HOME

Daddylicious: Hilfe, mein Kind ist ein AK*…

Als sein Kind zum ersten Mal in die Kita ging, hätte Kai Bösel ihm am liebsten eine Ritterrüstung angelegt. Ein Jahr später stellt er fest, dass es nicht mehr einsteckt, sondern austeilt.

Viele von Euch werden es kennen: wenn Ihr Euer Kind zum ersten Mal in eine KiTa bringt, dann tut Ihr das mit gemischten Gefühlen. Es ist ein erster Abnabelungsprozess, denn von nun an kümmern sich auch Erzieher um das Wohl Eurer Kids. Darin seht Ihr aber gar nicht so große Gefahren. Vielmehr sind es die anderen kleinen Zwerge, denen Ihr nicht so recht über den Weg traut.

Drehen wir das Rad aber noch ein ganzes Stück weiter zurück. In eine Zeit, in der Ihr selbst noch gar keine Kinder hattet. Bestimmt sind Euch da Situationen untergekommen, die Euch nur ein müdes Lächeln abringen konnten. Zum Beispiel, wenn die völlig gestresste Mutter Ihren dreijährigen, plärrenden Junior vom Supermarktboden aufgelesen und das schreiende und um sich schlagende Biest direkt zum Parkplatz und in den Kindersitz verfrachtet hat. Oder wenn verzweifelte Eltern versuchen, Ihren Nachwuchs mit "Komm, wir essen Hot Dogs" aus dem Bällebad einer schwedischen Möbelkette zu locken, während der abgekämpfte Krieger es trotzdem noch hinbekommt, einen Ball nach dem nächsten durch die schmale Öffnung in Richtung seiner Erziehungsberechtigten zu pfeffern. Damals dachtet Ihr sicher, wie doof und anstrengend Kinder so sein können. Und nun habt Ihr selbst einen kleinen Sonnenschein. Das aus Eurer Sicht beschützenswerteste Etwas, was es nur gibt.

Nun geht's also in die KiTa. Die Arena der Rotzenasen, Aufsitzfahrzeuge, Sandschmeisser und Krawallsucher. So sehen es zumindest die Eltern. Mein Kind soll da in einem Saal mit 25 anderen Kleinen Mittagsschlaf machen? Pffff. Das kann nicht gutgehen. Und den Teller bis zum Ende aufessen, während die meisten schon wieder spielen gehen? Keine Chance.
Tatsächlich ertappt man sich dabei, sich recht schnell eine Meinung über andere Menschen zu machen. Kinder eingeschlossen. In den Tagen der Eingewöhnung beobachtet Ihr also, wer von den großen, kräftigen und energiegeladenen Dingern Eurem zarten Pflänzchen gefährlich nahe kommt. Am Ende hattet Ihr Euch doch noch dagegen entschieden, Euer Kind für den ersten Tag in der KiTa in eine Ritterrüstung und einen Skate-Helm zu stecken.

Und natürlich dauert es auch gar nicht lang, bis Euer Prinzesschen oder Prinz den ersten Schmiss im Gesicht hat. Oder die erste Bisswunde auf dem Arm. Ihr habt es doch gewusst: andere Kinder sind doof und gemein. Namen der Täter kriegt Ihr nicht raus, denn Euer Kind kann noch nicht petzen und in der KiTa gibt es einen "Code of Conduct". Der lautet: wir dissen keine Kinder aus der Gruppe. Na fein. Die nächsten Monate vergehen, Euer Kind fühlt sich wohl. Ist auf niemanden böse, geht niemandem aus dem Weg. Und geht jeden Tag mehr oder weniger gern in die KiTa. Komisch eigentlich. Und da versteht Ihr zum ersten Mal: ihr könnt schon jetzt von Eurem Kind lernen. Denn die Kleinen sind nicht nachtragend. Auch wenn den einen Tag gezankt und gekloppt wurde, so ist am nächsten Tag wieder alles paletti und es wird gemeinsam ein neues Spiel in Angriff genommen.

Das erste Jahr ist fast rum, alles läuft, als Euch beim Abholen zwei Kinder mit großen Furchen im Gesicht entgegenkommen. Die Tränen mittlerweile getrocknet. Aber noch bevor Ihr Euren Wonneproppen in den Arm schließt, nimmt Euch die Erzieherin zur Seite und erklärt Euch mit ernster Stimme, dass Euer kleiner Terrorkrümel heute kaum zu bändigen war. Und plötzlich ist Euch klar: jetzt ist Euer Stöpsel für die anderen Eltern das AK*. Verdammt. Aber beruhigt Euch. Ihr müsst Euch weder schuldig fühlen noch habt Ihr etwas falsch gemacht. Diese "Schule" gehört dazu und ist für die Entwicklung auch absolut in Ordnung. Wahrscheinlich haben genau diese Eltern Ihr Kind gerade in der Eingewöhnung. Und halten es ab jetzt von Eurem fern. Sagt dann bloß nicht: "...das kenn ich, dass ging mir vor einem Jahr auch so...". Denn sie würden es nicht glauben.

Die meisten Kinder erleben diesen Verlauf. Zuerst wird man geschubst, vom Spielgerät gezogen und wenn keiner guckt, dann landet auch mal eine Hand im kleinen feinen Gesicht. Also werden Gefahrensituationen mit den Großen vermieden. Oder es wird sich gewehrt. Irgendwann kommen dann kleine Küken nach. Und auch die kriegen zuallererst mal angezeigt, wer hier Chef im Ring ist. Das war schon immer so und wird auch immer so sein. Ist überhaupt kein Grund zur Sorge, ein prügelnder Hooligan wird nur aus ganz wenigen. Und das hat dann nichts mit der KiTa zu tun.

Kinder müssen lernen, Problemsituationen zu meistern, insbesondere durch Sozialverhalten. Daher ist jedes Kind mal ein AK*. Sowieso nur aus Sicht anderer Eltern. Aber auch das geht vorbei. Ganz ehrlich...

*Den Begriff AK bekommt Ihr hier im Duden erklärt.

Bilder: oben © Claudia Paulussen - Fotolia.com, Mitte und unten: © DADDYlicious

Wissenscommunity