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"Conan": Conan, der Plagiator

Barbar mit Blut- und Ideenarmut: "Conan" wandelt auf den Spuren von "God of War", kommt aber vom Weg ab ...

Was dem Mann heutzutage das Auto, war dem Barbaren von damals die Rüstung: sein Ein und Alles. Verständlich, dass Conan mächtig wütend ist, nachdem ihn ein böser Zauberer erst zu Brei gekloppt, ihm danach seine magische Rüstung gestohlen und damit mächtige Dämonenviecher erschaffen hat. Im Rahmen dieser - zugegebenermaßen: recht banalen - Geschichte schnetzelt sich Conan also durch die mythologisch-mediterran anmutende Welt Hyborias, um sein Hab und Gut zurückzubekommen und sich am bösen Magier zu rächen.

Zu Beginn des Spiels nur mit einem Schwert ausgerüstet, ergattert das schwarzhaarige Muskelpaket in Windeseile weitere Waffen, die die Gegner bei ihrem Ableben fallen lassen - zwei Schwerter richten schließlich mehr Schaden an als nur eins. Und zweihändige Waffen wie Lanzen oder Hellebarden eignen sich sogar noch besser zum Gegnerkloppen. Hat Conan gerade keine taugliche Waffe zur Hand, kann der Barbar die Schurken einfach packen und durch die Gegend schleudern.

Unterschiedliche Kampfstile und freischaltbare Spezialfähigkeiten bringen Abwechslung in den an sich recht monotonen Heldenalltag, der aus Schnetzeln, Meucheln und Morden besteht. Denn Conan geht nicht gerade zimperlich vor: Blut spritzt, Gegner werden enthauptet oder andere Gliedmaßen vom Leib gerissen - zumindest in der englischen Version. In der lokalisierten deutschen Version wurde jegliche explizite Gewaltdarstellung inklusive des roten Pixelsafts restlos entfernt, was zum Teil seltsame Auswirkungen hat. Bei einem Konter beispielsweise fuchtelt Conan wie von einer Tarantel gestochen in der Luft herum, während der Gegner - scheinbar von Todeskrämpfen geschüttelt - wild wackelt und letzten Endes einfach umkippt. Angesichts der brutalen Roman- und Filmvorlagen ein wenig authentisches Prozedere, das auch anders gelöst hätte werden können.

Besser gelungen ist das Gameplay, das actionreich und einfach von der Hand geht. Die verschiedenen Specialmoves sorgen für abwechslungsreiches Kloppen in den hübsch aufgemachten, streng linearen Locations, die mit idyllischen Inseln, finsteren Höhlen und prächtigen Städten für Vielfalt sorgen. Allerdings wirken manche Szenarien wie schon zigmal gesehen, was auch für bestimmte Animationen des wortkargen Recken gilt. Wenn Conan mittels einer Tastenkombination Türen aufstemmt oder Felsböschungen erklimmt, könnte man meinen, einen langhaarigen Kratos aus "God of War" vor sich zu haben.

Dasselbe gilt für manche Spielmechanismen wie das Aufschießen von Türen mit Katapulten, das Umwerfen von Säulen, um neue Wege zu schaffen, und vor allem die mehrteiligen Bosskämpfe am Ende eines jeden Levels. Jene gehören - trotz des offensichtlichen Ideenraubs - zu den Highlights im Spiel, da sie einerseits herausfordernd, andererseits nie unfair sind. Einzig nervig ist die Unart, dass manchmal im Bruchteil einer Sekunde ellenlange und zusammenhängende Tastenkombinationen ausgelöst werden müssen. Hier wäre weniger mehr gewesen.

Grafisch spielt "Conan" im oberen Mittelfeld mit. Die Animationen sind geschmeidig, die verschiedenen Locations nett anzusehen. Nur bei den Charaktermodellen hätte Entwickler Nihilistic Software mit etwas mehr Liebe zu Werk gehen können. Conans Haartapete und Plastikoberkörper sehen schlicht lächerlich aus.

Conan

Hersteller/Vertrieb

Nihilistic Software/THQ

Genre

Action

Plattform

Xbox 360, PS3

Preis

ca. 60 Euro

Altersfreigabe

ab 16 Jahren

Insgesamt bekommen Actionfans ein überdurchschnittliches Spiel geboten, das für sieben kurzweilige Stunden Spaß macht. Mit den Genre-Kollegen "Heavely Sword" (PS3) und "God of War 1 und 2" (PS2), die offensichtlich Pate standen, kann es allerdings nicht mithalten.

Jens-Ekkehard Bernerth/Teleschau / TELESCHAU