HOME

Daddylicious: Urlaub mit befreundeten Familien: Wenn aus Eltern wieder Freunde werden.

Mark Bourichter rät zum Urlaub mit Freunden. Er verreist am liebsten mit zwei Familien - vorausgesetzt, es wurden vorher ein paar Regeln aufgestellt.

So ein Sommer-Urlaub will geplant sein. Und bevor man zwei Wochen alleine am Strand die Sandburg vom Vortag wieder Instand setzt, warum nicht mit einem guten Freund, der Frau und den Kindern ans Meer? Ist doch ganz easy, denn schließlich ist man ja mit dem Kumpel so einige Male im Urlaub gewesen. Damals. Ohne Kinder. Interrail oder mit dem eigenen ersten Auto. Das war doch alles ganz easy.

Denkste! So ein Urlaub kann mächtig in die Hose gehen. Das Reiseziel, die Unterkunft, die Kinder und die Frau sind dabei unvorhersehbare Faktoren, die so einen Urlaub zur Hölle oder zumindest nicht zu dem machen, was man sich vorgestellt hat. Urlaub bedeutet ja schließlich auch Erholung. So sein können, wie man selbst oder als Familie ist. Und das kann schon der erste Knackpunkt sein, denn meist muss man Kompromisse eingehen. Da verhält es sich leider wie in der Politik: Ohne Kompromisse kein Konsens. Von den beiden Jungs als Freunde mal ganz abgesehen, denn die enge Bande kann durchaus Stoff für Diskussionen liefern. Schließlich versteht man sich ja blind, hat den gleichen Humor und die gleichen Vorstellungen. Aber sehen das die Frauen und Kinder genauso? Und reflektiert man sein eigenes Handeln auch so, dass es dem Rest der Gemeinschaft auch Recht ist? Eines ist sicher: Überlegt man sich genau, was alles schief laufen kann und ist man sich danach sicher, es immer noch wirklich zu wollen, dann stimmt zumindest die Grundeinstellung für die „supergeile“ Zeit.

Wer jetzt die zahlreichen Ratgeber-Texte zu diesem Thema für bare Münze nimmt, die alle zu der Erkenntnis kommen, dass eine gute Vorbereitung der Schlüssel zum Erfolg sei, dem ist kaum noch zu helfen. Entscheidend ist auf dem Platz, oder in diesem Falle: vor Ort. Denn es sind die „Macken“ der Menschen, die über Sieg oder Niederlage entscheiden. Und diese zeigen sich erst, wenn zwei Familien viel gemeinsame Zeit verbringen. Unterschiedliche Vorstellung der Erziehung, unterschiedliche Vorstellung der Ernährung, unterschiedliche Vorstellung des Freizeitprogramms sind nur die Reibungspunkte in Bezug auf die Kinder. Ab wann ins Bett? Wie oft ein Eis? Ist Banana-Boat-Fahren nicht zu gefährlich? Die eine Familie hält die Zügel locker, die andere eben nicht. Die Lösung ist die Diskussion. Der schlechteste Fall ist Schweigen, denn daraus resultiert Frust, Ärger und letztendlich Streit. Erweitert man jetzt das Minenfeld um die Bedürfnisse und Wünsche der Eltern, sollte man sich ein lauschiges Plätzchen im Schützengraben suchen.

Oder es einfach mal versuchen. Denn die ganze Schwarzmalerei kann sich in Wohlwollen auflösen. Wie ein Eiswürfel im Sundowner auf der Terrasse, während die Kinder im Planschbecken die letzten Sonnenstrahlen genießen. Sind die Sandflöhe nach Fütterung und Säuberung endlich in der Kiste, fängt genau die Zeit an, in der aus Eltern wieder Freunde werden. Man kocht zusammen was Leckeres und lässt den Tag mit einem Glas Wein oder einem Sixpack eiskaltem Gerstensaft ausklingen. Spricht über die Kinder, die vergangenen Jahre oder über das, was alles noch kommen mag. Und man freut sich auf den nächsten gemeinsamen Tag am Strand, die Action mit den Kids oder auf eine ruhige halbe Stunde und den Versuch, ein Buch zu lesen.

Grundsätzlich kann man unterschreiben, dass Kinder wenn möglich in dem gleichen Alter sein sollten, wenn Sie verreisen. Was aber bei Familien mit mehreren Kindern wiederum zum Problem werden kann. Der Umkehrschluss wäre ja die Erkenntnis, mit einem besten Freund nie in den Urlaub fahren zu können, weil die Demografie der Kinder nicht passt. Das sollte kein Ausschlusskriterium sein. Ich möchte nicht 20 Jahre warten, um mit einem meiner Freunde wieder in den Urlaub fahren zu können, weil endlich die Kinder aus dem Haus sind. Bleibt also nichts als das kalte Wasser, denn so ein Sprung ist die beste Möglichkeit, seine Komfortzone einmal zu verlassen.

Und eine Zeit mit Freunden, die ebenfalls knietief in der Kinder-Materie stecken, kann die eigene Sicht auf bestimmte Dinge wieder gerade rücken. So ein Urlaub ist auch eine Zeit des Erfahrungsaustausch im Umgang mit Kindern und des Lernens oder der Erkenntnis. Und es ist doch auch nicht schlimm, wenn es eben nicht die absolut supergeile Zeit war. Wirkliche Freunde sollte das nicht auseinander bringen.

Wer folgende Anregungen berücksichtigt, der kann das Konfliktpotenzial an einigen Stellen minimieren oder den Urlaub einfach freier gestalten, so dass beide Familien im weitesten Sinne unabhängig bleiben.

Ist man im Projekt „Urlaub“ noch nicht erprobt, sollten Familien nicht gleich ein gemeinsames Appartement oder eine gemeinsame Ferienwohnung beziehen. Auch wenn das Kosten reduziert, kann hier schnell an der falschen Stelle gespart werden. So wunderbar ein gemeinsamer Abend auch sein kann, sollte jeder eine Rückzugsmöglichkeit zur Verfügung stehen. Und jede Familie, zumindest die Eltern, sollten einen Ort haben, sich auch mal unter vier Augen auszutauschen. Gerade wenn es nicht wie im Länderspiel läuft.

Unabhängige Mobilität beider Familien ist die Voraussetzung, damit jede Familie auch mal allein unterwegs sein kann. Gerade wenn sich die kulturellen Vorstellungen nicht decken, kann jeder machen, was er möchte. Ob zum Shopping in die Stadt, zum Einkaufen oder tagsüber einfach mal zu einem anderen Strand – durch zwei Fahrzeuge, eigene oder Mietwagen, wird die Mobilität der Mitreisenden nicht eingeschränkt.

Ein gemeinsamer (Grund-)Einkauf ist bei getrennten Haushalten eigentlich nicht nötig. Eine gemeinsame Urlaubskasse kann allerdings nicht schaden, damit nicht jedes Eis, jeder Snack oder auch das gemeinsame Abendessen auseinandergerechnet werden muss. Wem das zu stressig ist, der wechselt sich einfach ab.

Eine gemeinsame Urlaubsplanung im Vorfeld macht auf jeden Fall Sinn. Was möchte man unbedingt erleben? Was wäre schön gemeinsam zu unternehmen? Wie sind die Vorlieben der Kinder? Und vor allen Dingen: Welche Regeln in Bezug auf die Kinder sind den Eltern besonders wichtig? Sind diese Fragen geklärt, dann steigt die Vorfreude ohne Vorbehalte.

Ein Urlaub mit Freunden und der Familie kann zu einem unvergesslich schönen Erlebnis werden. Für alle. Und bitte gerne mit Wiederholung. Die Patentante unseres Sohnes hat uns samt Familie während unserer Elternzeit auf Ibiza besucht (erfolgreich!). Mit Patenonkel und Anhang haben wir Urlaub im Folgejahr gemacht (ebenfalls erfolgreich!). Und die Zeit schweißt auch die Kinder zusammen. Was gibt es Schöneres?

Fotocredit: Copyright Mark Bourichter, DADDYlicious.de

Wissenscommunity