14. Februar 2002, 00:00 Uhr

Der tiefe Fall eines Parademanagers

Plötzlich steht Schwedens Industriekönig Percy Barnevik mit einem peinlichen Abzocker-Image da: sein Ex-Konzern ABB fordert über 100 Mio. ? von ihm zurück.

Kennen Sie Herrn Barnevik?©

Schwedens ungekrönter Industriekönig Percy Barnevik stürzt tief: Eine beispiellose Rückforderung des ABB-Konzerns über 148 Millionen Schweizer Franken (100 Millionen Euro) hat ihm plötzlich den Ruf eines rücksichtslosen Abzockers eingetragen. Der Ex-Vorstands- und Aufsichtsratschef bei ABB soll Bonuszahlungen in astronomischer Höhe eingesteckt haben und nun mindestens teilweise zurückzahlen - weil sie »nicht rechtmäßig zu Stande gekommen« sind.

Peinliches Geurtstagsgeschenk

So jedenfalls ließ der jetzige Aufsichtsratsvorsitzende (und Chef des deutsch-französischen Pharmariesen Aventis) Jürgen Dorman zur Vorstellung der erstmals roten ABB-Bilanz in Zürich mitteilen. Die Rückforderung mitsamt der öffentlichen Abstempelung zum geldgierigen Absahner erreichte Barneviks an seinem 61. Geburtstag.

Auch Nachfolger Lindahl betroffen

'Svenska Dagbladet' schien am Tag danach noch unter Schock zu stehen. »Wenn ein Schweizer Rache nimmt, dann fällt sie grausam aus«, meinte das Blatt und machte den eidgenössischen ABB-Großaktionär Martin Ebner als Hintermann der geradezu sensationell anmutenden Rückforderung an Barnevik sowie dessen Landsmann und Nachfolger Göran Lindahl aus. Der soll 85 Millionen Franken »nicht ganz rechtmäßig« eingesteckt haben. Schwedens Metall-Gewerkschaft rechnete sogleich vor, dass die Bonussumme der beiden früheren Spitzenmanager in etwa dem Jahreseinkommen aller 6.000 schwedischen ABB-Beschäftigten zusammen entspricht.

Eigentlich untadliger Ruf als Manager

Barnevik gilt in seiner Heimat seit den achtziger Jahren als mit Abstand erfolgreichster Industriemanager. Sein Glanzstück lieferte er 1987 bei der Verschmelzung des heimischen Asea-Konzerns mit dem schweizerischen Traditionsunternehmen Brown Boveri (BBC) ab. Es entstand ABB (Asea Brown Boveri), einer der größten Elektroanlagenbauer und einer der größten Industriekonzerne in Europa mit 160.000 Beschäftigten. Als Krönung kam 1996 die Berufung an die Spitze der Finanzgesellschaft Investor, mit der die schwedische Industriellenfamilie Wallenberg Beteiligungen an prominenten Unternehmen wie Ericsson, Scania, Saab, Astra, Atlas Copco, Alfa Laval, SKF und Stora Enso steuert.

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