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scheibe: Heute ein König

Die Shareware-Szene hat in den letzten Monaten ein wenig den Kopf eingezogen: In den einschlägigen Shareware-Depots werden zum Großteil nur noch kleinste Tools und winzige Mittagspausen-Spiele hochgeladen. Wo bleiben die großen, komplexen Anwendungen, die es auch einmal wagen, den bekannten kommerziellen Programmen Konkurrenz zu machen? »/ANRISS«

Die Shareware-Szene hat in den letzten Monaten ein wenig den Kopf eingezogen: In den einschlägigen Shareware-Depots werden zum Großteil nur noch kleinste Tools und winzige Mittagspausen-Spiele hochgeladen. Wo bleiben die großen, komplexen Anwendungen, die es auch einmal wagen, den bekannten kommerziellen Programmen Konkurrenz zu machen?

Es fehlt den Programmierern derzeit ein wenig der Wagemut oder die Zeit, große Projekte zu realisieren. Immer kleiner werden die Tools und Programme. Immer weniger Funktionen werden von ihnen abgedeckt. Da gibt es Tools, die machen nichts anderes als übergroße Dateien zu zerschnippeln, Dateilisten anzulegen oder sensible Files zu verschlüsseln. Wo bleiben neue Dateimanager, die all diese Funktionen unter einem Dach versammeln? Textund HTML-Editoren gibt es zur Genüge, sie gehen aber selten über den Funktionsumfang des Windows-Notizblocks hinaus. Warum nicht das Experiment starten und eine neue große Textverarbeitung kreieren? Auch im Grafikbereich herrscht derzeit kein heftig blasender »Wind of Change«. Es häufen sich simple Viewer, die Bilder nur anzeigen, aber nicht bearbeiten können. Ist denn mit neuen Programmen à la ThumbsPlus oder Paint Shop Pro nicht mehr zu rechnen? Wie schätzen Sie das ein? Ihre Meinung im

Computerforum von stern.de

Zum Glück scheint der Minimalismus nicht zwingend zu sein. Zwei Anwendungen konnten wir in den letzten Tagen ausmachen, die der Shareware-Szene wieder zu mehr Größe und Komplexität verhelfen.

Da überrascht beispielsweise die Tuning-Suite Tune&Clean 5.1 (www.baqsoft.de), die aus dem Bestseller WinInBlack hervorgegangen ist. Das Programm mischt den kommerziellen Bereich der Notfallprogramme ordentlich auf und zieht bereits frech am Hosenbein von Programmen wie den Norton Utilities. Mit Hilfe des 99 Mark teuren Programmpakets ist es möglich, mehrere Hundert Optionen aus der Registry, den Systemdateien und der Boot-Datei MSDOS.SYS zu sichten und per Mausklick zu verstellen. Zusätzlich sorgt das Programm für mehr Sicherheit am Rechner und versteckt oder sperrt einzelne Funktionen wie etwa die Bearbeitung der Registry, den Zugang auf die DOS-Ebene oder einzelne Befehle aus der Systemsteuerung. Mit Tune&Clean kann der Anwender auch eine Sicherheitskopie sämtlicher Systemdateien anlegen, die Registry von fehlerhaften Einträgen befreien oder Mülldateien von der Festplatte löschen. Weiter geht es mit einer umfangreichen Systeminformation und einer Sammlung externer Tools, die u.a. dabei behilflich sind, Archive zu bearbeiten. Ein Notfallmodul stellt außerdem ein Dutzend typischer Windows-Probleme vor, die sich anschließend per Mausklick beheben lassen. Wer also feststellt, dass auf einmal seine Taskleiste verschwunden ist, kann auf die Hilfe des Pakets bauen. Und wer glaubt, dass 99 Mark ein hoher Preis ist, der sollte einmal die Kosten der Einzelprogramme zusammenzählen, deren Funktionen TuneClean abdeckt.

Ein anderer Alleskönner, diesmal aus dem Office-Segment, ist Akzent IV 4.56 (http:/private.addcom.de/czech). Die Textverarbeitung aus Berlin ist nur wenige Megabyte groß und bietet doch ähnlich viele Funktionen wie die großen Boliden der Schreibkunst. Das WYSIWYG-Programm kommt nicht nur mit kurzen Briefen, sondern auch mit umfangreicheren Texten zurecht. Vor allem im universitären Bereich hat Akzent die Nase vorn. Das Programm bietet einen Spaltenund Tabellensatz, legt Inhaltsverzeichnisse und Stichwortregister an, bindet Abbildungen und Fotos in die Dokumente ein und liest sie am Ende auch noch Korrektur. Mathematiker und Physiker bauen auf den integrierten Formeleditor, mit dem sie auch komplizierte Formeln aus ihren Bestandteilen zusammenklicken können. Ein einmaliges Angebot ist der integrierte Chemie-Editor, der Strukturformeln zeichnet und dabei auch Bindungen, Ringe, Elektronenübergänge und Reaktionspfeile auf den Bildschirm zeichnen kann. Eine integrierte Adressverwaltung für die schnelle Anfertigung von Serienbriefen rundet Akzent IV ab. Das mit 169 Mark noch nicht einmal besonders teuer ist.

Wir würden uns jedenfalls freuen, wenn wir ab jetzt wieder häufiger über die großen Herausforderer berichten könnten. Sie sind das Salz in der Shareware-Suppe.

Carsten Scheibe

Typemania@compuserve.com

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