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Daddylicious Eddie ist harmlos, liebe Mama aus Kreuzberg!

Daddylicious: Eddie ist harmlos, liebe Mama aus Kreuzberg!
Weil sie die auf einem Plakat abgebildete Fratze für Kinder als unpassend empfindet, hat eine Mutter in Berlin sie kurzerhand überklebt. Lächerlich findet das Mark Bourichter und fragt sich, ob wir momentan nicht dringendere Probleme haben.

Liebe Mama aus Kreuzberg,

das ist aber auch ärgerlich mit dieser Fratze unter dem Fahrradhelm. Erst haben wir die Krise mit den Griechen, die ihr Land an die Wand gewirtschaftet haben, dann dieser Flüchtlingsstrom zu Lande und zu Wasser und jetzt guckst Du morgens in die "Schmiege" von Eddie, der mal wieder mies gelaunt das neue Album einer Band ankündigt, die Deines Erachtens nur "Terror" unter den Kids verbreitet. In was für einer Welt leben wir eigentlich? Und wie sollst Du bloß Deine Kinder vor all dem teuflischen Zeugs bewahren? Getreu nach dem Gusto: "Wir sind doch die Rama-Familie (natürlich Bio, versteht sich)! Bei uns ist die Kinderwurst von nachweislich glücklichen Schweinen von vor den Toren Berlins." Oder gibt es schon Tofu als Ersatz? Na ja, jeder isst die Wurst so wie er meint. Ist ja ein freies Land.

Gibt es aktuell nicht zahlreiche Möglichkeiten, seine Zeit in andere, nicht so sinnentleerte Aktivitäten zu investieren? In den zwei Stunden Plakat malen und aufhängen hätte man doch bestimmt etwas "bewegen" können, oder? Oder ist das bei Dir vielleicht kein Einzelfall? Werden beispielsweise die "Mach´s mit"-Plakate der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auch überklebt? Lesen können die Kinder ja schon in der Grundschule. Was wäre, wenn der ertrunkene Junge am Strand auf einem Plakat zu sehen wäre? Auch überkleben? Um danach ganz beruhigt wieder die H&M, Primark oder KiK-Klamotten der Kinder zusammenzulegen? Schon mal überlegt, warum die Teile so günstig sind? Das sind wirkliche Probleme und nicht ein Plakat mit Eddie im Viertel!

Ja, ich übertreibe und ich weiß auch gar nicht, was in Deinem Kühlschrank liegt oder was aus eurem Kondenstrockner für Wäsche geholt wird. Aber ich bekomme aufsteigende Hitze, wenn ich gerade in der aktuellen Zeit so einen Scheiß lesen muss. Wenn Fiktion die eigene Komfortzone bedroht und ein Bild einer Metal-Band den "Mutterinstinkt" auf den Plan ruft, der doch sinnloser nicht eingesetzt werden kann. Schon mal den Film "Die Chroniken von Narnia" geguckt? Ist für Kinder von sechs bis zehn Jahren und darin sind weitaus schlimmere Fratzen zu sehen. Und die Frage ist ja auch: "Warum hat das Bild dort nichts zu suchen?" Wegen der "teuflischen" Musik der Band? Dieses furchtbare Heavy-Metal, dass weltweit Hunderttausende oder gar Millionen von Menschen hören? Dieses Genre, dass bekannt ist für die ausufernden Festivals weltweit, auf denen es so gut wie gar keine Gewalt und Auseinandersetzungen zwischen Gleichgesinnten gibt?

Daddylicious: Eddie ist harmlos, liebe Mama aus Kreuzberg!

Oder weil die Band Iron Maiden Teile ihrer Gage für Flüchtlingsopfer in Serbien spendet oder die Band ein Teil der "Teenage Cancer Trust" ist, um Krebs bei Kindern und Jugendlichen zu bekämpfen? Hätten Sie nicht sagen können: "Ja, das ist zwar abscheulich, aber ich hab mich mal informiert, [...] Und wir haben aktuell wichtigere Probleme in der Gesellschaft, als diese fiktive Fratze im Viertel." Die Frage ist ja auch noch, wem sie die Antwort geben müssten. Dem Vater war es doch sicherlich ziemlich egal oder im besten Fall hat er schon eine Bestellung aufgegeben.

Jetzt geben Sie mit dieser "Aktion" die Steilvorlage für Medien, sich diesem durchweg lächerlichen Thema zu widmen. Nach dem Gusto: "Endlich mal wieder etwas aus der Mitte der Gesellschaft". Danke! Anstatt den Arsch hochzukriegen und für die Menschen etwas zu tun, die es wirklich nötig haben. Ich gehe mal davon aus, dass Ihre Kinder da ganz hinten auf der Liste stehen.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie bald wieder eine Anzeige vor der Nase haben, die Ihnen wirklich hilft. "Guck mal Schatz, der Wagen wäre doch etwas für uns!"

Mit den besten Grüßen ins bemitleidenswerte Kreuzberg!
Mark Bourichter

Bild: Dorothea Köhler, Bildquelle: www.tagesspiegel.de


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