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Produktstrategie: Microsoft verschenkt Virenschutz

Microsoft will Privatkunden künftig Gratissoftware anbieten, die PC vor Viren, Spyware und anderen Angriffen schützen soll. Das Programm mit dem Codenamen Morro ist für das zweite Halbjahr 2009 angekündigt. Die Antiviren-Kokurrenz ist nicht begeistert, und Kartellwächter sind es auch nicht.

Von Helene Laube, Martin Ottomeier und Reinhard Hönighaus

Das aktuelle kostenpflichtige Sicherheitssoftwarepaket Windows Live Onecare stellt der weltgrößte Softwarekonzern dann ein. Der Schritt dürfte bei deutlich größeren Sicherheitssoftwareanbietern wie Symantec oder McAfee für Unruhe sorgen. "Ein kostenloses Produkt wird Auswirkungen auf den Endkundenmarkt haben", sagte Ruggero Contu, Analyst beim US-Beratungsunternehmen Gartner. Die Aktien von Symantec und McAfee verloren am Mittwoch in einem schwachen Marktumfeld deutlich.

Morro soll laut Microsoft allerdings nicht mit dem marktbeherrschenden Windows-Betriebssystem gebündelt, sondern als eigenständiges Programm zum Herunterladen im Internet angeboten werden. Microsoft wollte allerdings auch nicht kategorisch ausschließen, dass der Anbieter die Sicherheitsfunktionen irgendwann einmal in Windows integriert.

Aber schon der kostenlose Download könnte Wettbewerber dazu bewegen, Microsoft wegen Ausnutzung seiner Monopolstellung zu attackieren. "Dieses Verhalten wirft eindeutig Wettbewerbsprobleme auf", sagte Thomas Vinje, Partner der Kanzlei Clifford Chance in Brüssel. Er vertritt in den EU-Wettbewerbsverfahren gegen Microsoft die Gegner des Monopolisten. "Es kann den Wettbewerb durch andere Anbieter von Sicherheitssoftware behindern und als illegaler Verdrängungspreis gewertet werden", sagte Vinje. Er geht davon aus, dass Anbieter von Sicherheitssoftware eine solche Beschwerde bei der Europäischen Kommission vortragen werden, möglicherweise auch beim US-Justizministerium, sobald die neue Regierung unter Barack Obama die Geschäfte übernimmt.

Auf kleine Rechner zugeschnitten

Microsoft begründet den Strategieschwenk damit, deutlich mehr Privatanwender vor Angriffen auf ihre PC schützen zu wollen. Morro sei vor allem auf kleinere, weniger leistungsfähige Rechner und damit auch auf Benutzer in Schwellenländern zugeschnitten.

Mit dem bisherigen Angebot Onecare hatte Microsoft allerdings auch wenig Erfolg. Bei Anti-Viren-Software für Privatkunden kam das Unternehmen 2007 auf einen Marktanteil von rund 1,4 Prozent, hat Gartner ermittelt. Damit liegt das Unternehmen deutlich hinter den Rivalen. "Microsoft gibt auf und gibt nun gratis minderwertige Software ab, die an den Sicherheitsbedürfnissen der Verbraucher vorbeigeht", sagte ein McAfee-Sprecher dem Nachrichtendienst Cnet.

Microsoft hatte Onecare Mitte 2006 herausgebracht. Neben Anti-Viren- und Anti-Spyware-Programmen enthielt das Paket auch Funktionen zur Datensicherung und Leistungsoptimierung - damals ein Novum. Schnell haben die Rivalen allerdings mit ähnlichen Angeboten nachgezogen.

In den Markt für Anti-Viren-Programme war Microsoft über Zukäufe eingestiegen. Onecare basiert auf der Technik des Unternehmens Gecad, das der Softwarekonzern 2003 übernommen hat. Für Unternehmen bietet Microsoft die Forefront-Produktpalette, die der Akquisition von Sybari im Jahr 2005 entstammt.

Kein Interesse mehr an Yahoo

Übrigens will Microsoft Yahoo nach Worten seines Vorstandschefs Steve Ballmer definitiv nicht mehr kaufen: "Wir sind durch mit allen Übernahmegesprächen mit Yahoo", sagte Ballmer.

FTD
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