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Twitter-Rat und Bauchgefühl Keine Übernachtungsparty wegen Corona: Wenn die Tochter ganz schnell tapfer werden muss

Keine Übernachtungsparty wegen Corona: Die Tochter hat geweint, hat es aber verstanden
Sollte mein Kind trotz Corona auf eine Übernachtungsparty gehen? Ein Vater fragte die Twitter-Community um Rat. (Symboldbild)
© ljubaphoto / Getty Images
Kann ich mein Kind noch zu einer Übernachtungsparty gehen lassen, während die Corona-Neuinfektionen täglich zunehmen? Vor dieser Entscheidung standen Hamburger Eltern. Ihnen halfen Twitter und Bauchgefühl.

Wie viel Freiraum gebe ich meinem Kind? Wie viele Grenzen setze ich? Vor diesen Fragen stehen Eltern jeden Tag. Und seit der Corona-Pandemie müssen Eltern mehr denn je abwägen. Auf der einen Seite brauchen Kinder Freiraum, auf der anderen Seite will man sie vor einer möglichen Infektion schützen.

Thomas Dugaro kennt das Problem. Er ist Vater einer zwölfjährigen Tochter. Sie bekam diese Woche die Einladung einer Freundin zu einer Übernachtungsparty. Die Freundin hatte im Frühjahr Geburtstag – und will ihre Feier am kommenden Wochenende nachholen. Sieben Kinder wurden eingeladen, vier aus der Klasse und drei weitere Freundinnen. 

Mama und Papa fragten sich nun: Können wir unsere Tochter zu einer Übernachtungsparty gehen lassen, während die Corona-Neuinfektionen beinahe täglich zunehmen? "Als Vater will man natürlich, dass seine Tochter etwas Schönes erlebt", sagt Dugaro dem stern. "Außerdem will man einem anderen Kind nicht den Geburtstag versauen. Und dennoch ist da die Vernunft, die einem sagt: Wir haben gerade eine Pandemie."

Darf sie gehen oder nicht? Ein Dilemma

Seine Frau und er befanden sich in einem Dilemma, obwohl die Übernachtungsparty nicht gegen die Corona-Verordnungen verstößt. Dugaro lebt mit seiner Familie in Hamburg. Dort sind derzeit noch private Feiern mit bis zu 15 Personen erlaubt. Hinzu kommt, dass Wissenschaftler der McGill University herausgefunden haben: Kinder stellen keinen bedeutsamen Faktor bei der Ausbreitung von Covid-19 dar. Zudem sehen sich seine Tochter und ihre Freundin jeden Tag in der Schule; sie spielen sogar unter der Woche im gleichen Verein Fußball.

"Und trotzdem hatten wir ein schlechtes Gewissen", sagt er. Dugaro fragte andere Eltern im Freundeskreis. Doch auch dort konnte ihm keiner weiterhelfen. "Die meisten konnten meine Frau und mich verstehen", sagt er. "Niemand hätte mit uns tauschenwollen, weil niemand so eine Entscheidung treffen möchte." Deshalb entschied sich Dugaro, sein Problem auf Twitter zu teilen. Den Kurznachrichtendienst nutzen Eltern gern, um über Erziehungsthemen zu diskutieren. "Ich dachte mir, dort werden viele mein Problem kennen, weil sie vor dem gleichen stehen."

Er sollte Recht behalten. Dem Großteil erging es in den vergangenen Tagen und Wochen ähnlich. Allerdings gingen die Meinungen, welche Entscheidung nun richtig sei, auseinander. "Wir hatten neulich auch so eine Frage", schrieb ein Vater. "Ich fand es echt schwierig, dass die Einladenden die Verantwortung auf die Gäste abwälzen, sich zu entscheiden statt abzusagen. Wir haben nein gesagt. Mit dem Drama einer Dreijährigen."

Bauchgefühl und Tränen

Eine Mutter entschied anders. Ihr Kind durfte auf einen Geburtstag gehen. "Heute ähnliche Situation hier. Nach langem Gespräch mit meinem Mann haben wir uns entschieden, dass sie gehen kann." Eine andere Nutzerin appellierte an Dugaros Gewissen: "Die Frage, die Ihr Euch noch stellen solltet (ergänzend zu allem Genannten): Könntet Ihr mit den Konsequenzen leben, wenn eines der Kinder (vermutlich dann ohnehin alle) krank wird (werden). Je klarer Euch hier die Antwort fällt, desto einfacher möglicherweise die Gegenprüfung."

Die verschiedenen Meinungen halfen Dugaro und seiner Frau bei ihrer Entscheidung. "Wir haben gesehen, dass es kein Richtig oder Falsch gibt", sagt der Vater dem stern. Am Ende hörte er auf sein Bauchgefühl. Seine Tochter darf am Samstag nicht auf den Geburtstag gehen. "Sie hat zwar geweint, als wir ihr es gesagt haben. Allerdings hat sie es auch verstanden."

Quellen: Corona-Verordnung Hamburg / Studie McGill University


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