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Daddylicious: Mit Kind allein zu Haus. Männerabend!

Das erste Mal mit dem Kind alleine - da wird doch jeder Vater ein wenig nervös. Mark Bourichter hat sich perfekt vorbereitet und ist ganz ruhig. Bis er versehentlich gegen ein Spielzeug tritt.

Aktuell rennen die Mamas und Nicht-Mamas für roten Po und Peitsche wie in Scharen ins Kino. Der softpornöse Blockbuster "50 Shades of Grey" läuft in den Filmtheatern der Republik. Während zu Prosecco und Popcorn in den Köpfen der Damen Bilder mit Paketband in den eigenen Schlafgemächern entstehen, sitzen die Daddys zu Hause und wachen über den Nachwuchs. Und für viele ist es das erste Mal.

Das erste Mal mit dem Kind allein zu Haus. Bereits am Nachmittag breitet sich eine gewisse Nervosität in der Bauchgegend aus. Als wäre das überhaupt ganz neue Lebensgefühl nicht genug. Da stößt so mir nichts, dir nichts ein neues Lebewesen in den Lebensmittelpunkt und beansprucht nicht nur Zeit, sondern sorgt auch für ein ganz neues Gefühl der Verantwortung und Fürsorge.

Dieses Gefühl wächst und wächst. Man sorgt dafür, dass die Familie sich wohlfühlt und unterstützt, wo sie es kann. Während die Mutter beim Kind in der Regel die erste Geige spielt, allein schon wegen der Nahrungsaufnahme, sind wir Besorger, Beschützer, Windelnwechsler und stolze Kinderwagenschieber. Und dann schließt sich die Haustür.

Es ist ruhig. Der erste Gedanke: Hoffentlich bleibt es auch ruhig. Der erste Check gilt dem Babyphone. Sind alle Lampen auf Grün? Man bewegt sich auf Zehenspitzen Richtung Sofa. Auf dem Weg dorthin werden in der Küche, der Waffenkammer des kleinen Mannes, noch die Flaschen überprüft. Ist alles griffbereit? Steht der Fläschchenwärmer an der richtigen Stelle? Ist das Kabel auch ordnungsgemäß in der Steckdose? Das Spucktuch liegt schon gefaltet daneben. Die drei Ersatztücher sind so drapiert, dass ohne Zeitverlust drauf zugegriffen werden kann. Man hält kurz inne, ein Gefühl der Erhabenheit macht sich breit. John Rambo, Blade, Frank Martin, Bryan Mills oder James Bond hätten sich kein Deut besser vorbereitet.

Und dann passiert es: Von einem vorbeifahrenden Feuerwehrauto abgelenkt, auf der Suche nach dem letzten offenen Fenster der Wohnung, trittst du im Dunkeln gegen die elektronische Spielkombination. Du hast vergessen, dem Ding den Saft abzudrehen. Aus dem Sleep-Modus ertönt die erste schrille Musik und blaue, grüne und gelbe Lichter blitzen durch den Flur. Du überlegst kurz, ob du dich wie Colonel Faulkner aus "Die Wildgänse kommen" auf das Gerät wirfst, als wäre es eine Handgranate. Du entscheidest dich (zum Glück) dagegen, willst das Batteriefach öffnen, um dem Ding den Garaus zu machen. Leider verschraubt. Kacke. Du suchst den Schalter. Ruhe. Du vernimmst ein Murmeln aus dem Babyphone, während der erste Tropfen Schweiß in Zeitlupe auf das Parkett aufschlägt. Ganz langsam bewegst du dich wieder nach oben und suchst dein Heil in der grünen Zone des Wohnzimmers.

Geschafft. Lautlos wie ein Ninja lässt du dich auf das Sofa sinken. Das Mondlicht wirft seine Schatten durch die Gardinen. Auf der Anrichte der Küche blitzt das silber-rote Etikett der grünen Flasche auf. Die Tropfen des Kondenswassers auf der Flasche sorgen für den pawlowschen Reflex in der Kehle. Das Zischen des Kronkorkens hallt durch die leeren Räume. Nach dem ersten Schluck wirst du locker und schaltest kühn den Fernseher an. "Bullitt" startet nach der Wettervorhersage im dritten Programm. Ohne Werbeunterbrechung. Gott hat einen Namen: Steve McQueen.

Das Klicken des Haustürschlosses lässt dich aus deinem leichten Schlaf erwachen. Auf die Frage "Und? Wie war es?" lässt du nur ein müdes Lächeln aufblitzen. "Alles cool!" Auf dem Weg zum Schlafzimmer schiebst du lässig das nervtötende Spielzeug an die Seite. Ein Kinderspiel.

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