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Urteil in Köln: Paar gibt adoptiertes Kind zurück und muss nun mehr als 200.000 Euro zahlen

Nach nur zwei Wochen nahm ein Paar von der Adoption eines fünfjährigen Mädchens aus Thailand wieder Abstand. Jetzt muss es für die Pflege des Kindes in den nächsten sechs Jahren aufkommen, bestätigte das Oberlandesgericht.

Adoption

Das Paar muss insgesamt 219.000 Euro für die Unterbringung des Kindes bezahlen (Symbolbild)

Getty Images

Ein Paar aus dem Raum Köln hat sich nach einer Adoption dazu entschlossen, das adoptierte Mädchen aus Thailand wieder zurückzugeben. Das Kind muss nun in Köln in einer Pflegeeinrichtung untergebracht werden – und die Adoptiveltern sollen die Kosten dafür übernehmen. Das hat das Oberlandesgericht Köln in einem Urteil in zweiter Instanz bestätigt.

Das fünfjährige Mädchen stammte aus einem Kinderheim in Thailand und wurde dem Paar über das Landesjugendamt in Köln vermittelt. Doch schon nach zwei Wochen nahmen die Adoptiveltern wieder Abstand von ihrem Vorhaben – zu überfordert waren sie mit der Betreuung des Kindes.

Kind leidet an psychischer Störung

Grund dafür waren in erster Linie die häufigen Wutanfälle des Mädchens mit Spucken, Treten, Beißen und Schreien, führt das Oberlandesgericht Köln in einer Pressemitteilung aus. Offenbar leidet das Kind an einer psychischen Störung, die womöglich durch traumatische Erfahrungen mit seinem drogensüchtigen Vater in Thailand ausgelöst wurde. Dies sei durch das Jugendamt im Vorfeld der Adoption nicht ausreichend kommuniziert worden, argumentierten die Adoptiveltern.

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Das Gericht argumentierte dagegen, dass das Paar selbst nach Thailand gereist sei und das Mädchen dort mehrere Tage lang kennengelernt habe, bevor es sich für die Adoption entschieden habe. So hätten sie "mehr über das Kind gewusst, als sie durch einen detaillierteren Adoptionsvorschlag hätten erfahren können". Auch das Jugendamt habe im Vorfeld angemessen über die Risiken aufgeklärt.

Adoptiveltern müssen Unterbringung für sechs Jahre bezahlen

Somit lag nach Ansicht des Oberlandesgerichts "keine Amtshaftung der öffentlichen Stellen" vor. Vielmehr müssen die Adoptiveltern für die Pflege des Kindes in den nächsten sechs Jahren aufkommen – bei 100 Euro pro Tag sind das insgesamt 219.000 Euro. Nach der gescheiterten Adoption kam das Kind wieder in die Obhut des Jugendamts und lebt nun in einer Wohneinrichtung in Deutschland. Diese Regelung sei dem Paar vor der Adoption bekannt gewesen.

Damit bestätigte das Oberlandesgericht Köln eine Entscheidung des Landgerichts Köln. Die Kläger wollen die Entscheidung vor dem Bundesgerichtshof anfechten. 

Quelle: Oberlandesgericht Köln

epp

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