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Buch "Völlig fertig und irre glücklich": "Diese kleinen Momente, in denen einem das Herz stolpert"

Kein Schlaf, keine Freizeit, dafür ganz viel Liebe: Okka Rohd erzählt, wie es ist, wenn da plötzlich drei Menschen sind statt zwei. Ihr Buch ist eine Liebeserklärung an die Familie.

Von Viktoria Meinholz

Wie ist das eigentlich, wenn sich das ganze Leben ändert? Wenn man nicht mehr selbst über seine Zeit bestimmt, viel zu wenig schläft und seine Freunde nicht mehr trifft? "Ganz wunderbar", sagt Okka Rohd. Die 37-Jährige ist vor knapp vier Jahren Mutter geworden und hat ein Buch über die ersten Jahre mit ihrer Tochter geschrieben. "Völlig fertig und irre glücklich" heißt es, ein Titel, der zu dieser Zeit zu passen scheint.

Ich bin so müde. Und werde immer müder. Ich möchte auch eine Runde schreien und mich auf die Erde werfen…

"Manchmal sitzt man morgens am Frühstückstisch und denkt, wie soll denn dieser Tag bitte schön rumgehen? Heute kracht alles zusammen, ich bin total müde und einfach nur fertig", erzählt sie. "Doch am Ende kriegt man diese Tage immer irgendwie rum und hat viel mehr Kraft, als man zuvor dachte. Ein sehr gutes Gefühl."

Das Buch erzählt wie ein Tagebuch davon, wie Okka Rohd und ihr Mann Eltern wurden. Wie ihr Alltag mit Baby verlief - voller Freude, aber auch mit vollen Windeln und kurzen Nächten. "Wenn man vom Elternsein liest, ist es oft sehr abstrakt oder sehr problembehaftet. Nur selten liest man, dass es schön ist ein Kind zu haben, und dass man das schon alles hinbekommt. Aber genauso empfinde ich das heute, als etwas, das ganz natürlich ist", sagt sie.

Manchmal kommt es mir jetzt vor, als wären wir zwei entfernte Bekannte, die zufällig ein Kind miteinander haben.

Neben ihr kommt auch der Vater der kleinen Fanny zu Wort. Er beantwortet Fragen, die bestimmt viele junge Eltern interessieren: Warum es viel leichter ist, Vater eines Babys zu sein, als alle immer behaupten. Wie überwältigend auch für ihn die erste Zeit war. Und ob er diese Frau mit den ungewaschenen Haaren und den Augenringen, die manchmal für alles zu müde ist, überhaupt noch liebt. (oh, ja!)

"Ich dachte, dass es schön wäre, wenn in dem Buch auch seine Perspektive vorkäme", sagt Okka Rohd. "Mich hat zum Beispiel die Frage interessiert, wie das Vatersein ihn eigentlich verändert hat. Über solche Themen spricht man ja nicht, wenn man abends auf dem Sofa sitzt und sich erzählt, wie der Tag so war."

Manchmal muss ich mich zusammenreißen, um nicht loszuheulen, wenn ich dir beim Fannysein zusehe…

Die Journalistin hat wenige Wochen vor der Geburt ihrer Tochter begonnen, einen Blog zu schreiben, um die Erinnerung an die erste Zeit festzuhalten. "Ich glaube, das ist eine der ersten Erfahrungen als Mutter, plötzlich vergeht die Zeit in einem Irrsinnstempo. Zweimal blinzeln und das Kind ist vier." Auf ihrem Blog erzählt sie ähnlich offen von ihrem Alltag mit Fanny wie auch im Buch. Was denkt sie, wie ihre Tochter das finden wird, wenn sie älter ist? "Ich hoffe, sie freut sich. Sie hat dann was, was ich von meiner eigenen Kindheit - abgesehen von ein paar Fotos - überhaupt gar nicht habe, nämlich sowas wie ein Gedächtnis."

Sie hat sich Grenzen gesetzt, über was sie schreibt und über was nicht. So sind ihre Geschichten immer ehrlich, kommen dem Leser aber nicht zu nah, sind anrührend, ohne kitschig zu sein. Sie will vom Glück ihres Alltags erzählen, ohne die dunklen Seiten zu ignorieren. "Gerade in den ersten Monaten als Mutter, wo alles noch wahnsinnig neu und ich sehr oft sehr unsicher war, habe ich es als wahnsinnig erleichternd empfunden, wenn mir eine andere Mutter mal gesagt hat, dass sie vor Müdigkeit auch losheulen konnte. Oder dass sie sich auch mit ihren eigenen Ansprüchen im Weg steht. Oder ihre Haare seit drei Tagen nicht gewaschen hat."

Noch nie in meinem Leben war ich so müde und fertig wie in diesem Jahr. Noch nie in meinem Leben war ich so glücklich.

Die größten Freuden im Leben mit ihrer Tochter seien die kleinen Momente, sagt die Bloggerin. Die Dinge, die Kinder sehen würden, eine Wolke in Teddyform oder dass der Mond wie eine Lampe über der Straße hängt. "Dass es andauernd diese kleinen Momente gibt, in denen einem das Herz stolpert, weil etwas so witzig oder so rührend oder so schön ist. Diese ganzen kleinen Sätze, die man als Erwachsener nie sagen würde, weil das Denken schon viel solider und formatierter ist."

Es sind alltägliche Wahrheiten, von denen Okka Rohd berichtet. Aber so, wie sie sie erzählt, bekommen sie einen besonderen Glanz. Das Buch geht ans Herz. Und zwar nicht durch dramatische Szenen oder überraschende Wendungen. Sondern dadurch, dass es den Zauber des Alltäglichen enthüllt.

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