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10. April 2008, 18:16 Uhr

Umsatzeinbruch nach Überwachungssaffäre

Der Discounter Lidl hat zugegeben, dass seine Mitarbeiter wohl auch jetzt noch überwacht würden, wenn stern und stern.de diese Bespitzelung nicht aufgedeckt hätten. Außerdem hat das Unternehmen durch die Affäre finanzielle Einbußen erlitten.

Zoom

Lidl hat Umsatzeinbußen wegen der Überwachungsaffäre zugegeben© Andreas Rentz/Getty Images

Der Discounter Lidl hat nach Aufdeckung der Überwachungsaffäre Umsatzeinbußen registriert. Das erklärte der Konzernchef der Schwarz-Gruppe, Klaus Gehrig, am Mittwochabend in der Sendung "Quergefragt" des Südwestrundfunks (SWR). Auf die Frage, ob Lidl im Zuge der Berichte über die Vorfälle Umsatzeinbußen habe, sagte er nach Angaben des Senders: "Ja, das haben wir. Einige Kunden haben geschrieben, sie gehen nicht mehr einkaufen und das haben wir auch gemerkt." Dies sei jedoch "der falsche Weg", weil die Kunden damit nicht das Unternehmen, sondern die Mitarbeiter bestraften.

Gehrig räumte laut SWR ein, dass die Mitarbeiter wohl heute noch überwacht würden, wenn das Magazin "Stern" dies nicht aufgedeckt hätte. Mit Blick auf ähnliche Vorwürfe gegenüber Lidl vor vier Jahren sagte er: "Traurig ist, dass das eine oder andere in bestimmten Regionen wieder aufgekommen ist, dass da gegen die Anweisungen verstoßen worden ist und dass sich etwas selbstständig gemacht hat." Er müsse sich mangelnde Kontrolle vorwerfen. "Das werden wir jetzt auch mit Macht angehen", sagte er.

Zudem kündigte er weitergehende Konsequenzen aus der Überwachungsaffäre an. In einem Gespräch mit der "Heilbronner Stimme" erklärte Gehrig, dass man den Umgang mit den Mitarbeitern ändern werde. "Wer den neuen Regeln nicht entspricht, für den haben wir im Unternehmen keinen Platz mehr." Auch Deutschlandchef Frank-Michael Mros, in dessen Verantwortungsbereich die Aufzeichnung von privaten Gesprächen von Lidl-Mitarbeitern stattgefunden hatte, distanzierte sich von den Vorkommnissen und sagte dazu: "Das ist Schmutz, den wir alle als Schmutz empfinden."

Mit Blick auf die vergleichsweise geringe Zahl an Betriebsräten bei Lidl sagte Gehrig laut SWR, das Thema dürfe "nicht allein aus der Lidl-Sicht" gesehen werden. Auch von den anderen Discountern müssten Betriebsräte eingefordert werden. Was man erlebe, sei "doch nicht allein ein Lidl-Problem, sondern eines der Branche". Bisher gibt es nur in 6 der 2900 deutschen Lidl-Filialen Arbeitnehmervertretungen.

Gehrig sagte der "Heilbronner Stimme" außerdem, dass das Unternehmen im abgelaufenen Geschäftsjahr den Umsatz um zwölf Prozent von 44 auf 49 Milliarden Euro gesteigert habe. Die Mitarbeiterzahl der Schwarz-Gruppe liegt bei 260 000. "Das war eines der besten Jahre der Unternehmensgeschichte", sagte er der "Lebensmittel Zeitung". Seine Prognose für das Geschäftsjahr 2008 fällt eher vorsichtig aus: "Es wird sicher nicht in dem Tempo von 2007 weitergehen". Nach den Sortimentsausweitungen der vergangenen Jahre sei langsam eine Grenze erreicht. Im In- und Ausland sei allein wegen des Plus-Verkaufs mit erhöhtem Wettbewerbsdruck zu rechnen.

Die Expansion von Lidl und Kaufland laufe unvermindert weiter, schreibt die "Lebensmittel Zeitung". Etwa 680 Standorte wurden im abgelaufenen Geschäftsjahr eröffnet. Abzüglich von etwa 160 Schließungen betreibt das Unternehmen europaweit gut 500 Märkte mehr als im Vorjahr. "In Deutschland werden wir dieses Jahr unsere 3000. Filiale eröffnen", kündigte Gehrig gegenüber dem Blatt an. Er sieht für Lidl allein im Heimatmarkt Deutschland sogar noch ein Potenzial für weitere 1000 Standorte. Zum Ergebnis wollte Gehrig keine konkreten Angaben machen. "Ein sehr gutes Ergebnis", war der einzige Kommentar gegenüber der "Lebensmittel Zeitung".

DPA
KOMMENTARE (10 von 11)
 
auwei (11.04.2008, 12:58 Uhr)
Netter Versuch
...aber da wird die Unternehmenskommunikation noch etwas nacharbeiten müssen - das mit der Mitarbeiterbestrafung war genau der falsche Dreh. Mir ists egal, ich kauf den Schwarz' und Schleckers dieser Republik eh nichts ab - geht doch nach drüben und spielt mit Wal Mart.
Nive (11.04.2008, 01:05 Uhr)
Humor ist wenn man trotzdem lacht
"Er müsse sich mangelnde Kontrolle vorwerfen. Das werden wir jetzt auch mit Macht angehen", sagte der Konzernchef Gehrig. Mit Videokameras, die Videokameras, die Videokameras... kontrollieren?
Jack1000 (10.04.2008, 23:04 Uhr)
Boykott nicht möglich
Leider kann ich Lidl nicht boykottieren, da ich dort noch nie eingekauft habe. Schade. Dabei würde ich wirklich gerne...
jabadahat (10.04.2008, 21:27 Uhr)
@algernon
"Soylent Green": Guter Hinweis! vieleicht sind da noch mehr Leichen im Keller die die Kunden dann essen müssen :-)
Aber bitte keine Illusionen, die "Billigheimer" sind alle gleich, egal wo man hingeht.
Danke dass der Stern das aufgedeckt hat (wenn ich "Ihn" auch sonst ziemlich sch...... finde)
algernon (10.04.2008, 21:03 Uhr)
Kein Boykott !!!
Wir wollen doch den LIDL nicht boykottieren !!!!
Er versorgt uns alle mit ''Soylent Green'' und hat versprochen, allen geschädigten Mitarbeitern und Kunden Anerkennung und Schadensersatz zu leisten.
Oder habe ich da jetzt 'was falsch verstanden ???????
senf-dazu-geben (10.04.2008, 18:55 Uhr)
Stimmt, Boykott ist sinnvoll und richtig
Zitat: 'Dies sei jedoch "der falsche Weg", weil die Kunden damit nicht das Unternehmen, sondern die Mitarbeiter bestraften.'
Häh? Völlig kaputt, diese Aussage! Wieso bestraft ein Boykott die Mitarbeiter? Diese ohnehin völlig überbelasteten und unterbezahlten Menschen haben dann eben etwas weniger Arbeit. Entlassen werden sie wegen eines Boykotts bestimmt nicht, denn die Märkte befinden sich ohnehin schon am unteren Limit der Mitarbeiterbelegung.
Dazu kommt: was, bitteschön, soll der Kunde denn sonst tun? Jetzt erst recht dort einkaufen und den Profit beim Stasi-Lidl lassen? BOYKOTT GGEGEN DIE MENSCHENSCHINDER!
Doc_D (10.04.2008, 18:36 Uhr)
Der Haufen Mist wird immer größer
Erst die Mitarbeiter nach bester Stasi-Manier bespitzeln und jetzt auch noch behaupten, dass durch einen Kaufboykott die Mitarbeiter leiden würden. Mal ganz abgesehen davon, dass die Arbeitsbedingungen sowieso nicht die besten sind.
Ich kaufe da jetzt definitiv nichts mehr. Darunter leiden auch nicht die Mitarbeiter, sondern nur das Unternehmen.
Daneel (10.04.2008, 16:50 Uhr)
Boycott ist richtig.
Ein Boycott ist richtig. Bei uns
gibt es Lidl und gleich gegenüber
Tegut. Vor Tegut ist ein Schild,
dass Mitarbeiter gesucht werden. Je
weniger Umsatz Lidl hat, desto mehr
Leute werden vielleicht entlassen,
aber weil die Boycottierer sonst wo
kaufen müssen, werden wie bei Tegut
auch neue Leute gebraucht.
hevosenkuva (10.04.2008, 16:33 Uhr)
Wer nicht bei LIDL kauft, bestraft die Mitarbeiter?
Dieser scheinheilige Bockmist (und ich könnte durchaus noch andere Ausdrücke verwenden) ist ein Grund mehr, nie wieder einen Fuß in einen LIDL zu setzen.
Mule (10.04.2008, 16:25 Uhr)
Mitleid
Sarkasmus an: Ich weine bittere Tränen ob des Umsatzverlustes bei LIDL. Sarkasmus aus. Hat irgendjemand aus dem leserkreis etwa erwartet, daß LIDL sich als Altruist outet und seine bespitzelten Mitarbeiter beweint? Ich kaufe bei diesen Billigheimern der Geiz-ist- geil-Zunft schon lange nicht mehr.
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