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Neue Kategorien, neue Jurys Im Dienst der Demokratie

Die diesjährige Jury vom Nannen Preis
Die diesjährige Jury vom Nannen Preis
© IVO MAYR; Amanda Dahms; Philipp Böge; IPON; Imago images (3); Public Address; DANIEL HOFER; Sky; Carolin Windel; ­Radio Bremen; photoselection; hr; NDR; WDR; dpa; Tamedia AG
Seriöser Journalismus ist relevanter und vielfältiger denn je. Darum ehrt der renommierte Nannen Preis ab sofort herausragende Leistungen aus allen deutschsprachigen Medien.
Von Steffen Gassel

"Wenn man Journalist ist, dann will man doch die Welt ein bisschen durchsichtiger, verständlicher, ein bisschen weniger gemein, ein bisschen ehrlicher und offener machen." Der Anspruch und der Idealismus, die aus diesen Worten des stern-Gründers Henri Nannen sprechen, galten schon zu seiner Zeit über alle medialen Gattungsgrenzen hinweg.

Umso zeitgemäßer erscheint sein Credo angesichts der kreativen Vielfalt, in der sich deutschsprachiger Journalismus heute präsentiert. Darum bildet nun auch der Journalistenpreis, der Nannens Namen trägt, diese Vielfalt ab: Der renommierteste Preis für deutschsprachige Print-Produktionen wird zur Auszeichnung für alle Journalistinnen und Journalisten, zum neuen Nannen Preis.

Der Nannen Preis steht nun für alle Mediengattungen offen

"Die trennscharfe Unterscheidung nach Gattungen wird im Redaktionsalltag längst nicht mehr gelebt. Journalistinnen und Journalisten erzählen Geschichten multimedial und bedienen sich dabei aller Kanäle, um das Publikum zu erreichen. Die Öffnung des Nannen Preises für alle Mediengattungen steht für veränderte Rezeptionsgewohnheiten und den Wandel journalistischer Formen", sagen Florian Gless und Anna-Beeke Gretemeier, Chefredakteure des stern, der den Nannen Preis gemeinsam mit dem Verlag Gruner+Jahr 2021 erstmals über alle medialen Grenzen hinweg ausgeschrieben hat. Ob Print-Reportage oder Podcast, ob Fernsehbeitrag, Radiostück oder Twitter-Thread, ob Fotografiestrecke oder crossmediales Projekt: Ab sofort ist ausgezeichneter Journalismus in all seiner Vielfalt zum Wettbewerb zugelassen.

Parallel zur Öffnung der Auszeichnung hat das Wettbewerbsteam auch die Preiskategorien neu konzipiert.

Zur "Geschichte des Jahres" kürt der Nannen Preis fortan die alles überragende journalistische Glanztat eines Jahres. Gesucht ist in dieser Kategorie eine Arbeit, der es mit großer Eindringlichkeit oder Unmittelbarkeit gelungen ist, das Publikum über alle Grenzen von Alter und Weltanschauung hinweg in ihren Bann zu ziehen und nachhaltige Resonanz zu erzeugen.

In der ebenfalls neu geschaffenen Kategorie "Republik“ steht der Wert des Journalismus für die Gesellschaft im Vordergrund. Hier werden Projekte ausgezeichnet, die der ­Öffentlichkeit einen außergewöhnlichen publizistischen Dienst erweisen, indem sie über einen längeren Zeitraum hinweg ein gesellschaftlich relevantes Thema ins Licht der Öffentlichkeit rücken.

Die gesellschaftliche Bedeutung des Journalismus unterstreichen

"Der Nannen Preis soll stärker als bisher die gesellschaftliche Bedeutung des Journalismus unterstreichen. Deshalb geht es ihm nun ausdrücklich auch um die Kraft journalistischer Arbeiten, ­Debatten auszulösen und Veränderungen anzuregen", sagt Christoph Kucklick, Leiter der Henri-Nannen-Schule und Sprecher des Nannen Preises. Mit der Auszeichnung in der Kategorie "Republik" können folgerichtig nicht nur Journalisten ­geehrt werden, sondern auch andere – ­Wissenschaftlerinnen etwa –, "wenn sie einen herausragenden publizistischen Dienst am Gemeinwohl leisten", so die neue Satzung des Preises.

Zwei weitere Auszeichnungen werden in den Kategorien "Lokal" und "Investigation" vergeben. Der "Egon Erwin Kisch-Preis", die traditionsreiche Auszeichnung für die beste deutschsprachige Reportage, bleibt als einzige Kategorie dem geschriebenen Wort vorbehalten.

Die Vielfalt journalistischer Kreativität, die der Nannen Preis fortan feiern will, spiegelt sich auch im neu berufenen Beirat wider, der die stern-Chefredaktion als Ausrichterin berät und die Unabhängigkeit des Preises garantiert. Er ist mit prominenten Journalistinnen und Journalisten unterschiedlicher Expertise besetzt: vom Print-Chefredakteur bis zur Datenexpertin, von der Senderchefin bis zum Fotografen. Die Jurys, die über die Preisvergabe in den einzelnen Kategorien entscheiden, versammeln kreative Köpfe ebenfalls quer durch alle Mediengattungen. Ein Stück weit vorbei ist hoffentlich auch die Zeit, als es über die Atmosphäre bei der Preisverleihung hieß: "Journalism – it’s a Man’s World. Er ist und bleibt die letzte reine Bastion des Mannes – neben der katholischen Kirche." Noch 2007 stand das so im stern.

"Journalismus", sagte vor einigen Jahren der Watergate-Enthüller Carl Bernstein in einer Laudatio zum Nannen Preis, "ist die best­erhältliche Version der Wahrheit". Ganz in diesem Sinn wird der neue Nannen Preis ausgezeichnetem Journalismus im Dienst der Demokratie die Bühne bereiten, die ihm gebührt.

Der Neue Beirat des Nannen Preises

Prominente Journalistinnen und Journalisten aus allen Mediengattungen gestalten die Neuausrichtung des Nannen Preises mit: Michel Abdollahi, freier Journalist; Daniel Etter, freier Fotograf und Autor; Florian Gless, Chefredakteur, stern; Dunja Hayali, ­Journalistin und ­Moderatorin, ZDF; Carsten Hoyer, Geschäftsführer, Antenne Niedersachsen; Katja Pietsch, Chefredakteurin, Radio Bremen; Annette Ramelsberger, Leitende Redakteurin, "Süddeutsche Zeitung"; Sonja Schwetje, Chefredakteurin, N-TV; Uwe Vetterick, Chefredakteur, "Sächsische Zeitung"; ­Vanessa Wormer, Leiterin SWR X Lab.

Die Jurys

Geschichte des Jahres

Über die Preisvergabe entscheidet der Beirat des Nannen Preises

Republik

Anna-Beeke Gretemeier, Chefredakteurin, stern; Navid Kermani, Schriftsteller; Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur, "Die Zeit"; Hedwig Richter, Historikerin, Universität der Bundeswehr; Felicitas von Lovenberg, Verlegerin, Piper Verlag; Ulrich Wickert, Journalist und Autor

Egon Erwin Kisch-Preis

Nataly Bleuel, freie Autorin; Hasnain Kazim, freier Autor; Steffen Klusmann, Chefredakteur, "Der Spiegel"; Lisa McMinn, freie Journalistin; Richard David Precht, Publizist und Autor; Julia Prosinger, Reporterin, "Der Tagesspiegel"; Anja Reschke, Journalistin und Moderatorin, NDR; Sabine Rückert, Mitglied der Chefredaktion, "Die Zeit"; Karl Spurzem, stellvertretender Chefredakteur, "Mare"; Dominik Stawski, Ressortleiter, stern; Luise Strothmann, Vize-Ressortleiterin, "Taz am Wochenende"; Thomas Tuma, freier Autor; Judith Wittwer, Chefredakteurin, "Süddeutsche Zeitung"

Lokal

Leila Al-Serori, stellvertretende Nachrichtenchefin, "Süddeutsche Zeitung"; Joachim Dreykluft, Leiter HHLab; Ingrid Eißele, stern-Korrespondentin; Christina Elmer, stellvertretende Entwicklungschefin, "Der Spiegel"; Marcel Heberlein, Hörfunk-Korrespondent, ARD-Hauptstadtstudio; Sammy Khamis, Reporter, Bayerischer Rundfunk; Sebastian Kisters, ARD-Reporter; Shelly Kupferberg, freie Journalistin; Stephan Mohne, Redakteur, "Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten"; Frank Schulte, stellvertretender Chefredakteur, Radio Bremen

Investigation

Christoph Bangert, freier Fotojournalist; Giuseppe Di Grazia, Redaktionsleiter, stern Crime; Angela Fitsch, Redaktionsleiterin, "Der Tag", HR2 Kultur; Kuno Haberbusch, freier Journalist; Lena Kampf, Redakteurin, WDR; Eva Lindenau, Programmgeschäftsführerin, Phoenix; Yassin Musharbash, stellvertretender Ressortleiter, "Die Zeit"; Kayhan Özgenc, stellvertretender Chefredakteur, "Business Insider"; Tania Röttger, Teamleitung Correctiv

Details und Teilnahmebedingungen hier.

Einsendeschluss ist der 28. Februar 2021.

Erschienen in stern 06/2021

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