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Der geheime Code der Liebe : Ich bin 37- und mein Freund will plötzlich keine Kinder mehr

Tatjana möchte unbedingt Mutter werden. Und eigentlich dachte sie, dass auch ihr Freund gerne eine Familie gründen möchte. Doch der macht plötzlich einen Rückzieher, will nicht als Samenspender missbraucht werden. Julia Peirano rät ihr zu einer harten Entscheidung.

Liebe Frau Peirano,
ich (37) bin seit drei Jahren mit meinem Freund zusammen. Als wir uns kennen lernten, haben wir öfters über die Zukunft gesprochen, und er hat gesagt, dass er auch mal Kinder haben möchte und Familie. Ich war beruhigt und habe das Thema erst mal nicht angesprochen. Nach einem Jahr habe ich dann mal gefragt, wann er sich das mit Kindern vorstellen kann. Da war ich immerhin schon 36. Er hat ausweichend geantwortet und meinte, wir kennen uns doch noch nicht so lange und er möchte noch mit mir so viel erleben, bevor er eine Familie hat. Er meinte, er wollte mit mir noch mal länger in die USA reisen und sprach von Freiheit. Es war alles etwas unklar. Ich war natürlich nicht glücklich mit diesem Gespräch. Doch ich dachte, wenn ich drängele, mache ich alles noch schlimmer. Deshalb habe ich noch ein Jahr abgewartet. Von sich aus hat mein Freund das Thema nicht mehr angeschnitten. Ich habe dann Sylvester, als wir über unsere Wünsche für 2015 gesprochen haben, gesagt, dass ich mir wünsche, schwanger zu werden. Mein Freund wurde daraufhin etwas reserviert und meinte im Verlauf des Gesprächs, er hätte das Gefühl, dass ich nur mit ihm zusammen sei, weil ich Kinder wolle. Er wolle nicht "nur der Deckhengst" sein. Er sagte, dass einige seiner Freunde von der Mutter der Kinder getrennt oder geschieden seien und dass man dann jahrelang bezahlen müsste, sich mit der Ex-Frau herumstreiten müsse und die Kinder darunter leiden würden. Ich fand ihn sehr negativ, dass er gleich vom Schlimmsten ausgeht, so als würde er nicht an uns glauben. Ich kenne auch Fälle, wo die Beziehung in die Brüche gegangen ist, aber es gibt ja auch viele glückliche Familien.
Seit Sylvester ist alles anders. Wir streiten uns häufiger und die Stimmung ist oft gedrückt. Ich fühle mich total alleine gelassen mit meinem Kinderwunsch. Ich möchte das Thema zur Zeit nicht ansprechen, denn ich habe Angst, dass er dann einen noch größeren Rückzieher macht.
Liebe Grüße
Tatjana

Liebe Tatjana,
Sie befinden sich wirklich in keiner einfachen Situation! Als eine Frau mit 37 Jahren ist es natürlich und auch gut verständlich, dass Sie die Erfüllung Ihres Kinderwunsches nicht auf unbestimmte Zeit vertagen möchten. Insbesondere, wenn Sie mehrere Kinder möchten, ist es für Sie jetzt eine wirkliche Priorität, sich darum zu kümmern.
Ich kann es verstehen, dass Sie sich zurück gewiesen und alleine gelassen fühlen, weil Ihr Freund jetzt nicht gesprächsbereit ist. Es klingt vielleicht etwas formal, aber zwischen Ihnen beiden bestand zu Anfang der Beziehung etwas wie eine Abmachung. Wenn Ihr Freund Ihnen gleich gesagt hätte, dass er keine Kinder will, hätten Sie sich möglicherweise nicht so auf ihn eingelassen oder von Anfang an keine Beziehung mit ihm gewollt. Er hat Ihnen aber klar gesagt, dass er Kinder möchte- und ich gehe jetzt mal davon aus, dass bei einer 34-jährigen Frau auch offensichtlich ist, dass man nicht noch 10 Jahre warten kann.
Ihr Freund hat, dies alles wissend, die Vereinbarung zwischen Ihnen nach drei Jahren einseitig gekündigt. Er hat nicht, wie es fairer gewesen wäre, rechtzeitig von sich aus gesagt, dass er seine Einstellung geändert hat und Sie gefragt, ob Sie damit leben können. Stattdessen hat er erst auf Ihr Nachfragen reagiert, obwohl er weiß, dass es für Sie ein wichtiges Thema ist, und hat kein Verständnis für Ihre Gefühle aufgebracht. Er hat Sie einfach im Regen stehen lassen. Wenn Sie das Thema dann wieder angeschnitten haben, hat er blockiert und Ihnen das Gefühl gegeben, dass Sie die Beziehung oder zumindest die Harmonie gefährden. Darüber hinaus tut er so, als wären Sie es, die den Frieden gefährden, da Sie drängeln und ihn nur als "Deckhengst" benutzen. Im Grunde genommen verleugnet Ihr Freund, dass er Ihnen in puncto Kinderwunsch Hoffnungen gemacht hat und Sie ein Recht haben, nachzufragen. Und je öfter Sie das Thema anspreche, desto mehr weicht Ihr Freund zurück. Sie werden damit mundtot gemacht- und sehr hilflos. Aus meiner Sicht liegt es klar in der Verantwortung Ihres Freundes, mit Ihnen daran zu arbeiten, dass Sie trotz der Unterschiede in Ihrem Kinderwunsch eine gemeinsame Lösung finden (was sehr schwer werden dürfte, da es nur Ja oder Nein gibt).
Ich würde Ihnen deshalb empfehlen, sich aus der Hilflosigkeit zu befreien und in dem Wissen, dass es Ihr gutes Recht ist, erneut das Gespräch mit Ihrem Freund zu suchen. Sagen Sie ihm, wie Sie sich fühlen und fragen Sie ihn, wie er das Thema "Familiengründung" sieht. Wenn Sie keine eindeutige Antwort bekommen, sondern ein weiteres "Nicht Jetzt", bedeutet das ist das mit einem "Nein" gleichzusetzen. Es bringt jedoch nichts, wenn Sie ihm gegenüber auf Ihrem Kinderwunsch beharren. Wenn er, so wie es aussieht, persönliche Gründe hat, die für ihn dagegen sprechen, ist es für ihn wahrscheinlich stimmiger, wenn er keine Kinder bekommt. In den meisten Fällen geht es schief, wenn der Vater im Grunde seines Herzens die Kinder nie wollte - und dann leiden sowohl die Mutter als auch die Kinder unter der Situation.
Wenn Sie Ihren Freund so lieben, dass Sie sich auch ohne Kinder eine Zukunft mit ihm vorstellen können, sollten Sie bei ihm bleiben. Sie zahlen allerdings einen sehr hohen Preis. Ansonsten wäre es jetzt, insbesondere da Ihr Vertrauen beschädigt ist, an der Zeit, Ihre Gefühle zu verarbeiten und sich über Alternativen Gedanken zu machen.
Herzliche Grüße
Julia Peirano

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Julia Peirano

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