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Schädeldeformität beim Säugling: "Hübscher Helm" statt "armes Kind"

Einem kranken Baby begegnen Menschen oft anders als einem gesunden - mitleidige Blicke statt strahlendes Lächeln. Die amerikanische Künstlerin Paula Strawn bewahrt Kinder mit Kopfdeformitäten davor.

Von Susanne Baller

Es war eine Freundin, die Paula Strawn auf die Idee brachte. Deren Kind musste wegen einer Schädelverformung einen Helm tragen und die Mutter konnte die Blicke nicht mehr ertragen, die ihr Baby in der Öffentlichkeit trafen. Strawn, Künstlerin aus Kalifornien, nahm sich der Sache an und gestaltete ihren ersten Babyhelm. Mehr als zwölf Jahre sind seither vergangen - und über 1300 der in medizinischem Weiß gehaltenen Helme bunt geworden.

"Ich glaube wirklich, dass ein lustiges und freundliches Design für diese zwar hilfreichen, aber hässlichen Helme die Einstellung aller Menschen ändert, die mit dem Baby in Kontakt kommen", schreibt Strawn auf ihrer Website. "Außerdem macht es mir riesigen Spaß, sie anzumalen." Damit die Kinder nicht lange auf ihren "Schädelformer" verzichten müssen, malt Strawn "wie der Wind". Sie beginnt, sobald der Helm bei ihr angekommen ist, und kann die meisten noch am gleichen Tag zurückschicken. Im Idealfall muss das Baby also nur zwei Tage ohne auskommen - wenn es in den USA lebt.

Schädeldeformitäten im Säuglingsalter können durch unterschiedliche Ursachen auftreten. Während bei der frühzeitigen Verknöcherung der Schädelnähte oft nur Operationen helfen, kann bei den sogenannten nicht-synostotischen auch eine Helmtherapie helfen. Sie entstehen etwa durch einseitige Lagerung als Folge eines Schiefhalses. Der kleine Helm, den die betroffenen Kinder täglich 23 Stunden tragen müssen, nutzt das Kopfwachstum im ersten Lebensjahr, um die Schädelform zu korrigieren.

"Die Produkte, die ich verwende, sind ungiftig, wasserbasiert und kinderfreundlich", erklärt Strawn. "Ich habe eine sehr gute Methode, die Helme so zu präparieren, dass die Farbe hält und nicht abblättert."

Als Risikofaktoren für die Entstehung eines sogenannten lagebedingten Plagiozephalus gelten: männliches Geschlecht, erstgeborenes Kind, einseitige Schlaf- und Fütterungshaltung, Standort des Kinderbettes, wenn das Kind seltener als dreimal pro Tag in Bauchlage liegt oder eine verzögerte motorische Entwicklung hat. Die Helmtherapie ist in Deutschland nicht unumstritten und wird nicht immer von der Krankenkasse bezahlt, wie etwa ein Beitrag des NDR zeigt.

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