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scheibe: Der kleine Namensratgeber

Shareware-Programmierer haben einen Hang zur Bodenständigkeit. Sie verzichten auf Public Relations und auf die Realisierung verschiedener Marketingtricks und hoffen darauf, dass ihre Programme trotzdem gekauft werden. Wenn dann die Bestellungen ausbleiben, ist der Katzenjammer groß. »/ANRISS«

Shareware-Programmierer haben einen Hang zur Bodenständigkeit. Sie verzichten auf Public Relations und auf die Realisierung verschiedener Marketingtricks und hoffen darauf, dass ihre Programme trotzdem gekauft werden. Wenn dann die Bestellungen ausbleiben, ist der Katzenjammer groß.

Schade. Denn oft reicht es aus, einem Programm einen interessanten Namen zu geben, um bei den Anwendern die Neugierde zu wecken. Es reicht eben nicht aus, in A&P-Manier einfach nur den Einsatzzweck im Programmnamen zu führen. Ein Tool namens Packer 1.0 packt Dateien zu ZIP-Archiven zusammen. Ein Programm mit der Bezeichnung Reminder 2.0 erinnert an Termine. Und ein Spiel namens Kistenschieber 5.8 lässt den Anwender Kisten schieben. Ein SystemTuner tunt das System. Und das Kassenbuch 4.8 holt ein Kassenbuch auf den Schirm. Ah ja.

Die Verknüpfung von Namen und Inhalt leuchtet ein, sorgt für Verständnis und ist todlangweilig. Was denken Sie? Sind viele Shareware-Programmierer bei der Namensgebung zu einfallslos? Sagen Sie Ihre Meinung im

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Zumal Hunderte von Programmierern auf die gleiche Idee kommen und wir Anwender uns in der Folge mit zahlreichen Programmen beschäftigen müssen, die alle Packer, Reminder oder Kistenschieber heißen. Die Misere wird klar, wenn man diese Art der Namensgebung auf andere Bereiche überträgt. Eltern nennen ihr Kind ja auch nicht »Lebensform mit zwei Beinen und zwei Armen«, sondern geben ihm einen prägnanten Namen. Torsten oder Tanja klingen als Namen eben besser als »Ding, was Dreck macht«.

In der freien Wirtschaft gibt es inzwischen viele Kreative, die ihr Geld damit verdienen, sich Namen für Waren einfallen zu lassen. Der Smart, die Pringles, der Xsara alles Namen, die auf dem Reißbrett entstanden sind und dank Werbung in die Köpfe der Leute eingemeißelt wurden. Inzwischen sind diese Kunstworte mit ganz bestimmten Vorstellungen und einer Wertung verbunden. Dieses Namens-Image kann einem die Konkurrenz nicht mehr streitig machen.

Shareware-Programmierer müssen ja nicht unbedingt einen teuren Namenserfinder beschäftigen, um die eigene Programmidentität zu finden. Ein bisschen Eigeninitiative reicht ja bereits völlig aus. So kann man seine Programme mit Kunstnamen belegen, wie das etwa der Berliner Robert Mundt macht die Namen seiner Programme Crack und Datatron kennt jeder. Und sie sind so einzigartig, dass niemand bei ihrer Nennung stöhnt: »Oh mein Gott, nicht schon wieder ein Multimedia-Autorensystem oder eine Datenbank«, wie das bei den Namen »MM-Autorensystem 4.0« oder »Tolle Datenbank 1.5« der Fall wäre.

Wem neugierig machende Kunstnamen wie Euromat, Datango, Clicktionary oder WinInBlack (alle bereits vergeben) nicht ad hoc einfallen, der kann bei der Namensfindung auch Humor beweisen. Ein Tetris-Klon wird da zum »Klötzchenterror 1.0«, ein Euro-Konvertierer zum »Zastermaster 3.7« und ein Textprogramm zum »Tintenkleckser 5.3« (alle Namen noch nicht vergeben). Wer in einem Shareware-Depot über solche Namen stolpert, hält zwangsläufig inne und wird neugierig gemacht, liest dann vielleicht die Kurzbeschreibung und bezieht das Programm als Download. Ehrlich. Ein bisschen mehr Frische bei der Namensgebung würde vor allem der sachbetonten deutschen Shareware-Szene gut tun. Wir lassen uns gerne überraschen.

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