26. September 2012, 07:22 Uhr

Dutzende Verletzte bei Protesten gegen Sparkurs

In Madrid sind Proteste gegen das Sparprogramm der Regierung Rajoy eskaliert. Steine flogen, die Polizei setzte Gummigeschosse ein. Mehr als 60 Menschen wurden verletzt.

Bei teils gewalttätigen Protesten gegen die Sparpolitik der spanischen Regierung sind am Dienstagabend in Madrid mehr als 60 Menschen verletzt worden. Darunter seien 27 Sicherheitskräfte, teilte die Polizei am frühen Mittwochmorgen mit. 27 Menschen seien festgenommen worden. Berichten zufolge waren 1300 Polizisten im Einsatz.

An den Protesten, deren Ziel das Parlament war, hätten sich Tausende Anhänger der Bewegung der "Empörten" beteiligt. Die Polizei hatte den Zugang zum Parlament mit einem großen Aufgebot an Sicherheitskräften abgeriegelt. Die Lage sei gegen 19 Uhr eskaliert, hieß es in spanischen Medienberichten, als Demonstranten versuchten Absperrungen in der Nähe des Abgeordnetenhauses zu durchbrechen. Die Sicherheitskräfte setzten Gummigeschosse und Schlagstöcke ein. Der Großteil der Demonstranten blieb jedoch friedlich.

In der Nacht zum Mittwoch beruhigte sich die Lage. Mehrere hundert Menschen harrten friedlich auf einem Platz in der Nähe des Parlaments aus, bis die Polizei die Versammlung gegen 1 Uhr auflöste. Die Teilnehmer des Protests hatten sich wie schon in der Vergangenheit über das Internet organisiert. Hinter der Bewegung der "Empörten" stehen mehrere zivilgesellschaftliche Organisationen und Bündnisse. Sie machen die Korruption und die Unfähigkeit des politischen Systems für die Krise in Spanien verantwortlich.

Demokratie als Geisel genommen

Der Unmut der Menschen richtet sich gegen den rigiden Sparkurs von Ministerpräsident Mariano Rajoy. Sie verlangen überdies die Ausarbeitung einer neuen Verfassung und den Rücktritt der Regierung. Sie werfen den Politikern auch vor, die Demokratie als Geisel genommen zu haben.

Die Krise hatte 2008 mit dem Platzen der Immobilienblase ihren Anfang genommen und den spanischen Bankensektor in den Abgrund gestürzt. Nach einem lange herausgezögerten Antrag an den Euro-Rettungsfonds hatten die Euro-Länder im Juni ein Hilfsprogramm für Spaniens Banken in Höhe von bis zu 100 Milliarden Euro beschlossen. Gegen direkte Unterstützung für seinen Staatshaushalt sträubt sich Madrid jedoch, weil es dafür Spar- und Reformanstrengungen nach den Vorgaben seiner internationalen Geldgeber erbringen müsste.

kng/DPA/AFP
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Schuldenkrise Spanien lehnt Sparvorgaben aus Brüssel ab

Spanien taumelt: Arbeitslosigkeit und Verschuldung klettern auf Rekordhöhen. Doch Premier Mariano Rajoy verzichtet bisher darauf, EU-Hilfe zu beantragen. Er will sich keine Vorschriften machen lassen.

Schuldenkrise Spaniens Arbeitslosigkeit bricht Weltrekord

Griechenland und Spanien leiden unter der höchsten nachgewiesenen Arbeitslosenrate der Welt. Die Statistik für Jugendliche ist noch weit verheerender.

Rezession Spanien rutscht noch tiefer in die Krise

Der harte Sanierungskurs der spanischen Regierung lässt die Wirtschaft weiter schrumpfen. Trotz der Rezession geht der deutsche Finanzminister davon aus, dass Madrid keine neue Hilfen benötigt.

EU-Staaten im Vergleich Deutschland hält für junge Leute die meisten Jobs bereit

Während in den Krisenstaaten Griechenland und Spanien Jugendliche kaum Arbeit finden, sieht das in Deutschland ganz anders aus. Nirgendwo in der EU gibt es weniger junge Erwerbslose als hierzulande.

Schuldenkrise Griechische Linke wehrt sich gegen Sparzwang

Dauerdruck auf die griechische Regierung: Die Troika zweifelt an Punkten des Sparprogramms. Und die Koalitionäre haben in der ersten Verhandlungsgrunde mal wieder eine Einigung verpasst.

 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (21/2013)
Geht's jetzt an mein Geld?