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Gefährlicher Taxi-Dienst: Eltern sind die größte Gefahr für Kinder auf dem Schulweg

Sie ignorieren Zebrastreifen und Stoppschilder, starten riskante Wendemanöver und parken im absoluten Halteverbot: Eltern scheinen vor den Schulen jegliche Verkehrsregeln zu vergessen – und werden so zur größten Gefahr für ihre Kinder. Können Bannmeilen helfen?

Kinder auf dem Weg zur Schule

Immer schön vorsichtig auf dem Schulweg - bloß kein Elterntaxi übersehen!

Es ist ein klassischer Teufelskreis: Immer mehr Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto zur Schule. Warum? Weil dort so viele Autos unterwegs sind, dass die Situation für die Kinder zu gefährlich ist. Ergebnis: noch mehr Autos, noch mehr Gefahr für die wenigen Kinder, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind.

In ganz Deutschland beschweren sich regelmäßig Schulleiter und Polizisten über die Verkehrssituation vor den Schulen. In Osnabrück versucht sich die Politik nun an einer Lösung des Problems: Der Rat der niedersächsischen Stadt beschloss in dieser Woche, eine Bannmeile vor sämtlichen Schulen einzurichten.

So müssten Eltern ihre Kinder in Zukunft in Laufweite von der Schule absetzen – zum Beispiel an extra festgelegten Haltepunkten, sogenannten "Kiss and Ride"-Plätzen – und nicht mehr direkt vor dem Schultor, dort soll Halteverbot herrschen. Wer sich nicht an die Regeln hält, soll ein Bußgeld zahlen. Doch das sich in Osnabrück genügend Verkehrspolizisten finden, um jede Schule jeden Morgen zu kontrollieren, darf bezweifelt werden.

Elterntaxen sind ein bundesweites Problem

Solche Bannmeilen gibt es schon an mehreren Orten in ganz Deutschland. Auch in Osnabrück haben zwei Schulen bereits vor Längerem eine solche Zone eingerichtet. Sie würden damit gute Erfahrungen machen, sagte Schulleiterin Anne Goecke dem "NDR", auch wenn es immer wieder Eltern gebe, die die Regeln ignorieren.

Auch in Nordrhein-Westfalen greifen Schulen immer häufiger auf die Einrichtung von Bannmeilen zurück. Die Katholische Grundschule Niederkassel in Düsseldorf ging einen anderen Weg: Im Sommer 2014 sorgte die Direktorin für Aufsehen, als sie ein Schild aufstellen ließ, auf dem stand: "Vorsicht, liebe Kinder, hier fahren eure Eltern".

Die Bergische Universität Wuppertal hat in einer Studie im Auftrag des ADACs belegt, dass die Elterntaxen tatsächlich ein großes Risiko für die Kinder sind. Im Rahmen der Untersuchung wurden Schüler, Eltern und Lehrer an 750 Grundschulen in Nordrhein-Westfalen befragt. Ergebnis: Je weniger Elterntaxen vor der Schule halten, desto weniger Kinder werden verletzt. Gerade durch Wendemanöver und hektisches Fahrverhalten komme es immer wieder zu Blechschäden oder leichten Verletzungen. Außerdem warnen Experten regelmäßig davor, dass durch die ständigen Fahrdienste neben der Eigenständigkeit der Kinder auch ihr Verständnis vom Straßenverkehr leidet. Wenn es den Kindern möglich ist – sie also nicht zu weit von der Schule entfernt wohnen und der Weg für sie machbar ist – sei ein eigenständig zurückgelegter Schulweg immer zu empfehlen.

Doch die Zahl der Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fahren, steigt weiterhin. Ein Viertel der Zeit, die Eltern täglich mit der Betreuung ihrer Kinder verbringen, entfällt auf Fahrdienste – egal ob zum Sportverein oder zur Schule. Das haben Zahlen des Statistischen Bundesamts ergeben. Gegen die Elterntaxen kommt man nicht an, auch wenn Schulen teilweise zu überraschenden Mitteln greifen. So verteilen manche inzwischen sogar Belohnungsstempel, wenn ein Kind ohne Auto zur Schule kommt. Konsequenz daraus: Die Kinder werden ein paar hundert Meter entfernt abgesetzt und legen die letzten Meter zu Fuß zurück, um ihren Stempel zu bekommen. Auch eine Art Bannmeile ...

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