HOME

Editorial: Neuer Henri-Nannen-Preis

Liebe stern-Leser!

Nichts ist verblüffender als die einfache Wahrheit, nichts ist exotischer als unsere Umwelt, nichts ist phantasievoller als die Sachlichkeit." Nach diesem Motto lebte und schrieb Egon Erwin Kisch, der rasende Reporter der Weimarer Zeit. stern-Gründer Henri Nannen benannte nach ihm 1977 einen Preis für die beste Reportage. Der jährlich vergebene Egon-Erwin-Kisch-Preis ist seither einer der renommiertesten Journalistenpreise im deutschsprachigen Raum.

In einer Zeit, in der die Masse der Informationen zu- und das Maß der Orientierung abnimmt, ist es wichtiger denn je, den Menschen die Welt begreifbar zu machen. Das gedruckte Wort kann dies nach wie vor am besten - mit Hilfe von Reportagen, aber auch durch andere Darstellungsformen, die an Bedeutung gewinnen.

Der stern und sein Verlag Gruner + Jahr haben sich daher entschlossen, eine neue Auszeichnung für Print-Journalismus zu stiften: den Henri-Nannen-Preis.

Wir möchten auf noch breiterer Basis fort- und weiterführen, was Henri Nannen erreichen wollte: den anspruchsvol-len Journalismus im deutschsprachigen Raum zu fördern und zu pflegen. Gleichzeitig wollen wir mit dem Preis das Andenken an den 1996 verstorbenen stern-Gründer lebendig halten.

Der stern wird den Henri-Nannen-Preis alljährlich in sieben Kategorien verleihen: - für engagiertes Eintreten für die Pressefreiheit im In- und Ausland; - für die beste investigative Leistung; - für die beste Reportage (weiterhin geehrt mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis); - für die beste fotografische Leistung; - für eine besonders verständliche und anschauliche Berichterstattung über einen komplexen, gegenwärtigen oder zeitgeschichtlichen Sachverhalt; - für ein herausragendes Beispiel unterhaltsamer, humorvoller Berichterstattung; - für ein publizistisches Lebenswerk. Über die Preisträger werden unabhängige Vor- und Hauptjurys entscheiden, die sich aus namhaften Journalisten der gesamten Branche zusammensetzen. Wir werden den neuen Henri-Nannen-Preis erstmals im Frühjahr 2005 verleihen.

Wenn Ihnen also 2004 eine preiswürdige Arbeit in einer Zeitschrift oder Zeitung im deutschsprachigen Raum auffällt, können Sie diese ab sofort einreichen unter:
Henri-Nannen-Preis
Redaktion stern
20444 Hamburg.

Herzlichst Ihr
Thomas Osterkorn

print

Das könnte sie auch interessieren

Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?