Tschüss, 60-Watt-Lampe!

30. August 2011, 17:43 Uhr

Abschied von der Glühbirne: Ab dem 1. September darf die Industrie keine herkömmlichen 60-Watt-Lampen mehr herstellen. Panik- und Hamsterkäufe sind aber unangebracht. Von Tanja Vedder

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Halogen, LED, Kompaktstoffleuchte: Es gibt reichlich Alternativen zur Glühbirne©

Ab dem 1. September 2011 dürfen in Europa keine klassischen 60-Watt-Glühlampen mehr hergestellt werden und in den Handel gelangen. So will es die EU, die damit den Stromverbrauch privater Haushalte deutlich senken will. Der Glühlampenausstieg soll sich laut Berechnungen der Europa-Politiker bemerkbar machen: Demnach können so in Europa 20 Kraftwerke eingespart werden.

Die Deutschen aber schreckt das Ende der Glühlampe - und laut Experten offenbar mehr als ihre europäischen Nachbarn. In den vergangenen zwei Jahren sicherten sich viele Glühbirnen-Nostalgiker hierzulande noch ein paar 75- und 100-Watt-Exemplare. Möglich, dass auch in diesem Jahr die Hamsterkäufer wieder zuschlagen werden: Laut einer Umfrage des Herstellers Osram will jeder zehnte Verbraucher einige Birnen auf Vorrat kaufen.

Der Einzelhandel warnt jedoch vor unnötiger Panikmache. "Die Erfahrung der letzten beiden Jahre hat gezeigt, dass die betroffenen Glühlampen ja nicht schlagartig aus dem Verkauf verschwinden", beruhigt Kai Falk, Pressesprecher des Einzelhandelsverbandes HDE (in Berlin) im Gespräch mit stern.de. Denn zwar dürfen keine 60-Watt-Glühlampen mehr in den Handel gelangen, die Einzelhändler dürfen ihre Lager aber noch abverkaufen. Und das tun sie auch.

Petra Schäfer, Geschäftsführerin von dm-drogerie markt sagt beispielsweise: "Es gibt noch Restbestände an 60-Watt-Glühlampen, die abverkauft werden. Die Reichweite dieser Restbestände liegt bei etwa drei Monaten." Extra aufgestockt haben die Läden aber nicht, um auf einen eventuellen Run vorbereitet zu sein, wie Stichproben unserer Redaktion bei großen Elektroketten, Drogeriemärkten und Kaufhäusern ergeben haben.

Ende eines Oldtimers

Mit dem Aus für die Glühbirne geht - zumindest in Europa - eine Ära zu Ende. 1879 präsentierte der Physiker Thomas Alva Edison der Öffentlichkeit seine erste Kohlefaden-Glühlampe. Weitere drei Jahre gingen ins Land, bis der Wissenschaftler ein gebrauchstüchtiges Produkt entwickeln konnte. 130 Jahre später feiern wir nun Abschied von Edisons Erfindung. Die klassische Glühlampe verschwindet in Europa aus den Läden, weil sie nicht energieeffizient genug ist und so Umwelt und Klima belastet.

Rund 112 Milliarden Kilowattstunden - so viel haben Privathaushalte in Europa im Jahr 2007 verbraucht, weil sie das Licht der Glühbirne regelmäßig angeknipst haben. Hier setzt die EU nun an. Laut ihrer Verordnung von 2009 darf künftig nur noch produziert und im Handel vertrieben werden, was mindestens 70 Prozent der verbrauchten Energie in Licht umwandelt.

Diese hohen Anforderungen erfüllt die klassische Glühlampe bei weitem nicht. Denn sie nutzt gerade einmal fünf Prozent des verbrauchten Stroms für die Lichterzeugung, der Rest verpufft als Wärme. Zwar hat die EU die Glühlampe nicht explizit verboten, doch durch ihre Vorgaben ihr doch den Todesstoß versetzt. Immerhin kommt das Aus für Edisons Erfindung in Europa stufenweise. Nachdem bereits in den vergangenen zwei Jahren die 100- und die 75-Watt-Birnen verschwanden, fällt jetzt der Hammer für die konventionelle 60-Watt-Leuchte.

2012 verschwinden 25- und 40-Watt-Birne

Ab 1. September 2012 beginnt der Ausverkauf auch für die 25- und 40-Watt-Birnen. Danach dürfen nur noch Mini-Lämpchen mit einer Leistung von bis zu 10 Watt verkauft werden, wie sie beispielsweise in der Weihnachtsbeleuchtung zu finden sind. Auch die Beleuchtung im Kühlschrank, im Backofen oder in der Nähmaschine bleibt von der Verordnung unangetastet.

Doch keine Sorge: Während die Glühbirne verschwindet, stehen die Hersteller schon mit einer Fülle an Alternativen in den Startlöchern. Längst sind die Regale überfüllt mit diversen Halogen-, LED- und Energiesparleuchten. Doch auch jede dieser alternativen Lampen hat sprichwörtlich ihre Licht- und Schattenseiten. So sorgt beispielsweise das in den Kompaktstoffleuchten (Energiesparlampen) enthaltene Quecksilber für Kritik.

Und für den Verbraucher ist die Suche nach dem passenden Leuchtmittel damit nicht einfacher geworden, denn die alten Watt-Angaben, an denen man sich früher orientieren konnte – sie gelten in Zukunft nicht mehr.

Lesen Sie hier, worauf Sie beim Kauf von alternativen Leuchtmitteln achten müssen. Wir erklären das Pro und Contra von Kompaktstoffleuchte, Halogenlampe und LED-Leuchte.

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