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Bauen und Sanieren: Solarthermie - wenn Sonnenstrahlen für Heizung und Warmwasser sorgen

Die Sonne scheint regelmäßig und hat jede Menge Kraft. Trotzdem wird sie für Heizung und Warmwasser viel zu selten angezapft.

Solardach auf einem alten Haus

Sonnenergie kostet nichts - dennoch nutzen wir sie für Wärme im Haus und warmes Wasser zu selten.

Eine Sonnenheizung funktioniert eigentlich ganz einfach: Auf der nach Süden gerichteten Dachfläche eines Hauses werden Kollektoren montiert, die von den Sonnenstrahlen erhitzt werden. Die Wärme wird mithilfe einer Flüssigkeit über eine Leitung in den Heizungskeller geführt, wo sie einen mit Wasser gefüllten Pufferspeicher aufheizt. Je nach Art und Größe der Anlage reicht das aus, um Warmwasser zu erhitzen oder sogar noch die Heizung zu unterstützen.
Trotzdem hat es die Solarthermie, wie die Technik von Fachleuten genannt wird, heute schwerer als vor zehn Jahren. Ihr Beispiel zeigt, wie stark die Installation erneuerbarer Energietechniken von zwei Dingen abhängt: vom Ölpreis und von der staatlichen Förderung.

Solarthermie wird gefördert 

2008 wurde die Solarthermie mit Zuschüssen des Bundes gefördert, zeitgleich war der Rohölpreis durch Spekulanten in unglaubliche Höhen geklettert – und so erlebte die Solarthermie-Branche mit 2,1 Millionen Quadratmeter neu verbauten Kollektoren einen nie wieder erreichten Erfolg. 2014 aber fiel der Zuwachs unter eine Million Quadratmeter. Die Solarthermie hatte Konkurrenz bekommen durch die Schwester-Technologie Photovoltaik, die Sonnenstrahlen in Strom verwandelt. Dafür gab es noch üppigere Subventionen.


"Bei Energiewende denken viele nur an eine Stromwende, die Wärme haben viele gar nicht auf dem Zettel", sagt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft, "dabei sind Millionen Heizungsanlagen in Deutschland gänzlich veraltet. " Und für die Erzeugung von Wärme würden die Menschen immer noch den größten Teil ihrer Energiekosten ausgeben. Jetzt deutet sich eine Trendumkehr an. Über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, kurz Bafa, wird die Solarthermie nun wieder gefördert – und das höher denn je.

Zehn Prozent Ersparnis

Für die kleine Lösung, die sich auf die Brauchwassererwärmung beschränkt, muss man bei einem vierköpfigen Haushalt etwa 4500 Euro für Kollektoren, Speicher und Installation veranschlagen. Die jährliche Heizkostenersparnis beträgt etwa zehn Prozent. Eine große Anlage, bei der die Sonnenwärme auch die unterstützt, kostet ab etwa 10.000 Euro – und ist sowohl für Öl- oder Gasheizungen, Wärmepumpen oder Pelletkessel geeignet. Im Altbau spart man damit etwa 20 Prozent der jährlichen Heizkosten, im Neubau bis zu 50 Prozent. Nach einer Studie des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme amortisiert sich ein höherer Anteil an Heizungsunterstützung schneller als ein niedriger.
Wie zügig das gelingt, hängt von einigen Faktoren ab:

– von der Sonnenintensität der Region, in der das Haus steht;

– von der Ausrichtung und Neigung der Dachflächen, am besten genau nach Süden und mit 48 Grad geneigt;

– von der Umgebung des Daches, das nicht durch Bäume oder andere Gebäude verschattet werden sollte;

– von der Größe des Hauses und der Zahl der Bewohner; je größer der Bedarf, umso schneller rechnet sich Solarthermie;

– vom energetischen Zustand des Hauses; je besser die Wärmedämmung, desto höher der erreichbare Anteil der kostenlosen Sonnenwärme am Gesamtverbrauch.

Staatliche Förderung - und Klimaschutz

 Die staatliche Förderung beträgt für eine Anlage zur Brauchwassererwärmung mindestens 500 Euro, für Modelle mit Heizungsunterstützung mindestens 2000 Euro. Dazu können noch weitere Boni kommen.
Und welche Rolle spielt heute der Ölpreis? Bei aktuell 45 Cent für den Liter Heizöl rückt die Amortisation in weite Ferne. Aber ist das ein Argument gegen Solarthermie? Muss es nicht. Jedenfalls nicht, wenn man ein neues Haus plant oder der Schonsteinfeger droht, die alte Heizung stillzulegen.
Was über den Faktor Kosten nämlich leicht aus dem Blick gerät, ist – der Klimaschutz, eigentlich doch Kernpunkt der . Hier sind Solarthermie-Anlagen vorbildlich. Nach etwa zwei Jahren Betrieb haben sie die für ihre Herstellung nötige Energie wieder eingespart. Und arbeiten dann noch etwa 20 Jahre lang, ohne ein weiteres Gramm CO2 freizusetzen.

Das Bundesumweltministerium hat Förderprogramme für Bauherren zusammengestellt. Die Deutsche Energie-Agentur beantwortet Fragen rund um das Thema Solarthermie.

Mitarbeit: Ingrid Lorbach