt sie den Reportern. Später hatte Warren endlich alle Unterlagen beisammen, aber eine neue Verhandlung vermasselte sie, weil sie keine Kopien an das Gericht sandte. Sie sagt zu dem Vorgehen der Immobilienfirma: "Das ist die pure ." 

Ein weiterer Fall ist der von Joan Beverly. Sie mietete 2009 eine Wohnung für ihre Tochter. Diese zog vor Vertragsende aus. Als Kushner den Komplex erwarb, forderte er die fehlende Miete ein, stellte 1000 Dollar für Renovierungen in Rechnung und 10 Dollar wegen einer fehlenden Karte für den Waschraum. Obwohl Joan Beverly im Sterben lag, sollte sie die Rechnung bezahlen. Nachdem sie verstorben war, erbte ihr Mann die Schulden. Die Verwaltung der Gebäude von JK2 Westminster denkt nicht daran, die Forderung abzuschreiben.

Vorgehen in den USA ungewöhnlich

Allein für den Wohnkomplex “JK2 Westminster” hat die "NYT" 548 Rechtsstreitigkeiten gefunden. Die "NYT" sieht ein Muster: Schon wegen geringer Mietschulden würden die Mieter gnadenlos verfolgt. In den USA ist derartiges Vorgehen sehr viel ungewöhnlicher als in Deutschland. Wegen des Melderechts "verschwänden diese Leute in der Nacht", erklärte ein Immobilien-Experte dem Blatt. Die wenigsten Vermieter brächten die Energie auf, ihre Ex-Mieter irgendwo in den USA wieder aufzuspüren. Kushner hingegen soll von moderner Datentechnik profitieren, die es heutzutage sehr viel billiger macht, Menschen zu finden.

Aus Stroh Gold spinnen

Rechtsanwalt Matthew Hertz erklärte der "NYT" das Geschäftsmodell: Wird ein Immobilien-Komplex gekauft, erwirbt der Käufer auch alle Forderungen des Vorbesitzers. Nur werden sie beim Kauf nicht auf den Wert der Immobilien aufgeschlagen, denn der  Vorbesitzer war ja nicht in der Lage die Forderungen zu Geld zu machen. Wer diesen "Schatz" heben kann, macht gewissermaßen aus dem Nichts echtes Geld. Nebenbei wirkt diese Taktik einschüchternd und disziplinierend. Die aktuellen Mieter würden es nicht wagen, die Stadt mit Mietschulden zu verlassen, wenn sie wüssten, dass der Vermieter sie verfolge. Win-win für den Vermieter. Kushners Firmen sehen keinen Fehler auf ihrer Seite. In einer Erklärung heißt es, die Anwaltsgebühren seien verhältnismäßig niedrig. Der Gerichtsweg würde nur als letzte Möglichkeit eingeschlagen.

Nur wenige wehren sich

Einen noch übleren Beigeschmack bekommt diese Praxis allerdings durch die wenigen Fälle, in denen die Mieter sich wehren können. Shawanda Hough zog wegen Schwarzschimmel vorzeitig aus ihrer Wohnung aus. Als Kushners Firmen den Komplex kauften, sollte auch sie ausstehende Miete nachzahlen. Aber Hough hatte alles richtig gemacht: Sie hat den Schaden und die fehlgeschlagenen Sanierungsversuche dokumentiert und die Behörden informiert. Vor Gericht unterlagen Kushners Anwälte und Hough konnte ihr Geld behalten.

Kein illegales Verhalten

Illegal ist das alles nicht. Kushners Firmen setzen ihr Recht durch – mit harten Bandagen gegen die Schwächsten und Hilflosesten der Gesellschaft. Doch um fair zu sein: Die "NYT" hat nicht einen Fall gefunden, in denen sie den Firmen unrechtmäßiges Verhalten nachweist. In vielen Fällen würden die Mieter vor Gericht gezerrt, "obwohl es so aussieht, als würden die Fakten für die Mieter sprechen."

Obwohl es so aussieht"  - stärker legt das Blatt sich nicht fest.

Der Text des "New York Time Magazine" 

Jared Kushner’s Other Real Estate Empire

Kra

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