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Der geheime Code der Liebe : Im Testament meines Mannes gehe ich leer aus

Liebe Frau Doktor !
Bei mir haben sich in den letzten 4 Monaten verschiedene Dinge ereignet, die mich stark beschäftigen und krank machen.
Urlaub im Oktober, alles in Ordnung, im November eine lang geplante Knie-OP bei meinem Mann, Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht.
In einem Umschlag zeigt er mir sein Testament.

Ich frage:Was steht drin?
Antwort:Das geht dich nichts an.
Ich:das geht mich wohl was an.
Er:Du wirst schon nicht zu kurz kommen.
Ende,ich völlig fassungslos
Es ist jeweils unsere 2.Ehe, 24 Jahre zusammen,14 Jahre verheiratet.
Nach der OP wird während der Reha Blasenkrebs festgestellt, 3 OP folgen.
Er spricht mit mir nicht über sein Verhalten, erklärt nichts.
Dann geht es nicht mehr, ich verlange im Januar endlich Auskunft,im Testament ,das er endlich aufmacht, komme ich nicht einmal vor.
Was für ein Schlag für mich.Ich komme nicht vor, darf ihm helfen und ihn pflegen, ihm beistehen und er?
Mehrere harte Diskussionen und meine Entscheidung....ich lasse mich scheiden.
Er entschuldigt sich,kümmert sich,aber die Gründe für sein Verhalten nennt er nicht.
Neues Testament ist gemacht.Der Druck auf mich ist enorm, ich habe mir professionelle
Hilfe gesucht.Kann ich einen solchen Vertrauensbruch überwinden?
Wie ist Ihre Ansicht?

Mit freundlichen Grüßen
Christina M.

Liebe Christina M.,

das ist wirklich ein Vertrauensbruch! Sie haben Ihren Mann ja mehrmals klar und deutlich nach dem Testament gefragt und er hat Sie in dem Glauben gelassen, dass Sie darin bedacht würden (was nach 24 Jahren Beziehung und 14 Jahren Ehe ja auch selbstverständlich ist). Sie haben mehrmals nachgehakt, bis Sie schließlich die ernüchternde Wahrheit erfahren haben- und selbst dann gab es noch harte Diskussionen mit Ihrem Mann.

Ich finde es richtig, dass Sie nach diesem Vertrauensbruch erst einmal innehalten und sich professionelle Hilfe gesucht haben- denn das zeigt, dass Sie sich noch nicht entschieden haben. Eine Seite in Ihnen möchte alles hinwerfen, da Sie nicht daran glauben, dass so ein Vertrauensbruch jemals heilen kann. Aber die andere Seite hält noch an der Ehe mit Ihrem Mann fest und versucht, diesen Vertrauensbruch zu überwinden. Das hört sich für mich sehr gut an, dass Sie in sich gehen und nach einer Antwort suchen. Es steht viel auf dem Spiel: Es kann nicht nur eine Beziehung, sondern auch Sie wirklich krank machen, wenn Sie sich auf Dauer mit etwas herum schleppen, was Sie nicht verzeihen können. Genauso schlimm wäre es aber auch, sich vorzeitig von einem Menschen zu trennen, mit dem man verwachsen ist.

Ob man einen Vertrauensbruch verzeihen kann oder nicht ist eine sehr persönliche Angelegenheit, bei der es vor allem darauf ankommt, dass man ehrlich zu sich selbst und zueinander ist. Sie alleine legen fest, was Sie verzeihen können und was nicht. Wenn Sie herausfinden möchten, ob Sie das Verhalten Ihres Mannes verzeihen können, spielen mehrere Dinge eine Rolle:

Ist es das erste Mal in Ihrer gemeinsamen Geschichte, dass Ihr Mann in dieser Form unehrlich und unverantwortlich mit Ihnen umgegangen ist oder ist so etwas schon häufiger vorgekommen?

Was genau ist der Grund dafür, dass Ihr Mann sich diesmal (oder auch schon früher) so verhalten hat? Aus meiner Sicht ist es extrem wichtig, dass Sie seine Beweggründe und Denkmuster verstehen und nachvollziehen können. Ihr Mann scheint mit Ihnen nicht darüber sprechen zu wollen- ich denke jedoch, dass das der einzige Weg wäre, Ihnen klar und unverblümt zu erzählen, was ihn zu diesem ersten Testament und dem ganzen Lügengebilde bewogen hat. Sie könnten ihm vorschlagen, dazu mit zu Ihrer professionellen Hilfe zu kommen, vielleicht fällt es ihm dort leichter, darüber zu sprechen.

Wen hat Ihr Mann eigentlich in seinem ersten Testamentsentwurf begüngstigt? Gibt es Menschen, die er bevorzugt (Kinder aus erster Ehe zum Beispiel?). Darüber müssten Sie unbedingt sprechen.

Erst wenn Sie wirklich verstanden haben, was Ihren Mann getrieben hat, können Sie entscheiden, ob Sie ihm verzeihen wollen und können. Dabei spielt es eine große Rolle, ob Sie glauben, dass er seinen Fehler eingesehen hat und nicht wieder so handeln würde- ob in dieser oder einer ähnlichen Situation, wo es auf seine Loyalität ankommt. Erst wenn Sie glauben, dass er aus seinem Fehler gelernt hat und es ihm wirklich leid tut, lässt sich mit einigem Bemühen wieder ein fundiertes Vertrauen aufbauen.

Ich wünsche Ihnen viel Kraft auf Ihrem Weg

Herzliche Grüße

Julia Peirano

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.