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Daddylicious Der frühe Vogel hat bestimmt kein Kind

Daddylicious: Der frühe Vogel hat bestimmt kein Kind

Ich gebe es zu: Ich bin absolut kein Frühaufsteher. Ich hasse es, wenn der Wecker vor neun Uhr klingelt. Naja, eigentlich kann ich es gar nicht hassen, denn ich höre ihn nicht. Das war schon zu Schulzeiten so. Jedes Jahr Weihnachten bekam ich einen anderen Wecker, weil keiner seinen Zweck erfüllte.
Batterie mit Glocke, Radio, Lichteffekte, Zeitschaltuhr an der Anlage mit Billy Idol und „Blue Highway“… es hat alles nix gebracht. Ich war fast immer zu spät zur ersten Stunde. Dabei musste ich mich damals nur um mich allein kümmern. Heute muss morgens die ganze Familie in Wallung kommen. Der große Sohn verlässt pünktlich als Erster das Haus. Bleiben noch meine Frau, meine Tochter (3) und ich. Das kann eigentlich nicht so schwer sein, oder?

Die letzten Stunden der Nacht verbringen wir meist zu dritt auf den 140x200cm. Insofern beginnt der Tag meist mit der großen Freude, in die verschlafenen Augen meiner kleinen Tochter zu gucken, von ihr umarmt zu werden und dabei diesen unvergleichlichen Geruch von Schlaf und Spucke in die Nase zu bekommen. Aber das war es dann auch mit der morgendlichen Herrlichkeit. Während meine Frau im Bad verschwindet, ist mein erstes Projekt das Frühstück mit der Kleinen. Die ersten Minuten vergehen mit der spannenden Frage: Müsli, Brot oder Joghurt? Einfach nur irgendwas hinstellen ist schon lange nicht mehr drin.

Heute soll es Müsli geben. Also die Schüssel auf den Tisch, dazu das Müsli und einen Löffel. Aber nicht irgendeinen. Es MUSS der gelbe Plastiklöffel sein. Der ist in der Spülmaschine. Schnell abwaschen, weiter geht’s. Milch ist alle, Tochter bleibt am Tisch sitzen und Papa düst Richtung Keller. Mit Milch wieder angekommen, ist ein bisschen Müsli in der Schüssel, der größere Teil liegt außenrum. Wir haben uns frühzeitig abgewöhnt, uns über sowas aufzuregen. Man kriegt alles mit einem nassen Lappen wieder weg. Auch morgens um kurz nach sieben. Die Kleine hat beim Frühstück die Ruhe weg und erzählt wilde Geschichten. Zeitgefühl entwickelt sich offensichtlich später.

Meine Frau und ich organisieren uns am Morgen um unsere Tochter herum, damit sie zu Potte kommt. Ansonsten wären wir wohl erst mittags in der KiTa. Sie möchte sich mit gerade drei Jahren schon komplett allein anziehen. Aber zuerst muss der Tagesdress von ihr zusammengestellt werden. Rosa rulez. Wir greifen nur ein, wenn Klamotten falsch herum angezogen werden. Socken will sie gar nicht anziehen, denn sie hasst Socken. Mit irgendwas kriegen wir sie überredet. Alles sitzt. Dann fällt ihr ein, dass sie noch „Kacki“ muss. Also alle Klamotten wieder runter und aufs Töpfchen. Am liebsten mit Buch. Von wem hat sie das bloß?
Die nächsten zehn Minuten vergehen, bis auch das Geschäft erledigt ist. Danach sind wir langsam abreisebereit. Schal, Mütze und Jacke macht sie wieder selbst. Gummistiefel auch, einmal falschrum. Draußen auf der Straße flitzt sie ums Auto und weigert sich, in den Kindersitz gesetzt zu werden. Aber auch das klappt irgendwann.

Daddylicious: Der frühe Vogel hat bestimmt kein Kind

Wir sind mal wieder in Eile, der Morgenkreis in der KiTa startet in Kürze, Papa kommt etwas zu spät zur Arbeit und irgendwie ist man morgens kurz vor neun schon gestresst. Das Prozedere hat gut 80 Minuten gedauert. Aber ganz ehrlich, ich möchte nicht eine Sekunde davon missen. So ist das mit Familie. Da ist nichts mehr mit schnellschnell. Und wenn mir die Kleine an der U-Bahn-Station aus dem Seitenfenster nach dem Abschiedskuss hinterherwinkt, vermiss ich sie schon wieder und freue mich auf den Abend.

Der frühe Vogel ist aber trotzdem nicht meiner …



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