Multimedia Vollkommen rechtlos


Weil sie kein Copyright mehr besitzen, kann man im Internet Hunderte Kinofilme kostenlos und legal herunterladen

Es gibt Internetseiten, denen man schon auf den ersten Blick misstraut. Sie wirken zusammengeschustert und verheißen Dinge, die einfach nicht sein können. "Free Movie Entertainment Magazine" ist so eine Seite. Sie wirbt mit "kostenlosen Filmen", und dabei soll "keine Registrierung" und "kein Abo notwendig" sein.

Doch überraschenderweise ist "Free Movie Entertainment Magazine" (www. emol.org/movies) tatsächlich seriös. Die dort angebotenen Kinofilm-Downloads sind kostenlos und rechtlich unbedenklich. Denn die Site hat sich auf Filme spezialisiert, die kein Copyright besitzen. Normalerweise darf man Filme natürlich nicht einfach ins Netz stellen oder von dort kopieren -Êdie drastische Kampagne der Filmindustrie "Raubkopierer sind Verbrecher" (www. hartabergerecht.de) weist unermüdlich darauf hin. Ist ein Film aber alt genug, der Urheber lange genug tot oder das Copyright aus einem anderen Grund erloschen, gilt das Verbot nicht mehr: Internetnutzer können die Werke nach Herzenslust herunterladen.

Mehr als 600 solcher Filme kursieren im Netz, darunter frühe Werke von Charlie Chaplin und "Dick und Doof". Gesammelt werden sie auch auf Sites wie archive.org, wo sie "Feature Films" heißen und bei veoh.org, wo sie "Cult Classics" heißen. Wer bei den großen Videoseiten video.google.de und youtube.com das Suchwort "Public Domain" eingibt, die englische Bezeichnung für Copyright-frei, wird ebenfalls fündig.

Die meisten dieser Filme gibt es in der nicht synchronisierten Originalfassung auf Englisch, doch auch deutsche Klassiker finden sich, zum Beispiel "Nosferatu", "Der Golem", "Metropolis" oder "M - Eine Stadt sucht einen Mörder". Ebenfalls im Angebot sind der Audrey-Hepburn-Film "Charade" und der Horrorfilm "Night of the Living Dead", die aus einem kuriosen Grund frei kopiert werden dürfen: Die Produzenten hatten den Copyright-Hinweis im Abspann des Films schlicht vergessen -Êgenau das aber wird vom US-Urhe-berrechtsgesetz vorgeschrieben.

Die frei herunterladbaren Filme sind nur ein Vorgeschmack auf das, was kommt, wenn die großen Künstler des 20. Jahrhunderts erst einmal lange genug unter der Erde liegen. Dann wird man auch berühmte Musikalben frei kopieren dürfen. Schon jetzt sind Aufnahmen aus den 20er Jahren frei im Netz erhältlich - beispielsweise bei foldedspace.org/weblog/2006/06/in_the _good_old_summertime.html.

Was für die Fans

von Retro-Musik verheißungsvoll klingt, ist den Lobbyisten der Entertainment-Industrie ein Graus: Schon jetzt versuchen sie, eine Verlängerung der Schutzfristen zu erreichen. In den USA ist das zum Teil bereits gelungen: Dort wurde der allgemeine Copyright-Schutz eines Werks von 75 auf 95 Jahre verlängert. In Deutschland laufen die Leistungsschutzrechte der an der Aufnahme beteiligten Musiker hingegen schon nach 50 Jahren aus.

Wer aber hofft, im Jahr 2012 die erste kostenlose Beatles-CD legal nachbrennen zu dürfen, weil deren erste Single "Love Me Do" dann ihren 50. Geburtstag feiert, wird sich länger gedulden müssen. Die Schutzfrist endet nämlich erst, wenn auch der Komponist des Musikstücks lange genug tot ist. Und Paul McCartney erfreut sich bekanntlich noch immer bester Gesundheit.

Ulf Schönert print

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