"Weisse Bescheid?! - Das Horst Schlämmer Quiz" Das ganze Leben ist ein Quiz


Senf-Spender Horst Schlämmer wird virtueller Quizmoderator, nein, Quizkommentator!

Auch wenn hier immer wieder von einer "völlig neuen Generation von Quiz-Spielen" die Rede ist, sind die Möglichkeiten doch ziemlich beschränkt: Zur Wahl stehen gerade einmal die Modi "Schneller Horst" (wo auf Zeit gespielt wird), "Langer Horst" (ohne Zeitdruck) und "Best of Horst". Letzteres ist kein Quiz-Element, sondern ein ziemlich minimalistisches Autorennen durch Schlämmers Heimat Grevenbroich, bei dem es gilt, Herrenhandtaschen einzusammeln, um Videosequenzen freizuschalten. Leider raubt die ruckelnde Grafik selbst wohlwollendsten Schlämmer-Fans den letzten Nerv.

In den anderen Varianten können ein bis drei Spieler beweisen, wer Bescheid weiß. Wer allerdings Fragen auf dem Niveau von 9live-Sendungen sucht, ist hier fehl am Platz: Die Fragen entsprechen oft eher dem Niveau der kniffligeren "Wer wird Millionär?"-Stufen. Haben alle Spieler ihren Namen, ihre Nationalität und ihr Geschlecht (Schlämmers Kommentar: "Also das überrascht mich jetzt") angegeben, wählt der erste Kandidat seinen Favoriten aus einem kryptisch formulieren Fragenkatalog mit Kategorien wie "Widerstand gegen Widerlinge", "Frida sei mit euch" oder "Rum machen oder Rummachen?" Je nach Schwierigkeitsgrad winkt mehr Geld für die richtige Antwort - DM natürlich, denn Schlämmer tut sich schwer mit Neuem, wie sein Modestil beweist.

Stellt sich die Frage, ob sich der spontane Anarcho-Humor des Comedy-Chamäleons auf DVD konservieren lässt. Wer erwartet, Kerkelings Alter Ego würde im PC-Spiel die Lachmuskeln genau so stark reizen wie auf der Mattscheibe, wird enttäuscht. Das geht schon beim Intro-Video los, wo Hape sich zum Horst macht und überraschend unkomisch die Grundprinzipien des Games erklärt. Die nächste Enttäuschung: Der Trenchcoat-Assi führt nicht als animierte Spielfigur oder per Video durch die Fragerunden. Stattdessen stellt eine völlig humorfreie Stimme aus dem Off Multiple-Choice-Fragen und gibt danach nicht nur die richtige Antwort preis, sondern auch kurze weiterführende Infos für Schlaumeier. Nur in manchen Momenten taucht Horst Schlämmers Visage in einem kleinen stilisierten Fernseher im rechten unteren Bildrand auf, um seinen Senf zur Leistung der Kandidaten zu geben - mal ist er gerührt über die Kompetenz des Kandidaten, mal lacht und grunzt er schadenfroh. Schlämmers Kommentare sind es, die dem Spiel seinen Witz geben. Umso ärgerlicher, dass er eher zum Special Guest reduziert wird, als durch das Quiz zu führen wie ein waschechter Quizmaster. Fernsehshow-Atmosphäre wie beispielsweise im Konkurrenztitel "Buzz" will so nicht recht aufkommen - insbesondere weil, statt einer Studiokulisse, scheinbar wahllos zusammengewürfelte Hintergrundbilder die Fragen illustrieren: vom spießigen Wohnzimmer über eine Frittenbude bis zur Zahnarztpraxis. Das Gegenteil von "lustig" ist "lustig gemeint".

Weisse Bescheid?! - Das Horst Schlämmer Quiz

Hersteller/Vertrieb

Aruba Studios/RTL Enterprises

Genre

Puzzle / Quiz

Plattform

PC

Preis

ca. 30 Euro

Altersfreigabe

o.A.

Leider ist selbst Schlämmers Geschnatter, wenn die Spieler zu lange nicht aktiv werden ("Wähle den Spielmodus oder die Nummer der Auskunft!" oder "Schätzelein, mach doch mal weiter, ich hab doch nicht den ganzen Tag Zeit, hier rumzusitzen!"), witziger als das Gameplay. Erst am Schluss gibt es wieder Schlämmer in Bestform zu sehen. Nachdem er sich zur Leistung der Spieler geäußert hat ("Selten einen so dämlichen Spieler hier sitzen gehabt. Aber mach dir nix draus, der Deppenbonus ist dir sicher!"), folgt die Siegerehrung, in der die Nationalhymne der Heimat des jeweiligen Gewinners intoniert wird, während Schlämmer die Showassistentin mit gierigen Blicken dumm von der Seite anmacht. Gerade diese raren, witzigen Momente machen schmerzhaft deutlich, wie viel mehr man aus der Idee eines Horst-Schlämmer-Quizzes machen hätte können. Die beste Frage zum Schluss: "Wie nennt man das Nest des Adlers?" Und? Kommste drauf? Wenn nicht, mach' dich net verrückt!

Michael Eichhammer/Teleschau TELESCHAU

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