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Bremen: Zehnjähriger soll vier Jahre die Schule geschwänzt haben – und niemand merkte etwas

Immer mehr Eltern achten nicht darauf, dass ihre Kinder in die Schule gehen. Die Schulbehörde ist oft zu schlecht besetzt, um dem nachzugehen. Aus Bremen ist nun ein besonders extremer Fall von Schulschwänzen bekanntgeworden.

Ein Junge mit Schulranzen auf dem Rücken

Schuleschwänzen kann bis zu 1000 Euro kosten (Symbolbild)

Getty Images

Dass Jungen und Mädchen ab und zu keine Lust auf Schule haben, kommt mitunter vor. Dass sie dann auch mal zu Hause bleiben oder sich woanders rumtreiben als in den Unterricht zu gehen, passiert ebenfalls. In einigen Familien achten auch die Eltern nicht genügend darauf, ob Kinder ihrer Schulpflicht Genüge tun.

Ein Fall, von dem der "Weserkurier" berichtet, offenbart aber ganz andere Dimensionen. In Bremen soll ein zehnjähriger Junge vier Jahre lang nicht in die Schule gegangen sein – und niemandem sei sein Fehlen aufgefallen. Die Eltern hatten den Jungen anscheinend nie angemeldet, so dass dieser in seinem ganzen Leben noch keine Schule besucht habe.

Laut des Berichts habe die Familie abwechselnd in Deutschland und im Ausland gelebt. Ein weiterer Grund, warum das Schuleschwänzen in diesem Fall so lange unbeachtet blieb, ist aber struktureller Art: Es gibt zu wenige Mitarbeiter in den zuständigen Behörden, die darauf achten, dass die Schulpflicht eingehalten wird. Im Fall des Zehnjährigen sei die entsprechende Stelle lange gar nicht besetzt gewesen – andere Mitarbeiter hätten Bußgeldbescheide für Eltern, deren Kinder nicht in die Schule gehen, "nebenbei" erledigen müssen.

Strafen zwischen 500 und 1000 Euro für Schulschwänzer

In Deutschland gilt die Schulpflicht bis zum 16. Lebensjahr und kann auch polizeilich durchgesetzt werden. Wenn das Kind nicht zur Schule geht und auch die Eltern nicht aktiv werden, wird der Vorfall der Schulbehörde gemeldet, die dann Strafen zwischen 500 und 1000 Euro verhängen kann. In Bremen mussten im vergangenen Schuljahr 124 Eltern ein solches Bußgeld bezahlen.

Dass die Stellen in der Behörde sowie in der vorgeschalteten Sozialarbeit, deren Mitarbeiter sich an den Schulen und in den Brennpunkten engagieren, gut besetzt sind, wird umso wichtiger, da immer mehr Eltern ihre Kinder entweder nicht zum Unterricht anmelden oder diese nicht mit genügend Nachdruck in die Schule schicken. In der Hansestadt Bremen soll nun verstärkt an dem Problem gearbeitet werden – auch als Lehre aus dem plakativen Fall des zehnjährigen Schulverweigerers. Denn schließlich handelt es sich dabei auch um eine gesellschaftliche Verantwortung, wie Stefanie Höfer vom regionalen Beratungszentrum Bremen-West "Radio Bremen" sagte: "Es gibt Zahlen, dass jeder Schulmeider, der nicht wieder zurück in Schule und in die Gesellschaft eingebunden werden kann, ungefähr zehn Mal mehr kostet als im Vorfeld."

Quellen: WeserkurierRadio Bremen

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