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21. Januar 2009, 19:27 Uhr

Bahn-Affäre entsetzt Politiker

Die Spitzel-Affäre bei der Deutschen Bahn hat in der Politik für Empörung gesorgt. Verkehrspolitiker von FDP und Grünen fordern Aufklärung. Nach Informationen von stern.de sollen Vertreter der Bahn und der Berliner Datenschützer Alexander Dix vor dem Verkehrsausschuss des Bundestages aussagen. Von Marcus Gatzke

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Bahn, Bespitzelung, Daten-Skandal, Spitzel, Datenschutz

Spitzel-Skandal bei der Deutschen Bahn© Roberto Pfeil/AP

Verkehrsexperten im Bundestag haben die Spitzel-Affäre bei der Deutschen Bahn massiv kritisiert. "Ich bin entsetzt über den Umgang der Bahn-Führung mit ihren Mitarbeitern", sagte der verkehrspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, stern.de. "Die Bahn muss das rückhaltlos aufklären", forderte der Grünen-Politiker.

Hofreiter kündigte an, die Bahn in den Verkehrsausschuss des Bundestags "zu zitieren". Dort müsse sie "Rede und Antwort stehen". Geladen werden soll nach Informationen von stern.de auch der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix, der für die Aufsicht der Bahn zuständig ist.

Über 1000 Mitarbeiter betroffen

Nach Recherchen des stern hat die Bahn mehr als 1000 Mitarbeiter ausspionieren lassen, darunter ein Großteil des oberen Managements. In allen Fällen, in denen dem stern interne Auftragsunterlagen vorliegen, war die Firma Network Deutschland GmbH aktiv, dieselbe Detektei, die auch bei der Telekom für Spitzeldienste eingesetzt wurde. Die Konzernrevision der Bahn beauftragt Network zuletzt 2007.

Der Berliner Datenschützer Dix sieht im Vorgehen der Bahn "erhebliche Verstöße" gegen das Bundesdatenschutzgesetz und schließt einen Straftatbestand in einigen Fällen nicht aus. "Wir prüfen, ob wir die Staatsanwaltschaft einschalten", sagte Dix.

Auch der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar verlangte von der Bahn die Aufklärung der Fälle. Er sagte: "Es kann nicht sein, dass sich Unternehmen Befugnisse herausnehmen, die nicht einmal Strafverfolgungsbehörden haben." Außerdem warnte Schaar Unternehmen davor, den Staat bei der Aufklärung zu umgehen.

Vom stern konfrontiert räumt die Bahn ein, dass es entsprechende Ermittlungsaktionen gab. Auch mögliche Probleme beim Datenschutz gibt der Konzern zu: "Seitens des Berliner Datenschutzbeauftragten wurde auf mögliche formale Verstöße durch die Bahn hingewiesen, wie die fehlende Unterrichtung der Mitarbeiter nach durchgeführten Untersuchungen." Ein Vergleich mit Datenschutzskandalen - wie bei der Telekom - sei jedoch "völlig falsch und abwegig", stellt die Bahn fest.

Die Politik lässt sich von den Bahn-Äußerungen aber nicht beeindrucken. "In einer solchen Größenordnung Ausspähungen zu veranlassen, noch dazu ohne konkrete Verdachtsmomente, das ist ein ungeheurer Vorgang", sagte der verkehrspolitische Sprecher der FDP, Horst Friedrich, stern.de. "Die Bahn ist ein Unternehmen, das der rechtsstaatlichen Bundesrepublik gehört und kein volkseigenes Kombinat in einem Unrechtsstaat, in dem man beliebig die Leute bespitzeln kann."

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Lesen Sie mehr ... über "Uhu'", "Rubens", und andere Spitzelaufträge der Deutschen Bahn im neuen stern.

Von Marcus Gatzke
KOMMENTARE (10 von 24)
 
kralli19 (22.01.2009, 08:27 Uhr)
@ starmax
"Ohne richterliche Befugnis"....ein geflügeltes Wort. Was zählt die denn ?
Privatdetektive holen sich i.d.R. auch keine richterliche Befugnis. Sogar BKA & Konsorten machen´s teilweise ohne. Und selbst wenn sie sich die hinterher oder manchmal sogar vorher holen, lass ich mal dahingestellt, das damit der Rechtstaatlichkeit genüge getan worden ist, wenn man sieht mit welch fadenscheinigen oder banalen Verdachtsmomenten jene Verfügung erteilt wird und man dann mit Kanonen auf Spatzen schießt.
Countryjoe (22.01.2009, 07:10 Uhr)
Krokodilstränen
Was soll dieser Aufstand der Politiker? Arbeiten sie nicht an Gesetzen um uns alle noch viel umfassender zu überwachen?
hardius (22.01.2009, 01:05 Uhr)
Korruptionsschutz
Wie bewertet man den Fall Hansen eigentlich? Aus lauter Dankbarkeit für dessen freundliche Zuarbeit bei der Ausblendung der Interessenvertretung der Mitarbeiter erhielt er einen Top-Posten bei der DB. Was ist das denn? Nächstenliebe, oder ist Hansen der einzig Fähige dafür?
Was versteht Mehdorn unter Korruptionsschutz?
Fragen über Fragen und die Politiker schauen scheinheilig empört zu und handeln nicht!
starmax (21.01.2009, 23:50 Uhr)
@Eisenbaer -Verschleierung?
Der Artikel gibt völlig richtig und wichtig eine Befürchtung wieder, daß hier gegen geltende Gesetze erstoßen wurde, indem z.B. ohne richterliche Befugnis ermittlt wurde.
Mein Beitrag ("Chef") war allgemeinverständlich gehalten und völlig zutrffend, wie sie mit anderen Worten selbst beschreiben. So what? Für wen wollen Sie hier Boden gutmachen?
sedanon (21.01.2009, 22:40 Uhr)
Und das sind die selben politischen Knilche am Werk,
die sich tagtäglich künstlich über die LINKE echauffieren.
Ist aber kein Wunder. Genießt der Clown Mehdorn doch die absolute Narrenfreiheit. Da dürfte dieser "Skandal" nur die Spitze des Eisberges sein, den dieser Lump zu verantworten hat.
Klaus_P (21.01.2009, 21:26 Uhr)
Ich fasse es nicht....
unser Rollstuhlterrorist baut Schritt für Schritt sämtliche Datenschutzrechte ab und plant jeden und alles total zu überwachen und hier macht man so nen Wind wegen dem bisschen Bahnkrams??? Leute macht euch mal um die wirklichen "Spitzel" in unserem Land gedanken...
Blacky007 (21.01.2009, 20:50 Uhr)
Politiker entsetzt weg. Spitzeleien?
Ich empfehle jedem der Politiker, die sich über diese Spitzelgeschichte echauffieren, das sofortige Aufsuchens eines Psychiaters!
-
Das Volk per Online-Durchsuchung, Überwachung und Speicherung von Telefon und Email zu bespitzeln, wird massiv vorangetrieben und sie kämpfen dafür mit aller Vehemenz.
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Wenn aber ein Unternehmen einige Mitarbeitern zum Selbstschutz überwacht, dann bricht bei diese verlogene Politkerbande das Entsetzen aus? Das mag keiner mehr verstehen!
Eisenbaer (21.01.2009, 20:23 Uhr)
@starmax - Sie haben eine Menge Fantasie -
Der "Chef" hat nicht ermittelt, sondern die Konzernsicherheit eingeschaltet. Die hat den Auftrag an Dritte vergeben. Dann ist alles den gesetzlichen Weg gegangen, genau wie es die Korruptionsschutz-Richtlinien vorschreiben. Nach einer Verurteilung durch die Jurisdiktion kamen zivilrechtliche Maßnahmen auf die Schwarzen Schafe zu, ggf. wurde einigen aber auch nahe gelegt, sich von sich aus einen neuen Arbeitgeber respektive einen neuen Kundenstamm zu suchen.
emanuel (21.01.2009, 20:18 Uhr)
Bahn - Affäre
Die Stasi ist Tod, hoch lebe die Stasi.
Nur noch eine Mauer rund um Deutschland und wir haben die DDR wieder. Die Überwachung haben wir schon nicht nur von den Behörden und Institutionen sondern die Menschen auch untereinander. Was nun die anderen Einschränkungen der DDR betrifft, da sind wir auch nicht mehr weit von entfernt.
starmax (21.01.2009, 19:47 Uhr)
Eisenbaer - Nasenring?
Wem bitte wollen Sie das erzählen? Und warum?
Daß wir in D eine Gewaltenteilung haben (E-J-L), sollte selbst Ihnen klar sein.
Der Chef darf also n i c h t beliebig ermitteln und - schlimmer - Maßnahmen ergreifen. Er muß hingegen - bei begr. Anfangsverdacht, wie von Ihnen geschildert - die Ermittlungsbehörden einschalten; die werden sich dann notfalls eine richterliche Befugnis holen. SO gehts ; alles andere ist Mittelalter...
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