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Internet-Freaks der ersten Stunde, die das Netz noch als eine Sammlung von verknüpften Texten in Erinnerung haben, können wohl nur kopfschüttelnd das Gesause und Gebrause auf manch einer Homepage betrachten. »/ANRISS«

Internet-Freaks der ersten Stunde, die das Netz noch als eine Sammlung von verknüpften Texten in Erinnerung haben, können wohl nur kopfschüttelnd das Gesause und Gebrause auf manch einer Homepage betrachten. Bunte Kreise, Vierecke, Linien und Wörter drehen sich, huschen, wabbern und wackeln durch das Fenster des Internet-Browsers. Ohne große Verzögerungen und völlig ruckelfrei (die entsprechende Hardware vorausgesetzt) entwickelt die aufgerufene Web-Seite vor ihren Augen ein Eigenleben, reagiert dynamisch auf jede Bewegung des Mauszeigers.

Dahinter verbirgt sich »Flash« ein Plug-In des Software-Herstellers »Macromedia«. Dank ihm entwickelt sich das Web ein Stück weit vom reinen Informationsnetz zum multimedialen Unterhaltungspool. Sagen Sie Ihre Meinung zum Thema in unserem

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Die Erprobungsphase ist schon länger vorbei. Mit zunehmender Verbreitung des Plug-In wird auch die Zahl der in Flash programmierten Seiten größer. Und damit auch der Spaß am Surfen.

Das zeigt eine Vielzahl von professionellen und privaten Homepages. »Die besten Flash-Seiten« sollen nach Wunsch der Ahrensburger Firma »ideenreich.com« auf der Seite »Flash-Up.de« gesammelt werden. Die Seite befindet sich allerdings noch im Aufbau. Erst 76 kommentierte Links sind in den acht Rubriken von »Business« bis »Unterhaltung« zu finden. Das gleiche Ziel verfolgt »Flash4All.de«. Die drei jungen Männer, die hinter der Seite stecken, prämieren regelmäßig die »beste Seite der Woche«. Viele interessante und vor allen Dingen schön anzuschauende Webseiten sind hier schon gesammelt.

Schön aussehen und lebendig wirken das ist was für Firmen mit jungen Zielgruppen. Sie nutzen »Flash« um ihre Seiten kindgerechter zu gestalten. Intuitiv können sich die Kids über die plastisch gestalteten Seiten navigieren. Der Spielzeughersteller »Lego« setzt »Flash« für Bauanleitungen und interaktive Spiele auf seinen Seiten ein. Online-Puzzles, wie sie »Disney« seinen Besuchern anbietet, gehören dabei schon zum Standard.

Welche neuen, multimedialen Wege der Präsentation Firmen im Internet gehen können, zeigen zahlreiche Demos von Webdesignern. Beim virtuellen Web-Studio »mono*crafts« aus Tokio tropfen die Buchstaben aus dem Mauszeiger und formieren sich auf einer Linie zu Sätzen. Eric Jordan, der seine Seite wenig bescheiden »2Advanced« genannt hat, ist ein Vollblut-Designer. »Gutes Design ist wie Zucker für die Augen«, sagt er, »es ist weich, es ist intelligent.« Seine Seite zeigt eindrucksvoll, wie er das meint.

Künstlerisch-kreativ veranlagte Flash-Tüftler verwirklichen abgefahrene Ideen. Der 27-jährige freie Webdesigner Wojtek Sal erzählt mit Hilfe der neuen Technik die skurrile Geschichte »flow 99« in bewegten Bildern. Patrick Thiel und Maritta Müller setzen noch einen drauf und bietet den unterhaltungsbedürftigen Surfern gleich das Adventure »Leo's großer Tag«. Hier wird der Surfer schleichend zum Computerspiel-Zocker. Nach alter »Monkey Island«-Manier schickt er das drollige Wesen »Leo« per Mausklick durch unterirdische Gänge, vorbei an gefährlichen Viechern. Ob jedoch alte Internet-Hasen die Nachricht verkraften, dass ab sofort virtuelle Kampfmaden beim Surfen den Weg versperren, ist mehr als fraglich.


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