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Daddylicious Warum unser Fernseher seit der WM kaputt ist…

Daddylicious: Warum unser Fernseher seit der WM kaputt ist…

"Papa, wann kommt der Fernsehmann und repariert unseren Fernseher?", fragt mich mein drei Jahre alter Sohn. "Bald, mein Kleiner, ganz bald" beschwichtige ich ihn. Das klappt jetzt so mehr oder minder seit dem legendären 13. Juli 2014 - dem Tag an dem Deutschland Weltmeister wurde.

In der Zeit bis zum Finale lief die Flimmerkiste im Dauereinsatz und brachte ein Spiel nach dem nächsten - und Papa und Sohn haben das Treiben auf dem Rasen zumindest bei den frühen Spielen mit Trikot und Kaltgetränk beobachtet. Seitdem ist er "inoffiziell" defekt, denn für einen Dreijährigen ist die Welt von Kika und Co. noch nichts. Was läuft, ist egal, letztendlich geht nur um eines: Glotzen, was die Kiste hergibt.

Mein Sohn ist Fan von Feuerwehrmann Sam. Er war schon auf der echten Feuerwehrwache zu Besuch, ganz oben auf der Drehleiter und so ziemlich in allen Fahrzeugen, die am Albersloher Weg in Münster auf ihren Einsatz warten. Sein sehnlichster Wunsch ist, selbst einmal Feuerwehrmann zu werden. Keine so schlechte Option, schließlich tummeln sich in meiner Familie gleich drei davon. Mein Fehler war, ihm einmal den Feuerwehrmann Sam auf dem iPad zu zeigen. Oder meine Erkenntnis. Denn die schnellen, geräusch- und bildüberladenden Szenen können die Lütten noch nicht aufnehmen. Und, gelinde gesagt, ist das Hörspiel bereits grenzwertig. Allein schon wegen der amerikanischen Begriffe wie beispielsweise Mum und Dad. "Papa, der hat Mom gesagt. Was heißt das?" Vielleicht bin ich da aber auch sensibel, habe ich mich doch letztens bei der Arbeit auf dem Weg zur Kaffeemaschine dabei ertappt, wie ich lautstark das Intro gesungen habe. "Alarm, es kommt ein Notruf an! Feuerwehrmann Sam ist unser Mann!" Es ist wie eine Sucht.

Daddylicious: Warum unser Fernseher seit der WM kaputt ist…

Deswegen haben wir entschieden, die Glotze so lange wie möglich von ihm fernzuhalten. Zumindest bei uns zu Hause. Bei Oma und Opa ist das wiederum anders. Ich schreibe meinen Eltern nicht vor, was sie mit ihrer Enkel-Zeit machen. Und wenn sie mal eine Viertelstunde eine Auszeit benötigen, dann gerne auch mit Einsatz des Fernsehers. Das bei den Großeltern die Zügel etwas lockerer gehalten werden, macht die Sache für Kinder ja nur spannender. Und bei meiner Oma gab es auch immer mehr zu schlickern und natürlich Fernsehen. Es gibt Pädagogen, die Eltern die Empfehlung aussprechen, Kinder nicht vor dem zwölften Lebensjahr vor die Glotze zu lassen. Ganz so streng wollen wir mal nicht sein. Aber noch sehe ich keinen Anlass, mein Kind wegzuparken. Dafür ist mir die Zeit viel zu kostbar.

Die Alternativen sind Bücher - vom Wimmelbuch bis zu Kurzgeschichten. Als Vater machst Du innerlich drei Kreuzzeichen, wenn Du endlich echte Geschichten vorlesen kannst, um nicht zum siebenundneunzigstenmal den Ali-Mitgutsch-Schinken durchzukauen. Und so ziemlich alle Klappenbücher - die interaktive Variante des gedruckten Bildes - haben wir auch schon durch. Es gab auch mal eine (kurze) Zeit, wo es nur mit den kurzen Einspielern der Maus von der gleichnamigen Sendung ins Bett ging. Der wirklich guten "Maus-App" (nominiert für den diesjährigen Grimme-Preis) sei Dank, dass problemlos 30 Videos in Reihe angeschaut werden können. Eine schlechte Angewohnheit! Denn eines fiel auf: Es ging in erster Linie nicht um den Inhalt, sondern um die Anzahl der Filme. Während ich bei den Büchern noch eine schlaftrunkene Interaktion wahrnehmen konnte, war bei Videos Funkstille. Auch ein Indiz, dass Bewegtbild einfach noch nicht das Gelbe vom Ei ist.

Wer jetzt glaubt, bei uns im Hause ist "heile Welt", den muss ich enttäuschen. Das iPhone wird mit drei Jahren bereits fehlerfrei bedient. Neben den eigenen Fotos erwische ich mich immer wieder, wie ich mit dem Sohnemann zusammen auf Instagram #Feuerwehrautos angucke. Oder #Löwen-Bilder. Oder #Lokomotiven. Und ja, ab und zu ist auch ein Video dabei. Aber das bleibt unser Geheimnis - für ungefähr drei Sekunden. Denn mit Geheimnissen haben es die Kleinen noch nicht so.



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