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Beachvolleyball WM: Frauen raus

Alle sechs deutschen Frauen-Paare sind am Donnerstag bei den 5. Weltmeisterschaften im Beachvolleyball ausgeschieden. Die Medaillen-Hoffnungen trägt auf dem Schlossplatz in Berlin noch ein Männer-Quartett.

Die beste Frauen-Platzierung ist ein enttäuschender neunter Platz von Stephanie Pohl/Okka Rau aus Hamburg. Bei den Männern feierten Hoffnungsträger Markus Dieckmann/Jonas Reckermann (Moers) und Julius Brink/Kjell Schneider (Leverkusen/Kiel) ihre zweiten Siege und haben damit die Chance, ihre neunten Plätze noch zu verbessern. Da beide Teams am Freitag gegeneinander antreten müssen, ist ein fünfter Rang sicher. Auch die Hobbyspieler Marven Polte/Thorsten Schoen (Essen/Schüttorf) sind schon Neunter.

Dieckmann/Reckermann feierten ein 2:1 (21:18, 17:21, 15:11) über Jorre Kjemperud/Tarjei Skalund (Norwegen). Im Tiebreak war nach einem 4:8-Rückstand eine Energie-Leistung mit sechs Punkten hintereinander notwendig. Brink/Schneider dokumentierten ihre Fortschritte ebenfalls mit einem 2:1 (13:21, 21:17, 17:15)-Erfolg über die Brasilianer Marquez Harley/Isfran Benjamin. "Nach dem neunten Rang kommt nun die Kür, da rechnen wir uns auch Chancen aus", sagte Schneider. Die Nachrücker Marven Polte aus Essen und Thorsten Schoen setzten ihr starke Serie fort und gewannen auch das dritte Spiel gegen Martin Laciga/Markus Egger (Schweiz) mit 2:1 (7:21, 21:9, 15:13). "Kaum zu fassen. Am Schluss hatte ich doch ein zittriges Händchen", gestand Polte.

Das Quartett vervollständigen die Olympia-Fünften und Schanghai- Sieger Christoph Dieckmann/Andreas Scheuerpflug (Berlin), die nach der Auftakt-Niederlage vom Vortag ihren Heimvorteil in zwei deutschen Duellen nutzten: Zuerst besiegten sie Thomas Kröger/Niklas Rademacher (Lintorf/Kiel) 2:0, dann David Klemperer/Eric Koreng 2:1. Für Daniel Krug/Mischa Urbatzka (Kiel/Eimsbüttel) war gegen Marcio Araujo/Fabio Magalhäus (Brasilien) mit 0:2 wie erwartet Endstation. Pohl/Rau kassierten am dritten Spieltag zwei Niederlagen: Zunächst unterlagen sie den favorisierten Titelverteidigern und Olympiasiegern Kerri Walsh/Misty May-Treanor (USA) 0:2 (19:21, 17:21), dann folgte ein 0:2 (17:21, 14:21) gegen die Olympia-Zweiten Bede Shelda/Adriana Behar (Brasilien).

Shelda/Behar hatten zuvor mit 2:0 die Träume von Danja Müsch/ Susanne Lahme (Berlin) von einem besseren Ergebnis als Platz 13 zerstört. Sie nahmen damit Revanche für das 2:1 der Gastgeberinnen gegen ihre Landsleute Sandra Pires/Agatha Bedarczuk in der Mittagshitze. Ebenfalls 13. wurden Rieke Brink-Abeler/Hella Jurich (Münster). Nach einem 2:0-Erfolg über Sanne Keizer/Marrit Leenstra (Niederlande) unterlagen sie in einem weiteren Brasilien-Duell Ana Paula/Leila Barros 0:2.

Spieler-Streik beendet Machtkampf mit FIVB

Berlin (dpa) - Ein knapp zweistündiger Spieler-Streik hat bei den Beachweltmeisterschaften in Berlin den Machtkampf mit dem Volleyball- Weltverband FIVB beendet und mit einen Kompromiss die Fortsetzung der Titelkämpfe gesichert. "Es wurde eine Vereinbarung getroffen, mit der die Athleten leben können", verkündete Werner von Moltke, Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) und des WM- Organisationskomitees, nach über 90 Minuten dauernden Verhandlungen zwischen den sechs Spielervertretern und FIVB-Präsident Ruben Acosta.

Der schriftliche Kompromiss beinhaltet nach den Worten von Sydney- Olympiasiegerin Natalie Cook, dass die Vierjahresverträge und der Code of Conduct bestehen bleiben. Im Gegenzug akzeptierte die FIVB eine Athleten-Kommission von jeweils sieben Frauen und Männern, die einen Vertreter zu den Sitzungen des Weltverbandes entsenden und die Spieler-Interessen vertreten kann.

Dabei gab es die Einschränkung, dass es sich bei diesem Vertreter um keinen Rechtsanwalt handeln darf, sondern um ehemalige und aktuelle Aktive. "Wir haben mit diesem Streik deutlich gemacht, dass wir das Recht haben, um die Rechte der Spieler zu kämpfen", sagte die Australierin Cook. Außerdem wurden gleiche Spielerverträge für alle wie bei den USA-Aktiven abgesprochen.

"Die FIVB hat begriffen, dass sie auf die Athleten zugehen muss. Einen Boykott oder Abbruch der WM hätte doch niemand verstanden und die Athleten wären die Verlierer gewesen", meinte von Moltke, der froh war, dass das Championat zu Ende gespielt wird. "Die Vernunft hat gesiegt, dafür allen Beteiligten Dank. Der DVV wäre finanziell tot gewesen. Es wäre eine Prozesslawine losgetreten worden, wenn wir den Laden heute dicht gemacht hätten", stellte von Moltke am Abend auf einer Pressekonferenz fest. "Ohne Kompromiss wäre Krieg gewesen", sagte sein Stellvertreter Götz Moser.

Die Mitteilung, dass mit Beginn der 12.00-Uhr-Spiele gestreikt wird, schlug wie ein Blitz aus heiterem Himmel ein. Die Aktiven hatten am Vorabend in Gesprächen mit Acosta eine Unterschrift bis zum Morgen 8.30 Uhr gefordert, in der er als oberster Repräsentant der FIVB Verhandlungen mit der Spielergewerkschaft und über den Code of Conduct akzeptiert. Als diese Unterschrift ausblieb, sahen die Aktiven keine andere Chance mehr, als sich mit einem Warnstreik gegen die Knebelverträge der FIVB zur Wehr zu setzen. Acosta kündigte am Abend an, dass die Diskussion am Freitag fortgesetzt werden soll.

Die FIVB, die der Kraftprobe seit WM-Beginn wenig Bedeutung beigemessen hatte, drohte nun ihrerseits mit Sanktionen: Ausschluss der Streikenden vom WM-Turnier, von der Welt-Tour und von den Olympischen Spielen. Das führte zur Solidarität aller WM-Teilnehmer. "Kommt es zur Sperre, wird keiner mehr spielen", sagte Christoph Dieckmann. "Natürlich erklären wir uns alle solidarisch und stehen in dieser Situation zusammen. Das ist unsere größte Chance", fügte sein Partner Andreas Scheuerpflug (Berlin) hinzu.

DPA

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