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Der geheime Code der Liebe : Ich bin eifersüchtig auf die verstorbene Frau meines Mannes

Liebe Frau Dr. Peirano,

ich schäme mich selbst manchmal dafür, aber ich muss gestehen, dass ich sehr eifersüchtig auf die verstorbene Frau meines Mannes bin. Er ist 45 und seit drei Jahren verwitwet. Seine Frau war Krankenschwester und hat sich das Leben genommen, nachdem ihr die Diagnose Leukämie gestellt wurde. Ihr Tod hat meinen Mann verständlicherweise schwer erschüttert. Ein halbes Jahr später haben wir uns kennen gelernt und wurden ein Paar. Am Anfang hat er mir sehr viel von seiner Frau erzählt, meistens gute Dinge. Ich hatte ein schlechtes Bauchgefühl dabei und dachte oft: "Kann ich ihm jemals so viel bedeuten, wie sie ihm bedeutet hat?" Irgendwann habe ich ihm gesagt, dass ich mir das nicht mehr anhören kann, weil es mich so belastet. Er hat das akzeptiert, aber das Thema ist natürlich immer noch nicht vom Tisch. Ich sehe, dass er oft lange vor dem PC sitzt und Bilder von ihr anschaut, dass er mit seinen Freunden über sie spricht und immer wieder mit mir an Orte fahren möchte, wo er mit ihr oft gewesen ist. Ich weiß nicht, wie ich mich ihm gegenüber verhalten soll. Ich kann ihm ja nicht verbieten, an sie zu denken, aber auf der anderen Seite fühle ich mich selbst sehr ausgeschlossen. Manchmal möchte ich alles hinwerfen.

Ihre Jutta B.

Liebe Jutta B.,

es ist oft schwer, sich Schilderungen von den vergangenen Lieben seines neuen Partners anzuhören, ohne Eifersucht zu empfinden. Meistens jedoch sind die Geschichten über vergangene Lieben erträglich, weil sie zu einem Ende gekommen sind. Man hat sich geliebt, dann tauchten Probleme auf, die nicht zu lösen waren, und letztlich hat man sich getrennt. Im Idealfall hat der Partner sich nach seiner letzten Trennung genug Zeit genommen, um alleine zu sein und die Trennung zu verarbeiten, bevor man selbst als neue Liebe in sein Leben getreten ist.

In Ihrem Fall sieht alles ganz anders aus, viel unordentlicher: Ihr Mann hat sich nicht von seiner Frau getrennt, weil die beiden Probleme miteinander hatten. Die beiden waren mitten in einer glücklichen Beziehung, bis die Frau schwer und unheilbar erkrankte und sich dann das Leben nahm (hat sie ihn eigentlich vorher eingeweiht oder traf es ihn unerwartet?). Ihr Partner muss mit dem großen Verlust seiner Frau und auch seiner Lebensperspektive erst einmal klar kommen. Sein ganzes Leben ist aus den Fugen geraten. Witwer brauchen dazu viel Zeit, aus meiner Erfahrung dauert dieser Prozess mindestens zwei Jahre. Nun sind Sie mitten in dieser Trauer- und Umorientierungsphase als neue Liebe in sein Leben getreten. Das muss für Ihren Mann extrem verwirrend gewesen sein, gleichzeitig verliebt zu sein und zu trauern. Ich kann sehr gut verstehen, dass Sie selbst sich dagegen gewehrt haben, ihren Mann in seiner Trauer zu begleiten und statt dessen sinngemäß gesagt haben: "Das gehört nicht in unsere neue Liebe- bitte besprich das nicht mit mir."

Es wäre sehr hilfreich, wenn Sie Ihrem Partner genügend Raum und Zeit zugestehen könnten, um ausführlich um seine Frau zu trauern, damit er irgendwann ganz frei für Sie ist. Sicher ist es schmerzhaft, wenn Sie ihn vor den Fotos seiner Frau sehen, aber das gehört zu seinem Trauerprozess dazu. Sie könnten sich etwas besser fühlen, wenn Sie selbst Tagebuch schreiben, laufen gehen oder etwas Kreatives tun (malen, musizieren), wenn Sie eifersüchtig sind. Ihre Eifersucht kann ich gut verstehen, denn Ihr Partner hebt anscheinend in seiner Trauer die guten Eigenschaften seiner Frau hervor. Sie selbst haben nicht mehr die Möglichkeit, diese Frau kennen zu lernen und sich einen eigenen Eindruck zu verschaffen. Die neuen Partner von geschiedenen Menschen haben es da leichter: Sie erleben die alltäglichen und wiederkehrenden Konflikte mit dem oder der Ex hautnah mit und können sehen, wie Ihr neuer Partner auf den oder die Ex reagiert ( distanziert, genervt, aggressiv...). Das bleibt Ihnen leider verwehrt, und Ihre Fantasie spielt möglicherweise mit und erschafft ein überhöhtes Bild von seiner Frau, das Ihnen im Vergleich weh tut. Und da sind wir bei einem wichtigen Thema: Versuchen Sie, nicht zu vergleichen. Dazu gehört, dass Sie mit Ihrem Partner nicht an Orte fahren, an denen er bereits mit seiner Frau war, sondern eher mit ihm neue Orte entdecken. Und wenn Sie sich innerlich mit seiner Frau vergleichen, setzen Sie sich ein deutliches Stopp. Die Vergleiche schaffen nur Leid, und Sie können die Realität niemals überprüfen.

Geben Sie sich und Ihrem Mann Zeit, um mit dieser Situation umgehen zu lernen. In diesem Fall haben Sie gute Aussicht darauf, dass die Zeit alle Wunden heilt.

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