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Daddylicious: Auf das Ihr mehr singet und musizieret, Väter!

Im Zeitalter der Digitalisierung, in dem aus allen Ecken Musik dröhnt, musizieren Eltern nicht mehr genug mit ihren Kindern, sagt Kai Bösel. Er wendet sich mit einem Aufruf an die Väter.

It’s a long way to the top if you wanna rock’n’roll. So heißt es in einem meiner Lieblingslieder von AC/DC. Damit meinten sie im Jahr 1975 wahrscheinlich, dass der Weg zu Ruhm und Ehre verdammt steinig ist. Und das gilt sicherlich nicht nur für die Karriere im Musik-Business. Ich nehme mir heute aber trotzdem speziell das Thema „Musik“ vor, denn ich vermute, dass viele von Euch ihre Kinder zu wenig an Gesang und Musikinstrumente heranführen. Versteht das nicht falsch: es geht nicht darum, ein neues DSDS-Opfer heranzuzüchten. Es geht darum, Eurem Kind den Spaß am Musizieren näherzubringen und damit gleich noch die Entwicklung zu fördern.

Es scheint jedoch, dass im digitalen Zeitalter immer weniger selbst musiziert wird. Vielleicht liegt das daran, dass Fremdbeschallung allgegenwärtig ist. Morgens beim Duschen aus dem Radio, im Kinderzimmer aus dem ersten CD-Player, im Auto dann über’s Handy. Und abends vielleicht noch ne Runde fernsehen. Ihr solltet die so wichtige musikalische Früherziehung aber auf keinen Fall nur der KiTa – oder der Oma – überlassen. Die habt Ihr bestimmt schon mal alte Weisen schmettern hören, während sie mit eurem Kind auf dem Teppich tobt. Überwindet Euch und singt auch selbst aus voller Brust.

Ich musste mich da auch dran gewöhnen. Seit der Geburt meiner Tochter singe ich Ihr abends zwei Lieder zum Einschlafen vor. Die Fußball-Hymne „You’ll never walk alone“, die ich insbesondere mit den Kiezkickern von St. Pauli in Verbindung bringe und den Song „Eulogy“ von Frank Turner. Allerdings habe ich früher immer sehr penibel drauf geachtet, das Babyphone vorher abzuschalten, denn ich wollte vermeiden, dass sich meine Frau im anderen Zimmer vor Lachen nicht mehr einkriegt. Es hat gedauert, bis ich mutiger wurde. Heute singe ich Ihr „Der Kuckuck und der Esel“ auch direkt ins Ohr, wenn es sein muss. Die Wiener Sängerknaben werden sich nicht bei mir melden, aber meine Kleine hat ihren Spaß und stimmt immer sofort mit ein.

Töne und Melodien heben nachweislich die Laune, sind Balsam für die Seele und fördern sogar die Kreativität. Denn es ist schon spannend zuzugucken, wenn die Kleinen einer Mundharmonika, Flöte oder einem Glockenspiel die ersten Töne entlocken. Und nicht zuletzt wird das Gehirn ebenfalls gefördert, denn ihr werdet überrascht sein, wie schnell Kleinkinder komplette Strophen auswendig lernen. Wir können euch aber gleich beruhigen: das muss alles noch gar nicht harmonisch sein oder engelsgleich dahingesäuselt werden. Wichtig ist, dass euer Kind sich mit Musik auseinandersetzt und Spaß daran findet. Punkt.

Ihr solltet also schon eine Handvoll Kinder- und Gute-Nacht-Lieder auf der Pfanne haben und die auch gern immer wieder mal anstimmen. Oder in einem abendlichen Ritual damit noch die bösen Hausgeister unter dem Bett vertreiben. Später dürfen dann gern Musikinstrumente dazukommen. Aber bloß keine batteriebetriebene Orgel oder Guitar Hero an der PS3. Es reicht eine Trommel, eine Rassel oder eine Triangel. Sorgt einfach dafür, dass Eure Kinder von klein auf an am besten täglich mit hausgemachter Musik in Berührung kommen. Vielleicht landen sie dann später sogar bei "Voice of Germany". Oder sie zünden Gitarren auf der Bühne an. Auf jeden Fall haben sie eine Portion Musik im Blut. Und das kann nicht verkehrt sein. Rock on!

Fotos: oben © Slaweek (Fotolia) // unten © koi88 (Fotolia)

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