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Bauen und Sanieren: Energie sparen und mehr Komfort: Wann sich die Wärmedämmung lohnt

Dämmen rechnet sich nicht immer auf jeden Euro und Cent – aber auf jeden Fall für ein angenehmeres Raumklima. Und: Kommt der nächste Preishammer bei den Energiekosten, ist die Dämmung bares Geld wert.

Wärmedämmung bei Einfamilienhäusern

Wärmedämmung sorgt für kühlere Räume im Sommer und mollige Wärme im Winter - und für ein besseres Raumklima.

Die Aufnahmen sind uns mittlerweile vertraut: Wir sehen die Konturen eines Hauses, das in leuchtenden Farben schillert – rot, orange, gelb, blau und grün. Thermografien, die Aufnahmen einer Wärmebildkamera, weisen präzise nach, wo im Winter die Heizwärme durch die Ritzen schlüpft. Und im Sommer? Zeigt die Thermografie, wie sich die Bauteile aufheizen, diesmal von innen aufgenommen. Wenn die Dachflächen im obersten Geschoss so richtig rot leuchten, weiß man: Nach einem heißen Sonnentag hier schlafen müssen? Bitte nicht!
Gegen das alarmierende Rot hilft sommers wie winters dasselbe: Wärmedämmung. Derzeit allerdings hat es die Dämmbranche nicht leicht. Die Preise für Heizöl haben sich seit 2012 fast halbiert, der Gaspreis ist so niedrig wie seit 2010 nicht mehr. Dauerte es schon bei hohen Energiekosten viele Jahre, bis sich die Maßnahmen amortisierten, rechnen sich Investitionen beim aktuellen Niveau erst recht nicht.

Wärmedämmung für mehr Komfort

Heute geht es also nicht mehr um Kostenersparnis, sondern vielmehr um Komfort. Um das behagliche Gefühl, im Winter vor einer warmen Wand zu sitzen. Um die Erleichterung, bei 30 Grad Außentemperatur in ein kühles Zimmer zu kommen. Der Unterschied zwischen einem gedämmten und einem nicht gedämmten Dachgeschoss kann bei entsprechender Witterung immerhin bis zu 7 Grad betragen.
„Sommerlicher Hitzeschutz wird in der Energieberatung immer wichtiger“, sagt Philipp Mahler, Referent für Bautechnik bei der Verbraucherzentrale NRW. Sein Rat: „Statt für den Strom von Lüftern oder gar Klimageräten über die Jahre viel Geld auszugeben, sollten Verbraucher lieber in Wärmedämmung und Sonnenschutz für die Fenster investieren.“ Ein Quadratmeter Dachwärmedämmung, von innen zwischen den Sparren angebracht und verkleidet, kostet etwa 50 bis 80 Euro. Wird das Dach von außen gedämmt und neu eingedeckt, sind es 150 bis 200 Euro pro Quadratmeter.
An den Wärmeschutz für die heiße Jahreszeit werden dabei mehr Anforderungen gestellt werden als an den für die kalte. Kommt es bei Minusgraden nur darauf an, dass der Dämmstoff möglichst wenig Wärme durchleitet, soll er im Sommer zusätzlich möglichst viel Wärme speichern, bevor er sie an die umgebende Raumluft abgibt.


Richtiges Material für Wärmedämmung wählen

Wichtig ist die Wahl des richtigen Materials. „Sommerlicher Hitzeschutz funktioniert am besten mit schweren Naturdämmstoffen wie etwa Holzfaser und Hanf oder einigen mineralischen Stoffen wie Mineralwolle“, erläutert Christian Stöhr vom Beratungsportal Energieheld. „Dank einer höheren Rohdichte können sie besser Wärme speichern und so die Aufheizung der Räume länger verzögern. Leichte erdölbasierte Dämmstoffe dämmen zwar im Winter sehr gut, sind aber nicht so gut geeignet für den Hitzeschutz.“ Die erdölbasierten Dämmstoffe sind vor allem günstiger. Die Preisdifferenz zwischen EPS-Platten und Mineralwollplatten beträgt etwa 10 bis 20 Euro pro Quadratmeter. Welche sich am besten eignet, sollte ein Energieberater oder Fachbetrieb vor Ort prüfen. Das hängt auch von der Konstruktion und dem aktuellen Zustand des Daches ab.


Der wird dann auf Bauteile hinweisen, die für den Hitzeschutz ebenfalls extrem wichtig sind: die Fenster. Wer die Dachflächen dämmt, die Fenster aber nur mit leichten Jalousien oder Vorhängen schützt, verschärft nämlich das Problem. Dann heizt der Raum auf, und die Dämmung führt dazu, dass die Wärme drinnen bleibt. „Dämmung ist nie isoliert zu sehen“, sagt Philipp Mahler mit Nachdruck. „Genauso wichtig sind Rollläden oder Jalousien.“ Die sollten unbedingt außen angebracht werden. So können sie etwa 75 Prozent der Sonnenstrahlung draußen halten, innen angebrachte schaffen nur etwa 25 Prozent.
Übrigens: Wenn der nächste Energieschock kommt, können sich alle, die jetzt in eine energetische Sanierung für den Hitzeschutz investieren, natürlich auch im Winter ganz gelassen zurücklehnen. Denn je höher die Heizkosten, umso wertvoller die Dämmung.


Infos zu Dämmmaterialen, zu Anwendungsbereichen und ein Überblick aller Vorteile der Dämmung finden Verbraucher beispielsweise auf der Seite www.die-hauswende.de von der Deutschen Energie-Agentur. Das Bundesumweltministerium bietet einen Online-Energiesparcheck und stellt die unterschiedlichen Fördermittel für Bauherren vor.

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