Daddylicious „Ihr habt Spaß, wir den Alltag?“ Pah…

Daddylicious: „Ihr habt Spaß, wir den Alltag?“ Pah…
Kai Bösel von Daddylicious räumt mit der romantisch verklärten Idee von Frau Weh auf: Von wegen Väter sind immer ganz locker! Der Blogger-Battle geht in die nächste Runde.

Ojemine Frau Weh,

da hast Du ja aber mal mit Deinem Beitrag über Penisneid & Vorzeigedaddys ein echt brodelndes Fass aufgemacht. Du bist neidisch auf Väter, weil sie starke Arme haben und stets Lässigkeit ausstrahlen? Dann hast Du wahrscheinlich einen Werbespot gesehen. Oder vielleicht diesen einen Papa getroffen. Den Papa, der nach der 40-Stunden-Woche gutgelaunt nach Hause radelt, den Anzug mit Smartphone in die Ecke pfeffert, sich trällernd an den Herd stellt und ein leckeres, gesundes Abendessen für Frau und Kinder kocht bevor er anschließend Türme baut, Bücher liest und nach dem rituellen Zähneputzen die Milch gibt und dabei Schlaflieder summt. Und den Tag bei einer Sundowner-Joggingtour abschließt, bei der er den Hund vor sich hertreibt. Ist das der Vater von heute? Ich weiss ja nicht...

Klar machen wir Männer intensiv auf Familie. Denn spätestens seit der Geburt des eigenen Kindes gibt es - zumindest für mich - keine schöneren Momente als die mit meiner Tochter. Nicht mehr ständig vorausschauen, nicht mehr planen, nicht mehr irgendwas hinterherlaufen, nicht mehr auf etwas hinarbeiten. Sondern das "Hier und Jetzt" genießen. Sich über den Moment freuen. Und die vielen kleinen und besonderen Dinge bemerken, an denen wir früher unbemerkt vorbeigelaufen sind. Unsere Arme sind vielleicht stärker und wir können die Kinder höher werfen - und wieder auffangen. Aber ist das Grund genug, neidisch auf uns in unserer Rolle als Vater zu sein?

In der Gunst der Kleinen habt Ihr einen fast uneinholbaren Vorsprung. An den erinnert uns übrigens der Nachwuchs auch gern gelegentlich. Zum Beispiel, wenn nur Mami trösten kann. Da stehen die kleinen Stöpsel weinend und schnoddernd im Spielzeughaufen und haben sich zum Beispiel einen 6er Lego-Stein in den Fuß getreten. Aber Papis offenen Arme scheinen den Ausfluss eher noch zu verstärken. Mami muss es dann sein. Zurück bleibt ein sich fragender Vater, wie sowas kommt. Hab ich nicht die Nabelschnur durchgeschnitten, den Maxi Cosi von der Klinik zum Auto getragen, die meisten Kilometer mit Kinderwagen zurückgelegt, jede zweite Windel gewechselt und jede Nacht zum Einschlafen "You'll never walk alone" gesungen? Ja, hab ich. Echt jetzt. Hab ich und mach ich immer noch. Aber das schützt uns Väter nicht vor diesem Moment. Und darum beneide ich Euch. Denn nur wenige von Euch erleben diese zum Glück nur phasenweise Ablehnung.

Daddylicious: „Ihr habt Spaß, wir den Alltag?“ Pah…

Dreck können wir machen und auch ganz gut ignorieren, das stimmt. Und Multitasking liegt uns nicht in den Genen, auch da hast Du Recht. Aber sind wir wirklich immer so locker? Um sich beim Muttertier nicht gleich nach der Geburt komplett unbeliebt zu machen, müssen wir ein paar Dinge ziemlich schnell lernen. Das erfordert Konzentration und lässt keinen Platz für Nachlässigkeiten: den richtigen Mix beim Ansetzen der Flasche, das nächtliche Aufspringen bei Geräuschen im Babybett, die korrekte Temperatur vom Mittagessen, den der Außentemperatur angemessenen Klamottenmix - und bitte die Kleinen immer mit beiden Händen halten, verdammt. "Du weisst, der Kopf kann"... "ja, weiss ich"... "und warum machst Du das dann nicht??" Wir sollten uns schnell angewöhnen, alles zu können und nicht immer nachzufragen. Sonst denkt die Mama noch, sie hat noch ein zweites Kind. Und dabei will sie doch Ent- statt Belastung. Also informiert Euch, Daddies. Gibt ja extra Seiten für Väter...

Es braucht durchaus etwas Feinabstimmung, bis die Maschine "Familie" geschmeidig läuft. Das ist eine Herausforderung. Zum Glück eine, die wir gern annehmen, denn dieses für uns plötzlich neue Modell hat, wenn man sich bewusst dafür entschieden hat, so viele schöne Facetten, dass man sich allen Aufgaben gern stellt. Aber so richtig locker, entspannt und immer gut gelaunt sind die wenigsten Kerle. So das Ergebnis MEINER persönlichen Umfrage. Und wo Du schon den "Penisneid" ansprichst. Männer denken häufiger an Sex als Frauen. Das ist erwiesen. Und das ändert sich auch nicht nach der Geburt. Wir finden Euch Frauen auch weiterhin heiß. Das meist auf die Geburt folgende Tal der Tränen kann also auch mal für Frust sorgen, wird aber schweigend mit einer ebensolchen im Knopfloch durchschritten. Denn Ihr habt uns ja dieses wahnsinnig große Geschenk gemacht, für das wir Euch ewig dankbar sind.

Und dann muss ich ja doch mal ne Lanze brechen für meine Artgenossen: auf unserem letzten KiTa-Nachmittag waren recht viele Kerle dabei. Und die haben sich nicht separiert, sondern mit den Müttern vermischt und einen tollen Nachmittag gehabt. Daher versuche ich diese Termine eigentlich immer wahrzunehmen. An den Eltern lässt sich ja auch ganz gut ablesen, mit was für Spielkameraden unsere Kleine zu tun hat.

Wir müssen nicht nach Unterschieden suchen, denn wir sind nun mal nicht gleich. Nicht von der Optik, nicht von der Einstellung und auch sonst nicht. Aber wie wir schon beschrieben haben, ist das auch gut so. Mach Dir also nicht zu viele Gedanken. Es darf alles bleiben wie es ist...

Liebe Grüße zurück, Frau Weh
Kai


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