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10. April 2008, 13:52 Uhr

Umsatzeinbruch nach Überwachungssaffäre

Der Discounter Lidl hat zugegeben, dass seine Mitarbeiter wohl auch jetzt noch überwacht würden, wenn stern und stern.de diese Bespitzelung nicht aufgedeckt hätten. Außerdem hat das Unternehmen durch die Affäre finanzielle Einbußen erlitten.

Lidl hat Umsatzeinbußen wegen der Überwachungsaffäre zugegeben© Andreas Rentz/Getty Images

Der Discounter Lidl hat nach Aufdeckung der Überwachungsaffäre Umsatzeinbußen registriert. Das erklärte der Konzernchef der Schwarz-Gruppe, Klaus Gehrig, am Mittwochabend in der Sendung "Quergefragt" des Südwestrundfunks (SWR). Auf die Frage, ob Lidl im Zuge der Berichte über die Vorfälle Umsatzeinbußen habe, sagte er nach Angaben des Senders: "Ja, das haben wir. Einige Kunden haben geschrieben, sie gehen nicht mehr einkaufen und das haben wir auch gemerkt." Dies sei jedoch "der falsche Weg", weil die Kunden damit nicht das Unternehmen, sondern die Mitarbeiter bestraften.

Gehrig räumte laut SWR ein, dass die Mitarbeiter wohl heute noch überwacht würden, wenn das Magazin "Stern" dies nicht aufgedeckt hätte. Mit Blick auf ähnliche Vorwürfe gegenüber Lidl vor vier Jahren sagte er: "Traurig ist, dass das eine oder andere in bestimmten Regionen wieder aufgekommen ist, dass da gegen die Anweisungen verstoßen worden ist und dass sich etwas selbstständig gemacht hat." Er müsse sich mangelnde Kontrolle vorwerfen. "Das werden wir jetzt auch mit Macht angehen", sagte er.

Zudem kündigte er weitergehende Konsequenzen aus der Überwachungsaffäre an. In einem Gespräch mit der "Heilbronner Stimme" erklärte Gehrig, dass man den Umgang mit den Mitarbeitern ändern werde. "Wer den neuen Regeln nicht entspricht, für den haben wir im Unternehmen keinen Platz mehr." Auch Deutschlandchef Frank-Michael Mros, in dessen Verantwortungsbereich die Aufzeichnung von privaten Gesprächen von Lidl-Mitarbeitern stattgefunden hatte, distanzierte sich von den Vorkommnissen und sagte dazu: "Das ist Schmutz, den wir alle als Schmutz empfinden."

Mit Blick auf die vergleichsweise geringe Zahl an Betriebsräten bei Lidl sagte Gehrig laut SWR, das Thema dürfe "nicht allein aus der Lidl-Sicht" gesehen werden. Auch von den anderen Discountern müssten Betriebsräte eingefordert werden. Was man erlebe, sei "doch nicht allein ein Lidl-Problem, sondern eines der Branche". Bisher gibt es nur in 6 der 2900 deutschen Lidl-Filialen Arbeitnehmervertretungen.

Gehrig sagte der "Heilbronner Stimme" außerdem, dass das Unternehmen im abgelaufenen Geschäftsjahr den Umsatz um zwölf Prozent von 44 auf 49 Milliarden Euro gesteigert habe. Die Mitarbeiterzahl der Schwarz-Gruppe liegt bei 260 000. "Das war eines der besten Jahre der Unternehmensgeschichte", sagte er der "Lebensmittel Zeitung". Seine Prognose für das Geschäftsjahr 2008 fällt eher vorsichtig aus: "Es wird sicher nicht in dem Tempo von 2007 weitergehen". Nach den Sortimentsausweitungen der vergangenen Jahre sei langsam eine Grenze erreicht. Im In- und Ausland sei allein wegen des Plus-Verkaufs mit erhöhtem Wettbewerbsdruck zu rechnen.

Die Expansion von Lidl und Kaufland laufe unvermindert weiter, schreibt die "Lebensmittel Zeitung". Etwa 680 Standorte wurden im abgelaufenen Geschäftsjahr eröffnet. Abzüglich von etwa 160 Schließungen betreibt das Unternehmen europaweit gut 500 Märkte mehr als im Vorjahr. "In Deutschland werden wir dieses Jahr unsere 3000. Filiale eröffnen", kündigte Gehrig gegenüber dem Blatt an. Er sieht für Lidl allein im Heimatmarkt Deutschland sogar noch ein Potenzial für weitere 1000 Standorte. Zum Ergebnis wollte Gehrig keine konkreten Angaben machen. "Ein sehr gutes Ergebnis", war der einzige Kommentar gegenüber der "Lebensmittel Zeitung".

DPA
 
 
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