Bauen mit Muskelhypothek

4. Mai 2012, 12:04 Uhr

Wer am eigenen Haus mitwirkt, kann gutes Geld sparen. Doch die Eigenleistung will wohlbedacht sein: Denn Mitschuften kostet Zeit und Nerven. Was Sie bei der "Muskelhypothek" beachten sollten. Von Tanja Vedder

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Künftige Eigentümer sollten sich genau überlegen, ob sie das Wagnis "Muskelhypothek" eingehen, denn die Eigenleistung kostet viel Kraft und Zeit©

Bauen ist in, und "Betongeld" gilt spätestens seit der aktuellen Finanzkrise als eine der letzten sicheren Währungen. Was dazu geführt hat, dass vielerorts die Immobilienpreise rasant in die Höhe geschossen sind. Was liegt also näher, als sich nach Einsparmöglichkeiten umzuschauen?

Tatsächlich kann, wer selbst am Bau mit anpackt, sein Säckel um einige Tausend Euro schonen. Doch die scherzhaft auch "Muskelhypothek" genannte Eigenleistung ist nicht ganz ohne. Denn sie erfordert nicht nur entsprechendes handwerkliches Können. Eigenleistung kostet auch viel Kraft und Zeit - und diese Komponenten sollten angehende Häuslebauer in keinem Fall unterschätzen, warnen Experten.

Auf den ersten Blick sieht die Rechnung gut aus: Laut dem Verband Privater Bauherren (VPB) ließen sich bei einem Reihenhaus mit 140 Quadratmetern Wohnfläche auf drei Etagen und Keller die reinen Baukosten von 275.000 Euro um etwa 25.000 Euro drücken, wenn der künftige Besitzer selbst mit Hand anlegt. Doch hinter dieser Summe stecken auch sage und schreibe fast 850 Arbeitsstunden.

Lange Nächte auf der Baustelle

Kann ich das leisten? Diese Frage sollte sich also jeder zunächst einmal stellen, bevor er sich auf das Wagnis "Muskelhypothek" einlässt. Denn wer nicht zufällig gerade im Lotto gewonnen hat, wird in der Regel einer Arbeit nachgehen. Nach Feierabend auf der Baustelle noch malochen, will also gut überlegt sein. Ganz zu schweigen von der Frage, ob das die Familie und die Ehe auch mitmacht. "Als Bauherr bin ich ohnehin schon enorm zeitlich eingespannt, weil ich für den reibungslosen Ablauf auf der Baustelle sorgen muss", gibt Alexander Wiech von der Eigentümerschutz-Gemeinschaft Haus & Grund zu bedenken. "Wer sich dann noch die Eigenleistung antun will, verbringt unter Umständen jedes Wochenende und selbst Nächte auf der Baustelle."

Hinzu kommt, dass der Bauherr schließlich nicht einfach werkeln kann, wie er will. Das Bauunternehmen hat in der Regel einen konkreten Zeitplan - und in den muss sich die Eigenleistung terminlich nahtlos einfügen. Kommt es zu Verzögerungen am Bau, weil der Bauherr nicht rechtzeitig seinen Teil der Arbeit erbracht hat, muss er im Fall des Falles hierfür haften. Und schlimmstenfalls verliert er sogar seine Gewährleistungsansprüche. Nämlich dann, wenn nicht mehr genau nachzuvollziehen ist, ob eventuelle Schäden auf die Eigenleistung oder die Arbeiten des Bautrupps zurückzuführen sind. Auf der sicheren Seite sind Bauherren, wenn sie tatsächlich nur Arbeiten übernehmen, die erst anfallen, wenn der eigentliche Hausbau fertig und das Haus abgenommen ist. Wände streichen beispielsweise, oder das Verlegen der Böden.

Eine andere Sache sind die sogenannten Ausbau- oder Mitbauhäuser, die von Hausherstellern angeboten werden. Sparen lassen sich hier etwa 20.000 Euro. Hier gibt es ganz unterschiedliche Möglichkeiten mitzumachen, beginnend vom Rohbau, der noch komplett ausgebaut werden muss. Die notwendigen Ausbauarbeiten sind oft von den Anbietern vorgegeben, es gibt aber auch Häuser, wo der Kunde die Arbeiten mit dem Unternehmen genau abstimmen kann. Experten raten, darauf zu achten, dass man eine speziell aufs Haus zugeschnittene, detaillierte Ausbauanleitung erhält, in der auch die Baustoffe, Materialien und die konkreten Arbeitsgänge beschrieben sind. Denn beim Service und der Unterstützung durch den Hersteller gibt es enorme Unterschiede.

Welche Versicherung Sie brauchen

"Wichtig ist natürlich auch, dass ich mir die Arbeiten nicht nur zutraue, sondern sie auch wirklich gut erledigen kann, gibt Thomas Penningh, Präsident beim Verein Privater Bauherren (VPB) zudem zu bedenken. Denn was nutzt es, wenn am Ende beispielsweise die Einfahrt keinen tragfähigen Unterbau hat, und dann noch einmal viel Geld in den Fachmann investiert werden muss, der alles von Grund auf erneuert?

Das können Sie durch Eigenleistung sparen
Jeder dritte Häuslebauer will aus Kostengründen selbst mit Hand anlegen. Doch die Höhe der Ersparnis hält sich oft in Grenzen: Nach einer Umfrage des Bauherren-Schutzbundes erbrachte die Hälfte eine Eigenleistung von unter 10.000 Euro. 22 Prozent sparten bis zu 15.000 Euro, 9 Prozent bis zu 25.000 Euro. Nur 13 Prozent brachten es auf eine Ersparnis über 25.000 Euro.

So viel kann das Werkeln bringen:

Malern und Tapezieren: 190 Arbeitsstunden oder 7800 Euro

Dachausbau: 130 Arbeitsstunden oder 5300 Euro

Fliesenverlegen: 100 Arbeitsstunden oder 4200 Euro

Einbau Fußbodenbeläge: 90 Arbeitsstunden oder 3.900 Euro

Garten: 45 Arbeitsstunden oder 2200 Euro

Zimmertüren: 20 Arbeitsstunden oder 1000 Euro.

Beispiel: Reihenhaus, 3 Etagen inklusive Keller, 140 Quadratmeter Wohnfläche, Baukosten 250.000 Euro

Tipps für die Eigenleistung erhalten Sie hier.

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