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Schweizer Anlagenbauer ABB Manager betrügt seine Firma um 100 Millionen Dollar und taucht ab

Eine ABB-Filiale in Mannheim - Der Konzern sieht sich derzeit einem Betrugsfall in großem Stile gegenüber
Angesichts des 100-Millionen-Dollar-Betrugs muss der Schweizer Konzern ABB seine Gewinn für 2016 wohl nach unten korrigieren 
© Uwe Anspach/DPA
Erst behutsam, dann im großen Stile: Ein Manager soll von seinem Arbeitgeber ABB satte 100 Millionen Dollar veruntreut haben. Seit Anfang Februar ist der Mann untergetaucht, bislang fehlt von ihm jede Spur.

Zunächst beschränkte er sich auf kleine Beträge, die er heimlich abzweigte. Dann, als er merkte, mit seinen Machenschaften nicht aufzufallen, wurde die Summen immer größer: Ein ranghoher Mitarbeiter soll den ohnehin mit Problemen kämpfenden Schweizer Anlagenbauer ABB um rund 100 Millionen Dollar betrogen haben. Erst als die "verdächtige Person" plötzlich nicht mehr auf der Arbeit auftauchte, habe man "erhebliche finanzielle Unstimmigkeiten" aufgedeckt, schreibt das Unternehmen in einer Mitteilung. Da jedoch war es schon zu spät: Seit dem 7. Februar ist der Mitarbeiter spurlos verschwunden - und mit ihm das Geld.

Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zufolge handelt es sich bei dem Verdächtigen um Oh Myung-se, den bisherigen Schatzmeister einer ABB-Tochtergesellschaft im südkoreanischen Seoul. Als sogenannter Vice-President, und damit nur eine Stufe unter dem lokalen Finanzchef angesiedelt, steht Myung-se demnach im Verdacht, systematisch Unterlagen und Bankdokumente gefälscht und dabei auch mit Dritten zusammengearbeitet zu haben. Dem zudem als Kassenwart tätigen Mann sei es dabei offenbar "nur" um seine persönliche Bereicherung gegangen, schreibt die "FAZ" weiter. Dafür, dass Myung-se auch Politiker oder andere Auftraggeber geschmiert haben könnte, gebe es bislang keine Hinweise.

ABB: Betrug beschränkt sich auf Südkorea

ABB selbst leitete nach Bekanntwerden der Unterschlagung und Veruntreuung "unmittelbar eine umfassende Untersuchung" ein, "in die unabhängige kriminaltechnische und juristische Experten involviert sind", heißt es von Konzernseite. Neben der örtlichen Polizei sei auch Interpol an den Ermittlungen beteiligt. Zudem habe man sofort die Kontostände anderer Bankkonten des Unternehmens geprüft, dabei jedoch festgestellt, dass sich der Betrug ausschließlich auf Südkorea beschränke. 

Dass Myung-se, der laut "FAZ" 20 Jahre lang für ABB arbeitete, so lange unentdeckt blieb, lag offenbar daran, dass interne Kontrollen nicht griffen. Zudem wird vermutet, dass der Manager angesichts der Betrugsgröße zumindest extern Verbündete gehabt haben muss. Ob ihm auch intern Komplizen halfen, sei bislang unklar und Gegenstand der Ermittlungen. 

Tatsächlich waren die Machenschaften nur aufgefallen, weil Myung-se Anfang Februar grundlos nicht zur Arbeit erschienen war. Als er auch am Folgetag fehlte und telefonisch nicht erreichbar war, gerieten die ABB-Verantwortlichen ins Grübeln. Der Verdächtige selbst war da aber schon abgetaucht, seine Frau und sein Kind ließ er offenbar sitzen. Die Ermittler hätten die Spur aufgenommen, bisher jedoch ohne Erfolg, schreibt die "FAZ". 

Konzern muss Gewinnzahlen nachträglich korrigieren

Der in einigen Bereichen mit Siemens konkurrierende Industriekonzern geht indes davon aus, dass sich der Betrugsfall auch "auf die bisher verkündeten ungeprüften Ergebniszahlen für das Jahr 2016" auswirkt. Hatte ABB noch am 8. Februar - also einen Tag nach Myung-ses Verschwinden - verkündet, der Gewinn sei im Vorjahr leicht gestiegen, dürfte dieser nun wohl etwas kleiner ausfallen.  

Das Schweizer Unternehmen schreibt in seiner Mitteilung, man habe die schadensmindernden Maßnahmen auch ergriffen, "um die Auswirkungen dieser kriminellen Aktivitäten auf die Bilanz deutlich zu reduzieren". Dazu zählten die Rückgewinnung veruntreuter Gelder, die Anmeldung von Rechtsansprüchen sowie die Nutzung von Versicherungen, heißt es.

Als Konsequenz der laufenden Untersuchung will ABB seinen Geschäftsbericht mit den endgültigen Zahlen nun bis spätestens 16. März vorlegen. 

mod

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