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Daddylicious: Fack ju, Ver.di!

Wir leben in einem freien Land. Jeder kann selbst Entscheidungen in Bezug auf die eigene Person treffen. Zum Beispiel über den Beruf, für den man sich ausbilden lässt und mit dem man später seine Brötchen verdient. Dabei ist oft, insbesondere bei nach Tarif bezahlten Berufsgruppen, auch bereits zu Beginn der beruflichen Laufbahn klar, welches Gehalt es für die Tätigkeit zu erwarten gibt.

Sicherlich kann es im Laufe des Berufslebens zu Veränderungen der Jobbedingungen kommen, durch die das festgelegte Gehalt hinterfragt werden muss. So eine Situation rechtfertigt in Einzelfällen auch einen Streik. Wenn die Piloten nicht mehr fliegen, warum auch immer, dann fügen sie neben den vielen gestrandeten Passagieren auch ihren Arbeitgebern erheblichen finanziellen Schaden zu. Daher führt so ein Streik meist zu einer recht schnellen Einigung. Was derzeit aber in den Kitas passiert, ist auf der einen Seite nur bedingt nachvollziehbar und wird auf der anderen Seite ausschließlich auf dem Rücken der Eltern und deren Kindern ausgetragen. Und das ist mittlerweile eine echte Frechheit.

Bei vielen Elternpaaren sind beide berufstätig und daher auf die Kinderbetreuung der Einrichtungen angewiesen. Ein einzelner Tag Ausfall lässt sich irgendwie organisieren. Davon gibt es ja sowieso schon eine Handvoll durch Studientage und Betriebsversammlungen. Das ist auch in Ordnung. Und ich kann auch verstehen, dass Themen wie die Aufwertung von Sozial- und Erziehungsberufen sowie miese Betreuungsschlüssel in Kitas zu Ärger auf Seiten des Personals führen. In dem aktuellen Fall scheint es aber wenig Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten zu geben.

Daraus ergeben sich auf Seiten der Eltern zum Teil unzumutbare organisatorische Herausforderungen. Ein Kind kurzfristig zwei Wochen am Stück zu betreuen, wenn nicht gerade Freunde und Großeltern einspringen, ist bei berufstätigen Paaren quasi unmöglich. Wenn der Arbeitgeber keinen Spontanurlaub genehmigt, dann sieht es finster aus. Eine Notbetreuung wird nicht flächendeckend angeboten und andere Alternativen stehen kaum zur Wahl. Das Verständnis für den Streik schwindet mit jedem Tag.

Grundsätzlich sollten Erzieher mehr Geld verdienen. Meinetwegen. Aber dann sollte auch ein Druckmittel eingesetzt werden, welches den kommunalen Arbeitgeberverband VKA als den, der über Tarife entscheidet, empfindlich trifft. Dieser Streik führt nicht dort zu einem Schaden, wo die Angebote an die Gewerkschaften formuliert werden sollten, sondern ausschließlich bei den Eltern und den Kindern. Und was ist mit ver.di und Co? Die gewinnen sogar noch neue Mitglieder. Denn Erzieher, die nicht in der Gewerkschaft Mitglied sind, erhalten auch kein Streikgeld, sondern legen die Arbeit auf eigene Kosten nieder. Insofern treten immer mehr Erzieher den Gewerkschaften bei, was wohl eher auf die eigene finanzielle Absicherung zielt und nicht unbedingt mit der Überzeugung zu tun hat. Das wiederum stärkt den Verein um Gewerkschaftsboss Frank Bsirske.

Und welche Möglichkeiten haben die Eltern? Keine. Es gibt keine Entschädigung für zusätzliche Betreuungskosten, für berufliche Schwierigkeiten oder für kurzfristig genommenen Urlaub. Einen Hebel, den Streik schnell zu beenden, haben die Eltern ebenfalls nicht.

Also, ihr lieben Leute von Ver.di und der VKA und ihr lieben trillerpfeifenden Erzieher: Strengt euch mal ein bisschen an und sorgt für eine schnelle Einigung, mit der alle Seiten leben können. Vielleicht auch als gestaffelte Lösung. Denn wenn nun Gehaltserhöhungen im zweistelligen Prozentbereich verhandelt werden, dann wird es parallel sicherlich nicht auch noch einen besseren Betreuungsschlüssel geben. Und dafür geht dann nächstes Jahr der nächste Streik los, weil das ja alles viel zu anstrengend ist mit zu wenig Personal?

Aktuell verbreitet sich das Gerücht, der Kita-Streik könne unbefristet weitergehen und sogar bis zu den Sommerferien andauern. Tut uns bitte den Gefallen und nehmt bald die Arbeit wieder auf, denn so kann es nicht mehr lange weitergehen. Danke!

Fotos: © DADDYlicious

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