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Daddylicious: Kindergeburtstag… STILLGESTANDEN!!!

Beim Spielplatzbesuch mit seiner kleinen Tochter gerät Kai Bösel zufällig in einen Kindergeburtstag. Die siebenjährigen Gäste müssen Aufgaben erledigen. Warum machen Eltern sich so viel Stress?

Ein gravierendes Problem am Eltern-sein offenbart sich in vielerlei Gestalt: die frisch-gewordenen Erziehungsberechtigten denken manchmal einfach zu viel nach. Das geht schon vor der Geburt los. Da werden Antworten auf Fragen gesucht, die lauten: wann ist denn bloß der perfekte Zeitpunkt für Nachwuchs? Schaff ich es überhaupt, ein Kind großzuziehen? Schränkt mich die Verantwortung und die neue Lebenssituation nicht zu sehr ein? Ein guter Tipp dazu lautet: nicht so viel nachdenken, sondern einfach mal machen. Nein, nicht leichtfertig. Die Entscheidung für ein Kind muss wohl überlegt sein und sollte nicht aus einer Laune heraus getroffen werden. Aber man kann sich auch in Zweifeln so lange wälzen, bis man plötzlich den vermeintlich besten Zeitpunkt verpasst hat.

Aber das wollte ich eigentlich gar nicht erzählen. Vielmehr begegnet uns auf den zahlreichen Touren über die Hamburger Spielplätze ein weiteres Phänomen, bei dem es Eltern manchmal ruhig einen Tick gelassener angehen sollten: der Kindergeburtstag. Kürzlich war es wieder so weit. Während ich mit meiner kleinen Tochter einen Rutschturm hochkletterte, bemerkten wir kleine Bälle, geformt aus Alufolie, die am Geländer befestigt waren. So ganz konnten wir uns das zuerst nicht erklären. Aber es sah irgendwie geplant aus. Kurz darauf präsentierte sich uns die Lösung. Als sich nämlich eine Horde etwa siebenjähriger Kinder mit einer Horde Erwachsener der "Station Rutschturm" näherte. Mit fast militärischem Ton folgte die Einweisung. "So, jetzt stellen sich mal alle Kinder in einer Reihe hin...". "Ja, auch das Geburtstagskind...". "Jetzt hört doch mal einen Moment zu...". "Ja, Ihr könnt ja gleich hochklettern...". "Ich will Euch doch nur kurz die Aufgabe beschreiben...".

Belustigt stellten wir uns an die Seite und sahen uns das Schauspiel an. Die Aufgabe an der "Station Rutschturm" war der Anzahl der Alu-Bälle nach bereits ein Programmpunkt im zweistelligen Bereich, denn der recht große Spielplatz war gepflastert mit diesen glitzernden Kugeln, die nach Abschluss des jeweiligen Spiels entfernt und an das Siegerteam übergeben wurden. Offensichtlich hatten sich die Eltern in großer Anzahl zusammengetan, um einen tollen, bunten Nachmittag bei bestem Wetter zu organisieren. Dafür wurden dann die verschiedenen Aufgaben zusammengestellt, unterbrochen nur durch Kuchen- und Grillpausen.

Aber aus der Entfernung drängte sich die Frage auf: warum geht man am Geburtstag mit den Kindern nicht einfach auf den Spielplatz und lässt sie dann laufen? Oder organisiert maximal noch eine kleine Schatzjagd, Verstecken oder ein lockeres Fussballspiel? Macht es wirklich Sinn, die gerade in die Schule gestarteten Stöpsel mit so komplexen Aufgaben anzuleiten, dass eigentlich jedes Spiel zum Scheitern verurteilt ist?

Das Dosenwerfen haben wir uns noch angeguckt. Das klappte eigentlich gar nicht. Keiner der Lütten hielt den Abstand ein, keiner warf dreimal und die acht Kinder, die nicht dran waren, wollten auch nicht in der Reihe stehen bleiben. Alles ging quer Beet, jeder warf auf jeden, alle rannten durcheinander. Aber Spaß hatten Sie dabei. Bis dann die um die Kinder herumpostierte Elternarmada durchgegriffen hat und den lachenden, wuseligen Haufen mit ärgerlichen Befehlen wieder dem Spielplan entsprechend aufstellen wollte. Das Gelächter verstummte, keiner war sich einer Schuld bewusst, alle fühlten sich aber offensichtlich unwohl und plötzlich hatten die Kinder den Spaß am Dosenwerfen verloren. Wer den silbernen Alu-Ball am Ende bekommen hat, konnten wir nicht mehr sehen.

Liebe Eltern, macht Euch doch nicht so viel Streß. Den perfekten Ablauf am Kindergeburtstag gibt's nicht wirklich. Es ist ja löblich, einfach auf einen Spielplatz zu fahren und ein großes Fest zu feiern. Aber es muss nicht bis in die letzte Ecke durchgetaktet sein. Engt die Kinder bei den Spielen nicht so sehr ein. Sonst werden die noch ganz wuschig und verlieren den Spaß durch das Entwickeln eigener Spielideen.

P.S.: Gerade wo ich diese letzten Zeilen schreibe erinnere ich mich an eine Fahrradrallye, die mein eigener Vater während meiner Grundschulzeit zu meinem Geburtstag organisiert hat. Abends hatten die kleinen Beinchen aller Kinder locker 15 Kilometer auf der Uhr, wir waren erst im Halbdunkel zurück und die ganze Horde war fast zu erschöpft, um noch Kartoffelsalat mit Würstchen zu essen. Vielleicht macht es doch irgendwie jeder mal mit in dieser durchorganisierten Variante...

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